So, da ich gerade feststellen durfte, dass mein Archiv nur die Teile von 4-11 umfasst und mein netter ehemaliger E-Mail Provider GMX, bei dem ich schon seit Jahren horrende 3€ pro Monat für mein Pro-Mail bezahle netterweise meine alten Mails gelöscht hatte, hier meine gedankliche Schilderung an meine ersten 3 Wochen in Brasilien. Komischerweise kann ich mich noch recht gut daran erinnern…
Ich war wie gesagt zarte 24 Jahre jung, bewusst ungebunden (hatte vorher ein Date mit einer jungen Dame in Bremerhaven in die ich mich glaube ich leicht verknallt hatte), da ich 4 Monate nach Brasilien wollte und mich natürlich schon mental auf die ganzen Bikinischönheiten vorbereitet hatte!
Brasilien deshalb, weil mein ehemaliger Arbeitskollege, ich bin gelernter Industriekaufmann, Thomas damals dort der Niederlassungsleiter unseres ehemals gemeinsamen Brötchengebers war und mich fragte ob ich nicht mal kommen wollte. Wollte ich, nur hatte ich keine Lust auf Urlaub. Also vorher Kanus geschleppt und das Geld danach in Brasilien auf den Kopf gehauen.
Der Flug war glaub ich mit Iberia, woran ich mich daran erinnerte weil ich den Service als Gemilde gesagt beschissen empfand. Ich flog nie wieder mit denen und hab mir sagen lassen, dass sich nichts geändert hat. Nach er Ankunft in Sao Paolo bezog ich erst mal mein Quartier bei Lisl, einer deutschstämmigen und ihrem Hund Fido und den Millionen von wilden Papageien die auf Lisls Gelände lebten. Ich wohnte im Gartenhaus, was durchaus seine Vorteile hatte. Es war auch kein Verschlag, wie man ihn vom eigenen Rasenmäher vielleicht kennt, sondern ein durchaus massives Häuschen, welches mit eigener Küche und eigenem Badezimmer ausgestattet war.
Am Anfang war ich des öfteren bei Lisl zu Gast, was von daher recht nett war, dass ich a) keine Sau kannte und b) der Umstand das ich kein Wort Portuguese sprach auch nicht unbedingt dazu beitrug a) zu eliminieren.
Die Fahrt zur Arbeit war der Art, dass ich immer mit dem einen Bus zu einer weiter entfernten Haltestelle fuhr und von dort aus die Weiterreise zur Arbeit nach Tabao des Seo oder so ähnlich antrat. Ein trostloser Flecken Erde war das, wo man eigentlich nur hinwollte wenn man am Nabel der beginnenden Globalisierung Brasiliens hing. Irgendwann fiel mir dann ein AHK (Auslandshandelskammer) Führer in die Hand, der bemerkte, dass Sao Paolo EIGENTLICH sicher wäre, aber man sich nicht in die Vororte begeben sollte und unter keinen Umständen den Bus nehmen möchte. Danke. Einen Fusca (brazilian portuguese für Käfer) konnte ich mir nicht leisten und die Ausfallstraßen waren eh immer verstopft, da kein normaler Mensch mit dem Bus fahren wollte. Shit happens.
Am ersten Abend nahm mich meine Kollegin Veronika, deren Mutter aus Österreich stammten (sprach natürlich kein Deutsch) mit zur ersten Haltestelle und zeigte mir wo ich umsteigen musste. Am zweiten Abend durfte ich das dann komplett alleine praktikizieren, was natürlich dazu führte, dass ich mich verlief ;-)
Es sei angemerkt, dass September in Brasilien den Frühlingsanfang markiert und es um 16.30Uhr dunkel wird. Sehr dunkel. Es flackern überall Ghettofeuertonnen und der Umstand kein Wort zu verstehen macht es auch nicht unbedingt angenehmer.
Die nächsten Wochen arrangierte ich mich immer mehr mit der Situation, da Thomas meistens auf Reisen war und erkundete, entgegen der gut gemeinten Ratschläge anderer Landsleute, die Umgebung meiner Casa.
Doch dazu mehr in Teil 5-11 ;-)
Cheers
Sven, der wohl schon damals so locker und frei schrieb…