Wechselkurs Euro – Renminbi, oder: Ist die EU bescheuert?

November 29th, 2009  |  Published in Allgemein  |  7 Comments

So, zu später Stunde nochmals ein Post. Nein, ich bin nicht zu alter Hochform aufgelaufen und das nächste was ich schreiben werde ist wohl mein Wochensenf.

Was ich aber gerade im Spiegel gelesen habe ist einen Blogeintrag wert!


Das Thema des Beitrags ist der Wechselkurs zwischen dem Euro und dem Chinesischen Renminbi (auch Yuan genannt). Die EU hat wohl allen ernstes die Chinesen gebeten den Yuan aufzuwerten, was bedeuten würde das der kurs zwischen RMB und Euro angeglichen würde.

Was bedeutet das? Wenn Du nach China kommst erhälst Du weniger RMB für deine Euronen… Ärgerlich sollte man meinen und ich sehe das genauso, da ich mein Geld immer noch in Deutschland verdiene. Da die EU sich aber einen Dreck um Urlauber kümmert die die Kaufkraft eines anderen Landes ankurbeln möchten, stellt sich die Frage was die Frage sollte…

Ganz einfach: Unsere Exporte aus Europa, z.B. nach China, sind derzeit zu teuer. Vor ein paar Monaten bekam man z.B. für einen Euro nur ca. 9 Yuan. D.h. wenn ich etwas nach China verkauft hätte, was 1.000€ gekostet hat, hätten die Chinesen dafür nur 900 Yuan auf den Tisch legen müssen. Umgekehrt habe ich für meine 100€ auch nur 900 Yuan erhalten, was mich natürlich traurig stimmte ;-) Vor einem Jahr war das ganze noch schlimmer, da bekam man nämlich für einen Euro nur 8,5 Yuan. Von den 6 Renminbi die in meinem Chinesischbuch stehen mal ganz abgesehen.

Jetzt steht der Euro im Vergleich zum Yuan bei 10,xx, was bedeutet das ich für meine hart verdienten 100€ 10xx Yuan erhalte. Wenn man das für etwas höhere Summen rechnet kommt da eine ganz schöne Differenz zusammen.

Da die Chinesen aber in erster Linie an ihren Binnenmarkt denken und das meiste was man aus Europa beziehen könnten auch selbst herstellen können, scheren sie sich einen Dreck um die Bitten aus Brüssel. Wahrscheinlich stellte man sich in Nanjing, wo die Konferenz stattfand und in Beijing, wo die Regierung ihren Sitz hat, die gleiche Frage wie ich…

Im Umkehrschluss sind natürlich Exporte chinesischer Produkte (ja, die gibt es, schau mal in die Labels deiner Klamotten) derzeit günstiger, was ebenfalls die Kaufkraft Chinas ankurbelt und die Europäer noch schlechter dastehen lässt. Aber das ist, und damit soll es auch genug für Heute sein, eine Begleiterscheinung der Globalisierung…

Genug der Worte,
bis nächsten Sonntag,
Meiling und Sven (bzw. Sven, der gleich Meiling abholen geht…)

Kommentare

  1. Aremonus says:

    November 29th, 2009 at 19:23 (#)

    Naja, die Forderung der EU finde ich eigentlich ganz sinnvoll. Die Kaufkraft der Chinesen ist doch tiefer, da ausländische Produkte teurer; zudem wachsen die Dollar-Reserven der chinesischen Regierung, während sich der Dollar stetig abwertet -> die Chinesen arbeiten sozusagen gratis für die Amis^^

