In China studieren, aber wo?

October 7th, 2008  |  Published in chinesisch lernen  |  6 Comments

Auf einer dieser “Frage / Antworten” Seiten, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen, stieß ich auf die Frage an welcher Uni man in China studieren sollte…

Gute Frage, oder? Könnte man meinen. Meine Antwort war die typische “kommt drauf an”.

Auf was? Na natürlich auf deine Präferenzen.



Als ich mich gen China aufmachte, erhielt ich auch eine Menge von guten Ratschlägen an welcher Uni ich studieren sollte. So meinte z.B. ein guter Freund von mir, dass ich an die Jiaotong in China, welche immerhin unter den Top 5 in China ist, gehen sollte. Das mache sich später sehr gut. Ein anderer meinte ich möge an die Beida, die Peking Universität, gehen, da diese die beste sei und ich entschied mich für die Southwest-University in Chongqing, weil ich da unbedingt hin wollte.

Wie trifft man seine Entscheidung also? Wie ich aufgrund lokaler Kriterien, da ich immer noch der Meinung bin das Chongqing in 10 Jahren das Herz von China sein wird oder aufgrund irgendwelcher Rankings?

Zuerst kommt es immer drauf an was man machen möchte. Für mich persönlich stellt es einen Riesenunterschied dar, ob man richtig studiert oder “nur” einen Sprachkurs macht. Andere, meistens die, die an die Topadressen gehen, differenzieren da nicht so stark ;-)

Solltest Du also Geisteswissenschaften studieren (wollen), bist Du an der Beijing Daxue gut aufgehoben und fürs technische lohnt es sich wohl an der Nanjing University oder der Tsinghua in Peking zu studieren. Was aber viel wichtiger als der Name ist, ist was man daraus macht. Meine ehemalige FH in Konstanz hatte z.B. nen ganz guten Draht nach Nanjing, bietet doch dort das Nanjing Institute of Technologie Sprachkurse nur für die Konstanzer an. Das Problem ist aber derart, dass man nicht auf dem Campus, sondern in einem alten Lehrerwohnheim wohnt. Früher wurde auch noch dort gelehrt und mittlerweile pendelt man glaub ich mit dem Bus schön auf den neuen Campus, der am A… von Nanjing liegt. Chinesische Unis brauchen halt Platz und man hat auch hier festgestellt das Fläche in Innenstadtlage gut zu verkaufen ist…

Wo liegt das Problem? Das man, je nachdem wo man wohnt und was man studiert, fast keinen Kontakt mit den anderen Studenten hat. Kaderschmieden wie die Fudan in Schanghai machen sich also gut im Lebenslauf, aber man kennt niemanden aus den aktuellen Semestern. Ein Henne / Ei Problem und das in einem Land welches nur durch Networking funktioniert.

Meine Ambition war ebenfalls die ALLEINE nach Chongqing zu gehen. Die wenigen Landsleute die überhaupt wissen wo es liegt denken nämlich es wäre ein Drecksloch oder der Vorhof zur Hölle. Es ist hier zwar ab und an höllisch warm, aber die Ausländerquote bewegt sich im Promillebereich. Man hat also, wenn man Bock drauf hat, die Möglichkeit sich, wie ich, einen chinesischen Freundeskreis aufzubauen. Der meinige ist bunt gemischt und ich achte weniger drauf was mir jemand bringen kann, als darauf ob die Chemie stimmt. Nebenbei polier ich mein chinesisch auf und lern noch was über Land, Kultur und Leute. Und zwar viel mehr als mir irgend eine Eliteuni liefern könnte.

Übrigens kenn ich auch einige Leute die, als Ausländer, an den Eliteschmieden studierten. Die Ansprüche sind ungefähr so hoch wie bei uns im Abitur… Ob das so viel bringt sei mal dahingestellt.


Was ist deine Meinung? Studieren mit den Besten oder eher nicht?

