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Eine Ode an die Chinesische Bahn…

Gepostet am 21. 07. 2011  |  Veröffentlicht in Reiseberichte China  |  8 Kommentare

So, da die Schreiberkollegen von Spiegel Online den neuen Superschnellzug der Chinesen zerrissen haben, hier mal meine Meinung zum Chinesischen Bahnsystem. Inklusive einem Vergleich dessen, was einem im schönen Deutschland so erwartet…

Zuerst einmal die Anmerkung, dass ich a) ich zitiere, “brainwashed” bin und b) schon bestimmt 10.000km in Chinesischen Zügen verbrachte. Die hat man auch schnell auf der leider nicht vorhandenen Meilenkarte, da die Entfernungen gleich anders geartet sind.

Ich weiß also von was ich schreibe. Woher der Spiegel seine Infos hat, ist mir aber nicht unbedingt bewusst ;-) Wahrscheinlich eine Google Translate Übersetzung irgend eines Chinesischen Blogs, hehe.

Fakt ist, was mir auch zu Ohren kam, dass der neue Schnellzug noch ein paar Startprobleme hat. Das man sich hier auch nicht mit dem besten Krisenmanagement zeigte, kommt einem, als Bahnfahrer in Deutschland, auch bekannt vor. Doch zuerst mal ein paar Vergleiche zu Preisen und Buchungsmöglichkeiten.

Wenn ich in Deutschland Zug fahren will, gehe ich in der Regel an den Bahnhof, kaufe mir ein Ticket und nehme einfach den nächsten Zug. Früher reservierte ich online, da ich hier meinen Sitzplatz wählen durfte, aber das spare ich mir nun, da es schon seit Jahren, warum auch immer, Geld kostete. In China könnte ich, hätte ich einen dieser coolen RFID kodierten Chinesischen Personalausweise, online buchen. So muss ich mich, je nach Reisezeit, 1-2h anstellen, meinen Reisepass vorlegen und am Schalter kaufen, da die unsere Pässe nicht auslesen können. Shit happens. Dafür bekomme ich dann aber, im Schnellzug, immer einen Platz zugewiesen. Wenn es, was häufiger vorkommt, keine Plätze mehr gibt, bleibt einem halt nur der nächste Zug. Das ist aber etwas, was ich auf die hohe Auslastung der Züge zurück führe…
Im langsamen Zug gibt es auch Stehplätze, was ich aber niemandem empfehlen würde. Die kosten nämlich, da gibt man sich ganz kapitalistisch, das gleiche.

Zum Thema Bordverpflegung sei angemerkt, dass ich diese zwar nicht den Knaller, aber dennoch bezahlbar finde. Als ich früher in Konstanz studierte fuhr ich ca. alle 2 Wochen mit dem ICE bis Stuttgart. Hier war, für die eh ständig knappe studentische Kasse, nur ein paar Bier drin. Von dem her kann ich das Essen in deutschen Zügen nicht beurteilen. Die Distanzen die man unterbrechungsfrei zurücklegen kann sind meistens aber auch nicht so groß das man unbedingt auf Nahrung angewiesen wäre. In China ist das Essen durchaus bezahlbar und, natürlich mit Abstrichen, da ich die Begrifflichkeit “Bordrestaurant” nut mit Humor auffassen kann, durchaus essbar. Natürlich kein Vergleich zur sonstigen Küche, aber die sind eher stationär und kochen ihr Süppchen nicht bei 300+ kmH.

Die vom Spiegel erwähnte “alte Rostbahn” hat, verglichen mit dem was hier im Nahverkerhr eingesetzt wird, durchaus ihren Charme. Ca. 22 Wägen, Vorführungen von in der Tat Socken und Zahnbürsten verkaufendem Zugpersonal und Toiletten, die halt nach 20h intensiver Nutzung nicht mehr so sauber sind. Shit happens. Ich kann damit aber genauso gut leben wie die anderen Leute die diese Züge teilweise bis zu 5 Tagen am Stück als mobiles Heim nutzen.

Zu guter Letzt noch die Anmerkung, dass bei unserem letzten Gaotie Trip die Meldung nicht “gehen Sie während der Zwischenstopps auf den Bahnsteigen spazieren” sondern “der Zug hält nur eine Minute, gehen Sie NICHT während der Zwischenstopps auf den Bahnsteigen spazieren” war. Das dient wohl eher dem Protekionismus des On-Bord Sales.

