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Neulich beim Chinesen – Part 41

Gepostet am 23. 04. 2008  |  Veröffentlicht in Neulich beim Chinesen

So liebe Freunde,

die Hausaufgaben sind gemacht und es ist mal wieder etwas Zeit zum schreiben. Keine Angst, es wird nicht wieder so ein langer Newsletter wie beim letzten mal (einer der Kritikpunkte bei meinem DE Aufenthalt war die Länge meines Senfs…)

Btw: Der letzte Newsletter schlummerte schon seit ein paar Monaten auf meinem Rechner. Ich bin also immer noch in der VR, bange nicht um mein Visum für China bzw. meine Einreise und habe auch sonst absolut keinen Bock die nächste Zeit in einen Flieger zu steigen.

Die Bar läuft mittlerweile ganz gut und hat schon erste Verschleißerscheinungen. Unsere Bedienungen verhalten sich wie die Jägermeister im zugehörigen Lied: Eine ist krank, eine hat gekündigt, eine wurde entlassen und die 4te werde ich wohl feuern wenn Nr. 5 wieder genesen ist (vorausgesetzt er kommt wieder). Wenn jd. mal einen Personalchef braucht der auch mal durchgreift stehe ich, anständiges Gehalt und Zeit vorausgesetzt, gerne zur Verfügung… Ansonsten ist eigentlich kein Tag planbar, mal ist die Bar brechend voll, mal ist keiner da, mal taucht ein Kunde mit seiner Mutter auf und der nächste bricht in Tränen aus. Witzig einfach.

Das Dzoni kommt habe ich ja auch bereits angekündigt. Seit seiner Ankunft in Beijing sind mittlerweile 4 Wochen rum und in 4 Wochen plant er auch wieder abzureisen. Den eigentlichen Grund für seinen Besuch, ein neues Internetprojekt, haben wir auch gesteckt, da es menschlich zwischen den Beteiligten nicht geklappt hat. Hochmut kommt vor dem Fall, es wäre wohl einiges an Kohle drin gewesen. Aktuell rennen wir aber eher den paar Kröten, die wir für unsere Beratungsleistungen berechneten, hinterher. Ich hasse es.

Vor Dzonis Ankunft waren Mei Ling und ich erst mal, Ende Februar, im Urlaub. Es war das erste Mal das die Gute flog und auch das Meer hatte sie noch nicht gesehen. Der Trip ging in den Süden Chinas auf die schöne Insel Hainan. Schön war es und auch schön teuer. Scheiß Tourigegend. Da es wie gesagt ihr erstes Mal war, fiel mein geplanter “3 Tage am Strand rumliegen” Plan ins salzige Wasser und wir haben so ziemlich alles angesehen was es zu sehen gab. Beschweren möchte ich mich nicht, es war auch mal wieder nett aus Beibei wegzukommen.

Die nächste Reise ging dann nach Shanghai, wo wir Freunde besuchten, etwas Sightseeing machten, um Abends gleich weiter nach Qingdao zu fliegen. Dort hatte ich geschäftlich zu tun und auch noch ein paar Freunde zu treffen, was natürlich in einem ordentlichen Fest endete. Sonntags (wir sind Freitag morgens in Beibei abgehauen) ging es dann mit dem Zug nach Beijing, wo wir noch kurz den Xiao Bo, meinen Tätowiererkumpel, besuchten, um Montags dann Dzoni abzuholen. Irgend ein Mist (ich tippe schwer auf den überteuerten Schweinefraß im Zug) hat mir so den Magen verdreht das ich Montags, nachdem wir Dzoni abholten, den ganzen Tag nur auf der Toilette verbrachte. Schön wenn man sich die Stadt anschauen möchte… Das ich mich zwischendurch auf dem größten Platz der Erde übergab schreibe ich hier lieber nicht, die Beziehungen mit der VR sind schon angespannt genug.

Warum? Weil es sich unsere liebe Kanzlerin nicht nehmen lassen möchte das geistliche Oberhaupt Tibets nochmal einzuladen. Schon das erste mal hat mich so was von angesifft das ich es kein zweites Mal benötigt hätte. Ich werde so ca. 2-3x die Woche gefragt was ich von ihr halte, was ich in meinem besten Chinesisch und gefüllt mit Vulgärbegriffen zu beantworten pflege. Die Wahl wird es hoffentlich wieder richten!

Noch viel schlimmer hat es die Franzosen erwischt. Unsere Vermieterin (wir sind, mal wieder, umgezogen) meinte neulich zu Mei Ling wo ich denn nochmal herkomme. Hätte sie mit Frankreich geantwortet, hätten wir wohl erneut umziehen dürfen. Hier ist gerade alles, was nur annähernd mit unseren Nachbarn zu tun, hat ein rotes Tuch. Politik. Kümmert mich nicht und ob das Baguette umbenannt wurde wie damals bei den Amis die Pommes habe ich auch noch nicht in Erfahrung bringen können. Mir wäre es auch egal…

Ansonsten sind wir gut am Feiern und hatten letzte Woche Besuch von Seb und Biene aus Neckarsulm, die auf ihrer Weltreise einen Abstecher ins schöne Beibei machten, die Unis in Beibei und Konstanz (wo man scheinbar schon Wetten auf meinen etwaigen Abschluss und meine Heimkehr machte <– das ich das Assi finde schreibe ich hier auch nicht rein, die Mail geht auch an diverse HTWG Emails) gehen mir auf die Nerven und ich bin immer noch dabei meine innere Mitte zu finden. Deshalb lege ich mich nun auch schlafen. Gute Nacht,
Sven

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