Kommentare

  1. Hendrik says:

    November 22nd, 2008 at 08:37 (#)

    Moin,

    hab dein blog über Michael’s Chongqing blog gefunden. Auch ich war im Sommer 2006 fü 2 Monate in Chongqing (Praktikum) und finde es daher recht interessant.
    Zum Thema Chinesisch lernen: ich studiere mittlerweile seit ca einem Jahr in Taiwan Chinesisch (National Taiwan University) und komm mittlerweile ganz gut zurecht. Als ich angekommen bin hatte ich minimale Vorkenntnisse, mittlerweile bin ich in der Lage in Clientmeetings (arbeite als Consultant) voll zu partizipieren oder auch komplexe, mehrstündige, Präsentation zu geben (alles auf Chinesisch).
    Neben persönlichen Gründen haben auch die Sorge dass die Qualität Chinesischer Unis eher mäßig sein könnte den Ausschlag für Taiwan gegeben. In meinem Chinesischkurs sitzen mit mir 5 Leute und mittlerweile bin ich auch der einzige nicht Asiate (hab deinen Beitrag über Chinesisch Studenten in Deutschland gelesen und muss dir recht geben, nach meinen Erfahrung entspricht ein Jahr Chinesisch studieren in Deutschland in etwa 3 Monaten in Taiwan). Mittlerweile haben wir alle Bücher durchgearbeitet (alle unis in Taiwan arbeiten mit diesem Buch: http://assets.asiasprout.com/system/images/large/BLA017X01.jpg und dann halt Buch 1-5) und sind jetzt dabei Zeitung zu lesen.
    Wie eingangs erwähnt war für mich die Sorge über Studieninhalte ein Grund nach Taiwan zu gehen. Wir alle wissen ja dass in China bestimmte Themen eher nicht angesprochen werden und ich habe im Internet auch so einiges über Studienberichte gelesen in denen sehr ausführlich Vokabeln im Bereich der Chinesisch Geschichte, Philosophie und anderen sehr spannenden Bereichen (die Kunst des Teekochens) gelehrt wurden. In anderen Worten, alles Dinge die in der Praxis irrelevant sind (besonders im Berufsleben) und auch die Lernfortschritte sind an einige Unis in China wohl nicht unbedingt so enorm (wobei das natürlich drauf ankommt).
    Wie sind deine Erfahrungen bezüglich der oben angesprochenen Punkte?

    Schöne Grüße aus Taipei
    Hendrik

  2. admin says:

    November 23rd, 2008 at 07:24 (#)

    Hi Hendrik,

    besten Dank für den ausführlichen Kommentar.

    Ich habe zuerst in einer Sprachschule mein bis dato nicht existentes Chinesisch aufpoliert, was ich auch jedem empfehlen kann. Hier hat man die Möglichkeit wesentlich mehr ins Detail zu gehen und auch die Studieninhalte genauer zu bestimmen.

    Bei der Auswahl der Uni ist, wie Du schon meintest, ebenfalls Vorsicht geboten. Ich hatte von meinen ehemaligen Kommilitonen ebenfalls Erfahrungsberichte gehört, die eher haarsträubend als motivierend waren.

    So geht es in den Unis häufiger darum ein Paket von Inhalten zu vermitteln, das so großzügig geschnürt ist das man einfach nicht alles lernen kann. Wiederholungen sind auch eher nicht vorgesehen als an der Tagesordnung.

    Auch bei den Inhalten gibt es signifikante Unterschiede. Wie Du schon meintest werden oft alltagsfremde Vokabeln gelehrt und man darf irgend einen Mist über Tofu oder Tempel in Beijing lernen ;-)

    Meine ehemalige Uni in Beibei habe ich mir deshalb auch genau ausgesucht. Ich wollte unbedingt nach Chongqing, weshalb für mich nur die Unis hier in Frage kommen (davon gibt es ja ne ganze Menge ;-)). Eigentlich wollte ich an die Chongqing Daxue, aber ein kanadischer Freund, der ebenfalls in Chongqing lebt, meinte ich möge die Finger davon lassen, da die zwar die Uni gut ist, aber der Chinesischunterricht eher als schlecht zu betrachten ist. So strandete ich dann, auf seine Empfehlung hin, in Beibei und muss sagen das ich es, im großen und ganzen, nicht für schlecht empfand.