    Natürlich, China kann durch eine Abwertung seiner Währung weiter wachsen – aber defacto arbeiten die Chinesen einfach immer billiger und billiger, ohne sich jedoch mehr Importe leisten zu können. Hinzu kommt, dass das Wirtschaftswachstum Chinas zu 70 Prozent auf ausländischem Kapital beruht (ok, 2009 wird diese Zahl wegen des Konjunkturpakets wohl tiefer sein)… die Gewinner: Chinas und Amerikas Oberschicht, Europa. Die Verlierer: Amerikas main street und die normalen Chinesen…
    Europa Erhält zwar weniger Arbeitsplätze, aber Profitiert dennoch von der Arbeitsleistung Chinas, da es einen relativ guten Sozialstaat gibt und die Preise so relativ zum Einkommen immer tiefer werden.
    Das grösste Problem: diese Politik ist kurzsichtig, da so natürlich extreme Spannungen entstehen, die zu riesigen Finanzkrisen führen (siehe derzeitige Wirtschaftssituation). Ein stärkerer Yuan wäre zwar kurzfristig für die chinesische Wirtschaft nicht so gut, aber langfristig für China und die Welt besser. Doch 8 Prozent Wachstum, wie von Mao postuliert, liessen sich damit nicht aufrecht erhalten – und für Chinas Regierung würde es ungemütlich (genauso auch für Amerikas, da der Dollar erstmal noch viel stärker fallen würde).

    Ich hoffe auch ganz persönlich, dass sich der Yuan zum Euro (und somit zum Franken) aufwertet, da ich bald eine grössere Summe Yuan in Franken wechseln muss :P

    Mein Vorschlag:
    Chinas Regierung sollte sich stärker Verschulden (Infrastrukturaufbau, Bildung (!) Investitionen im Ausland, Konjunkturförderung) und gleichzeitig den Yuan flexibler werden lassen, bis dass sich das ganze besser eingependelt hat. Dasgeht nicht in einem Jahr, sondern dauert fünf bis zehn Jahre. Aber China wäre danach nicht mehr das Land, das die Arbeit erledigen muss, die niemand in Europa und Amerika tun will.
    Dennoch: die Regierende finanzielle und politische Oberschicht Chinas hätte dadurch nur Probleme; du kannst also weiterhin dein Geld in Euro anlegen, da sich mittelfristig erstmal nichts ändern wird.

  2. Aremonus says:

    November 29th, 2009 at 19:28 (#)

    Oh, sorry, für den ultralangen Post, aber hier noch ein Nachtrag:

    Vermutlich wird sich der Yuan zum Euro längerfristig schon aufwerten, da er weniger an den Dollar, sondern mehr an einen internationalen Währungsfonds gebunden sein wird. Das dauert aber noch. Und zwar lange. Denn noch immer sind die USA die Importstärkste Volkswirtschaft der Welt, und Europa für China weniger interessant (höchstens für Importe, da viele Anlagen aus Europa stammen; Chinas Handelsüberschuss mit Europa ist kleiner als mit den USA, und das Handelsvolumen grösser).

  3. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    November 30th, 2009 at 10:56 (#)

    Moinsen,

    nur keinen Stress mit der Kommentarlänge ;-) Das ist mir lieber als ein Einzeiler!

    Wie man in China sagen würde ist das ganze Mao-Dun. In Deutschland würde man sagen die Katze beist sich selbst in den Schwanz… Genau so geht mir das natürlich auch. Von meiner persönlichen Warte betrachtet ist es mir ganz recht wenn der Yuan zu tief bewertet ist, da ich wie gesagt mein Geld in Fremdwährung verdiene. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Deshalb bekomme ich für weniger derzeit wieder mehr (kann mich noch an eine Tauschratio von 1:12 erinnern, das war mal richtig schick ;-)).

    Es ist weniger die Tatsache das die Wechselkurse wohl nicht marktgerecht sind sondern einem 5-Jahresplan folgen den der Fakt das Deutschland und Europa schon seit längerem nicht mehr besonders flexibel und somit Wettbewerbsfähig ist. Diese Entwicklung war auch für mich der ursprüngliche Impuls Chinesisch zu lernen. Damals fragte jeder noch nach dem Warum und es kam ein bemittleidendes Lächeln, aber nun muss man nur die Zeitung aufschlagen um es zu erfahren.

    China investiert derzeit auch ganz gut. Die monetären Entwicklungshilfen (das Thema Hilfe zur Selbsthilfe hatten wir glaub ich schon mal) in Afrika stellen das was Europa “leistet” wahrscheinlich locker in den Schatten. China baut sich hier aber natürlich auch neue Märkte auf. Die Entwicklung die derzeit, stand auch im Spiegel und ich bekomme es ja live mit, fraglich ist ist die des Immobiliensektors. Derzeit findet nämlich hier eine massive Anpassung des Preisgefüges statt, weshalb Du evtl. drüber nachdenken solltest deine Yuan-Millionen in Wohnungen in Zentralchina zu investieren. Das hat natürlich was mit Zocken zu tun, da die Preisblase wohl irgendwann platzen wird. Auch stellt sich die Frage ob wir für solche Geschäfte nicht zu spät dran sind.