Wie gesagt, es ist nicht alles Silber was glänzt, aber wenn ich mir die Preise und den Service anschaue, setze ich mich 1.000x lieber in einen Chinesischen Zug. Die haben das “Schnell” vorne dran in der Regel nämlich verdient ;-)

Und nun freue ich mich auf das allgemeine Bashing!
Cheers
Sven

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Kommentare

  • Aremonus
    21. Juli 2011 um 23:17

    Ich kann diese Auffassung nicht ganz teilen. Das grösste Problem ist der unendlich viel mühsamere Buchungsprozess – die Chinesen haben es echt geschafft, es das Buchen eines Zugtickets mühsamer als den Kauf eines Flugtickets zu gestalten.
    Hier in Europa geh’ ich an den Bahnhof und kaufe mir schnell das Ticket auf dem Bahnsteig oder sogar im Zug selber beim Schaffner, alles kein Problem (wobei letzterer Service in der Schweiz abgeschafft wird).
    Was bringen mir 300 KM/h, wenn ich vorher 2h in der Sonne stehen muss, um mein Ticket zu kriegen? Dieses Schicksal teilen auch die meisten Chinesen, da bei vielen das mit dem Onlinebuchen nicht funktioniert (falscher Hukou, falscher Wohndistrikt, falsche Uni… irgendetwas ist immer das Problem).
    Ich bevorzuge daher weiterhin das Flugzeug und bin Glücklich, dass die Fluggesellschaften pünktlich zur Einführung des Zuges die Flugticketpreise gesenkt haben, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben :)

    Den Artikel, der fleissig auf den technischen Problemen herumhackt, halte ich dennoch für reichlich hämisch. Technische Probleme haben auch neue westliche Züge – Fehler passieren eben. Sogar beim Airbus A380…

    Lg,
    Aremonus

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    • Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn)
      22. Juli 2011 um 09:33

      Moinsen,

      schrieb ich ja glaub ich, dass ich auch kein Fan der Buchung bin. Ich überlege mir jedes mal, ob ich nicht irgend jemandem 20RMB und meinen Pass in die Hand drücken sollte und dann einen Kaffee trinken gehen könnte. Nur ist das halt immer genau der Pass, der mein aktuelles Visum drin hat. Maodun.

      Wir haben halt eine ganz andere Ausgangssituation. Europa hat vielleicht 500 Mio. Einwohner, von denen die meisten eine Entfernung von 20km schon als “Reise” mit entsprechender Planung verstehen. Die Infrastruktur ist, zumindest da wo ich ursprünglich her komme, so bescheiden, dass das Auto die einzige wirkliche Alternative ist. Dementsprechend leer sind dann auch die öffentlichen Verkehrsmittel. Ich bin, wenn ich zu meiner Firma fahre, nicht selten der einzige Fahrgast im Bus. Die restlichen 48 Plätze sind dann einfach frei…
      Im Zug kann man bei uns, ohne einen dummen Kommentar, glaub nur noch in Fernzügen buchen. Nur zahlt man dann den so called “Zugpreis”. Von der mangelnden Freundlichkeit der meisten Zugbegleiter mal ganz abgesehen. Aber das ist glaub ich ein weltweites Phänomen (gut, die Schweiz und Japan sind hiervon, was ich hörte, ausgenommen).
      Flugzeug kommt, meiner Meinung nach, auf die Entfernung an. Auch sind die günstigeren Preise nur auf manchen Strecken der Fall. Von Chongqing nach Qingdao, wo der Zug ca. 35h braucht, kostete das Ticket 170€. Die Senkungen sind also nur da vakant, wo die Flüge und Konkurrenz zu den Zügen treten.

      Den Rest unterschreibe ich mit voller Zustimmung. Das läuft wohl unter Sommerloch. Ich erinnere mich noch an den Titel “die gelbe Gefahr”. Das war glaub ich auch ein Cover des Spiegel. Noch besser erinner ich mich aber an die Mails von chinesischen Freunden in Deutschland. Es leben die Marginalisierungen ganzer Bevölkerungen. Da schließe ich mich übrigens selbst nicht aus. Mach das ja auch ganz gern ;-)

      LG
      Sven

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  • henning
    22. Juli 2011 um 03:24

    ach, der Spiegel und seine China Berichterstattung …
    Wird es dir nicht langsam langweilig, dich jedesmal wieder über den Blödsinn den die schreiben aufzuregen?

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    • Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn)
      22. Juli 2011 um 09:25

      Moin Henning,

      bin das inoffizielle Spiegel Watchblog ;-) Die inspirieren mich halt ab und an für nen neuen Eintrag. Da gebührt dann denen die Ehre für, hehe. Obwohl ich die Probleme natürlich schon in China in der Glotze sah. Sowas lässt sich aber nur schwer rezitieren. Vor allem weil ich in der Regel keine Chinesischen Nachrichten lese. Das ist mir wirklich zu stressig.

      Cheers
      Sven

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  • Aremonus
    22. Juli 2011 um 11:55

    Naja, infrastrukturmässig sind halt die öffentlichen Verkehrsmittel nur für Stadtmenschen geeignet – wer auf dem Land lebt, wird ohnehin das Auto benutzen müssen, wenn er nicht eine Stunden auf den Bus warten möchte.