    Wie ist es eigentlich mit Sprache und Schriftzeichen in Taiwan? Das war das, was mich vor dem Schritt über die Straße von Taiwan abgehalten hat. Ich habe ein paar Freunde aus Fujian, von denen ich, wenn sie kein Chongqinghua oder Putonghua reden, kein Wort verstehe ;-)

    Beste Grüße aus Chongqing,
    Sven

  3. Hendrik says:

    November 23rd, 2008 at 09:11 (#)

    Ja, die Zeichen sind natürlich so eine Sache. Das Problem ist hierbei jedoch nicht dass die traditionellen schwierigezu lernen sind, sondern dass sie halt nicht die gleichen sind wie in China. Ich persönlich finde es viel einfach sich einige zwar komplexere, aber dafür sehr unterschiedliche Zeichen zu lernen, als etliche die zwar simpel sind sich aber sehr stark ähneln (und davon gibt es bei den vereinfachten ja deutlich mehr). Außerdem ist der umstieg von komplexen zu vereinfachten wohl recht einfach (nach nem monat etwa soll man sich umgewöhnt haben).
    Zur Sprache hier, klar gibt es so einige, besonders untere Bildungsschichten die Taiyu reden (Taiyu = Fujianhua), aber das ist eher ne gewohnheitssache, die können genauso auch Chinesisch sprechen und wenn sie mit mir reden müssen sie das halt ;)

    MfG
    Hendrik

  4. admin says:

    November 23rd, 2008 at 10:08 (#)

    Moin Hendrik,

    da Du ja schon in Chongqing warst muss ich dir wahrscheinlich nicht sagen, dass die meisten Leute hier kein Putonghua reden ;-) Aber damit kommt man, nach einiger Zeit, auch klar!

    Interessante Einstellung zu den Zeichen. Das bei den einfachen wirklich nicht alles einfacher ist, kann ich dir, aus eigener Erfahrung, auch bestätigen. Es sind halt sackeviele.

    Da ich in Deutschland anfing Chinesisch zu lernen und die Unterrichtsmethode aus Konstanz mittlerweile beschissen finde (der Radikalunterricht, sprich Schriftzeichenkunde, wo man mal lernt aus welchen Bestandteilen die Zeichen bestehen, kam überhaupt nicht vor, was mir aber von meiner Lehrerin in KN, als ich mal wieder da war, abgesprochen wurde), tat ich mich natürlich noch schwerer. Mittlerweile kümmere ich mich eher um mein gesprochenes Chinesisch und um mein Tingli, was auch schon ganz gut funktioniert.

    Wünsch dir noch viel Spaß, wie lange bleibste eigentlich, insgesamt, auf der Insel?

    Sven

  5. Hendrik says:

    November 30th, 2008 at 08:43 (#)

    Moin,

    so wie es aussieht wohl noch bis mitte 2009. Länger in Taiwan bliben ist net so die Option, hier gibts wenig gute (gutbezahlte) Jobs, wie in Asien generell lhnt sich dass Arbeiten hier nur wenn man nen expat Vertrag hat (Europäische bezahlung, Asiatische Kosten). Außerdem ist die Luftverschmutzung zu extrem, die Lebensqualität leidet doch sehr finde ich (wobei Taipei noch besser ist als Chongqing). Ich hoffe daher dass ich bis Mitte kommenden Jahres so gut Chinesisch kann dass ich relativ gut Zeitungen und Bücher lesen kann. So wird es mir dann leichter fallen zu verhindern dass ich alles wieder vergesse. Dann erstma zurück nach Europa, aber wer weiß, vielleicht gehts ja irgendwann wieder ins Reich der Mitte oder nach Taiwan.

  6. admin says:

    December 1st, 2008 at 11:23 (#)

    Moin Hendrik,

    ich bleibe auch noch ein paar Jahre ;-)
    Ja, das ist das Problem. Man arbeitet als local Expat (auch Turnschuexpat genannt) oder man wird von der deutschen Firma in die Ferne geschickt. Ich halte von beidem nix!

    Ich finde es in Chongqing sehr angenehm. Aber das ist glaube ich wie bei meinem Lieblingsfilm Hundstage, dass man es liebt oder hasst. Bei mir ist ersters eingetreten.

    Wo wir wohnen, in Beibei (bald durch die zweite Ringstraße wesentlich besser an Downtown angeschlossen), merkste von Verschmutzung etc. auch nix. Von dem her passt das.

    Drücke die Daumen für die Zukunft, kannst uns ja ab und an mal per Kommentar auf dem laufenden halten,
    Mei Ling und Sven

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