    Hätte ich jetzt nochmal die Wahl würde ich wohl eher nach Vietnam gehen… Da dauert es noch etwas bis der Zug richtig an Fahrt gewinnt und auch die politische Situation ist noch schwammiger als in China.

    Es bleibt also spannend wie sich das ganze entwickeln wird. Meiner Meinung nach ist China jetzt schon viel zu teuer. Wenn ich mir ein normales Gehalt ansehe und es dann in Relation zu den Preisen für Lebensmittel oder Mieten (auch Wohnungen) setze braucht sich in Deutschland keiner beschweren. Von der Schweiz wollen wir hier gar nicht erst reden ;-)

    Cheers,
    Sven

  4. Aremonus says:

    November 30th, 2009 at 14:31 (#)

    “. In Deutschland würde man sagen die Katze beist sich selbst in den Schwanz… Genau so geht mir das natürlich auch.” Warum beisst dur dir selbst in den Schwanz? xD

    “Yuan-Millionen in Wohnungen in Zentralchina zu investieren. ” Hätte ich nur welche xD
    Bin noch ein armer Student, der von siebenstelligen Beträgen selbst in japanischen Yen noch träumt^^

    Europa ist, wie ich finde, garnicht so übel dran. Die Schweiz zumindest nicht… wie es EU-weit aussieht, blick ich noch nicht so ganz^^ Aber die Wirtschaft auf dem alten Kontinent ist ziemlich stabil und auch sehr innovativ (vielleicht nicht so im Grossen, dafür aber im Kleinen). Das dürfte aber auch von der Perspektive abhängen; ich sehe es eher aus ingenieur-technischer Sicht. Aus informatischer Sicht steht Europa natürlich nicht ganz so gut da; auch in der Schweiz herrscht ein schlimmer Informatikermangel, was bereits die Innovativität des Landes im IT-Bereich bedroht. Die Informatikstudenten an meiner Ex-Uni müssen inzwischen garkeine Infinitesimalrechnung und Lineare Algebra studieren, sondern nur noch die einfachen mathematischen Methoden (also das ganze ohne jegliche Beweisführung). Hier wär’ doch eine Marktlücke für dich; so als IT-Consultant xD

  5. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    November 30th, 2009 at 19:57 (#)

    Moinsen,

    für 400.000 Yuan bekommste in Chongqing schon ne ganz anständige Bude. Beim Golfplatz von CQ kostet der m² gerade 190€… Da würde der o.g. Betrag sogar für eine anständige Wohnung reichen.

    Wir hatten das Thema der kulturellen Unterschiede zwischen unseren Heimatländern ja schon mal behandelt. Ich war selbst vor ein paar Jahren mal regelmäßig in Zürich und vom Umgang mit StartUps ganz angetan. Kennst Du das Venturelab? Wenn nicht unbedingt mal googlen und besuchen.

    Als IT Consultant in der Schweiz hätte ich wohl keine Zukunft. Ich bin, was Onlinemarketing und so ziemlich alles was mit dem Internet zu tun hat zwar sehr sehr fit, aber alles andere ist für mich Maurertätigkeit, die man auch gut und gerne in Niedriglohnländern machen kann. Ein Freund von mir meinte gestern das man in Brasilien, mit recht rudimentären SAP Kenntnissen, schon 4-5.000€ einstreichen kann. Wohlgemerkt in einem Land in dem man für 1,50€ sehr gut Essen gehen kann… Aber ich schätze dann doch meine Freiheit und Arbeitszeiten von Mittags um 16.00Uhr bis 3.00Uhr in der frühe…

  6. Oliver says:

    December 3rd, 2009 at 01:56 (#)

    Nun ja, wir Deutschen sind zu sehr auf unseren Export fixiert das rächt sich dann gelegentlich…..