    In China ist das ja auch nicht anders – nur dass sich die Leute auf dem Land kein Auto und schon gar kein Benzin leisten können. Die chinesische Regierung ist da aber relativ pragmatisch und investiert Milliarden in die Urbanisierung des Landes, da Stadtbevölkerung einfacher zu versorgen ist als Landbevölkerung. Dafür hat dann halt nicht jeder Chinese seinen 1000 Quadartmetergarten, den er am Samstag mähen kann…

    Vielleicht können wir hier in Europa (besonders in der Schweiz) noch etwas lernen und in die Städte ziehen – auch unser BIP würde rasant ansteigen.
    Aber auch ich bin jemand, der lieber auf dem Land lebt und eben 20 Minuten lang Benzin und Zeit verbrannt, um in die Stadt zu kommen.

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    • Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn)
      22. Juli 2011 um 17:21

      Moin,

      das stimmt. Ich brauchte am Mittwoch 4,5h von meinem Büro zu meinen Eltern. Für 160km. War nur zu faul bei der Mitfahrzentrale zu schauen ob nicht jemand in die Richtung fährt. Eine S-Bahn hatte Verspätung, was sich in einem Rattenschwanz von Wartezeiten niederschlug. Niederschlagend.

      Ansonsten bin ich eher ein urban orientierter Mensch. Ich hasse es fast schon Auto zu fahren (ist bei mir auf einer Ebene mit dem Fliegen, obwohl ich das immer noch als bevorzugtes Fortbewegungsmittel sehe). Das letzte mal das ich in Karlsruhe mit dem Auto unterwegs war, fuhr ich 3x um den Block nur um einen Parkpatz zu finden. No way. Da doch lieber ein E-Bike (Meiling überlegt sich gerade eines zu kaufen).

      Deine Theorie der gewollten Urbanisierung kann ich so nicht unterstreichen. Mittlerweile ist es wohl so, dass man nicht mehr von Stadt- auf Landhukou wechseln kann, was natürlich dafür sprechen würde. Umgekehrt ist man aber sicherlich nicht an steigender Abhängigkeit von Agrarimporten interessiert. Wie schon erwähnt, Maodun.

      Cheers
      Sven, der jetzt schon mit Grauen an den morgigen Samstag denkt. 2h für 100km…

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  • Aremonus
    23. Juli 2011 um 08:59

    4,5 h ist schon ziemlich krass – und ich dachte, ich sei schlecht dran mit 2,5 h für dieselbe Strecke mit den ÖV. Naja, ich bevorzuge da das Auto, damit schaff’ ich’s locker in 1,5h – und erst noch gemütlicher, wenn man das Wetter betrachtet. Aber natürlich kostet das Benzin auch ganz schön…

    Die Theorie der gewollten Urbanisierung stammt direkt aus dem dem 12. 5-Jahres-Plan , dort drin werden spezifische Ziele zur Urbanisierung definiert: bis 2015 sollen 51,5 Prozent aller Chinesen in Städten leben. Und die Regierung pflegt, derartige Ziele auch zu erfüllen…
    Wie kann man denn einen Landhukou bekommen? Ich hab’ gehört, dies sei fast unmöglich? Meiner Freundin wollten viele ständig einen Stadthukou aufschwatzen, ihre Mutter wurde sogar schon bedroht, damit sie einen Stadthukou annimmt (tat sie aber trotzdem nicht). Wer einen Stadthukou hat, besitzt nämlich kein Land und erhält darum auch keine Entschädigung, wenn weiter gebaut wird ;)

    lg

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    • Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn)
      23. Juli 2011 um 10:20

      Moinsen,

      von mir bis nach KA dauert es mit dem Auto auch 1,5-2h. Nur auch 35-40€ für Sprit (glaub das ist return, war schon lange nicht mehr mit dem Auto unterwegs).

      51,5% ist nich wenig, vor allem wenn man an die 700Mio. Bauern denkt die es noch zu geben scheint.

      Früher war halt das Landhukou unsexy, da es ja auch mit dem Stigma des Lebens auf dem Land verbunden war. Arm, dreckig, trist. Ich war schon oft genug dort. Mittlerweile ist es aber so, dass viele Wanderarbeiter wieder nach Hause wollen, was aber mit genau dem Hukou was sie früher nicht mehr wollten verbunden ist. Auch gibt es wohl immer mehr Leute die keine Lust mehr auf die Stadt haben. Die haben aber auch Pech gehabt. So ist es halt mit dem Paradigmenwechsel.

      LG, Sven, der wohl 3,5h bis zu seinem Kumpel unterwegs sein wird der auf den Kilometer genau 100km weg wohnt. Zum Kotzen, aber es ist Wochenende ;-)

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