    China setzt verstärkt auf den heimischen Markt in Zeiten der Krise.. so sollen Solarpanels erst mal im Land verwendet werden und schon jammert unsere Branche wegen fehlender Kapazitäten… auf der anderen Seite verfolgt China damit auch die Einhaltung der Klimaziele..Thema Windenergie nicht zu vergessen….

    Die Globalisierung ist Fluch und Segen zugleich, die Waage zu halten ist schwer. China ist der größte Gläubiger der USA aber auch der größte Exporteur dorthin…
    Auch die USA wollen das China seine Yuan nicht künstlich niedrig hält.. war auch ein Anliegen von Mr. Obama bei seinem Besuch.. ( gab hierzu einen sehr interessanten Artikel von der “Zeit” , glaube ich )
    Vielleicht wird ja der Dollar als Welthandelswährung demnächst abgelöst??? Es gab da ja schon mal gewisse Andeutungen…

    In Shanghai wurde vor kurzem wieder ein Rekordpreis für eine Luxuswohnung erzielt. Dadurch wurde ein neuer Höchststand erreicht… wir werden sehen wohin das führt…
    oder wann platzt die Blase???

    Vietnam steht zwar am Ende der Reihe aber auch hier zeichnen sich schon enorme Veränderungen ab.Interessant ist es sicherlich, aber dort ist auch ( noch ) einiges schwieriger als in China….

    Thailand ist auch nicht uninteressant aber im Moment haben die Thais Angst das, wenn Ihr geliebter Monarch abdankt oder das Zeitliche segnet, sein Sohn den Zeiger von Fortschritt auf Rückschritt stellt…. spricht man hinter vorgehaltener Hand…

    Bliebe noch Kambodscha……

    Soweit meine kleinen Impressionen…

  7. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    December 4th, 2009 at 09:17 (#)

    Moin,

    meiner Meinung nach ging es uns zu lange zu gut. Unser Land war am Boden und wir hatten erst mal den Binnenmarkt zu entwickeln. Das Wirtschaftswunder entwickelte sich. Danach haben wir langsam angefangen Produkte “Made in Germany” (was wohl ursprünglich eine Erfindung der Engländer war, die im zweiten Weltkrieg Produkte aus Deutschland kennzeichnen wollten, damit sie keiner mehr kauft) zu exportieren. Zu guter Letzt fiel die Mauer und wir hatten 16 Millionen neue Bundesbürger, die alle einen neuen Hausstand und Autos brauchten. Man(n) wägte sich zu sehr in Sicherheit, wurde Bequem und, meiner Meinung nach, Faul.

    Die Chinesen haben das Glück gerade jetzt noch einen nicht voll entwickelten Binnenmarkt zu haben. Zusätzlich schaffen sie gerade die Infrastruktur um aus struckturarmen Gegenden wie z.B. Chongqing später Produkte günstig zu den Seehäfen zu bringen. Das wird erst noch interessant. Bei der Solarenergeie und anderen regenerativen Energieformen sind sie gerade dabei uns zu überholen. Hab irgendwo nen Bericht gelesen das es in China (glaub in der Nähe von Beijing) eine komplette Stadt gibt die vom Stromnetz abgekoppelt ist (bzw. nur dran ist um Überkapazitäten einzuspeisen). Die Einwohner haben schon seit Jahren keine Stromrechnung mehr bekommen. Gibt es sowas bei uns? Fehlanzeige…

    Der Spiegel hatte mal nen Bericht zum Thema “neue Weltwährung Renminbi”. Das ganze ist einfach WährungsPOLITIK. Gerade hält China den RMB etwas im Rahmen und drückt ihn um ihn in der Zukunft wieder etwas besser zu bewerten. Abwarten. Mich interesiert wie gesagt eher der Wechselkurs zu mienen Gunsten ;-)

    Risiko ist die Grundlage für Chancen Oliver. Deswegen ist Vietnam derzeit meine Nummer eins wenn es um einen Umzug geht. Die BRIC Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) sind alle schon zu weit entwickelt. Da sind die Logenplätze schon vergeben. Interesant wird es in Vietnam oder aber in Afrika (wobei ich Meiling wohl nicht überreden könnte da hin zu ziehen ;-)).

    Cheers und beste Grüße,
    Sven

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