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Neulich beim Chinesen – einen herzlichen Gruß an alle Kurzzeitpatrioten ;-)

Gepostet am 11. 06. 2012  |  Veröffentlicht in Neulich beim Chinesen  |  2 Kommentare

So, wieder eine Woche rum. Eine die man am liebsten wieder vergessen würde. Zumindest die erste Hälfte ;-) Nicht unbedingt das beste Wetter, Vollmond, was mich noch weniger schlafen lässt als sonst und ein Nachbarshund der den Wok verdient hätte. Dazu kam noch, dass meine Nachbarn hinten dran die irgendwas renovieren. Sexy wenn man sich morgens um 7Uhr hinlegen will und da gerade das gehämmere anfängt.

Angefangen hat ja auch die EM und ich muss schon sagen, dass nicht nur die Zeitverschiebung sondern auch der Fakt das ich hier in gewollter sozialer Isolation und ohne Fernseher lebe meine Lust darauf eher in Frust umwandeln. Kein Public Viewing, kein Sonnenbrand und kein Schädel am nächsten Tag, weil man sich in der Euphorie des Schwarmes doch ein Bierchen zu viel gönnte. Passt aber auch. Ich hätte gerade keine Zeit dafür!

Im Laufe der Woche wurde nicht nur das Wetter besser, sondern auch meine Laune ging wieder in den Bereich über den man als positives Denken bezeichnen könnte. Irgendwann war das Thermometer aber wieder an einem Punkt der sich bedrohlich Nahe an den 36,8° meiner Körpertemperatur orientierte, sprich es war Ölen angesagt. Aber immer noch besser als frieren, richtig?

Meiling hatte ja die Woche Gesundheitscheck von ihrem Arbeitgeber und war dementsprechend in Hangzhou. Untergebracht war sie zwar nicht im Hyatt, da das Krankenhaus vom Westlake aus eine Stunde weg war, aber in einem “Club” der zur besten Anlage ihres Brötchengebers in Hangzhou gehört. Das darf man sich vorstellen wie ein 5*+ Hotel, was ausdrücklich nur für Inhaber einer Villa, die hinten dran steht, als Gästehaus dient. Nice. Sie meinte das direkt gegenüber von ihrem Zimmer der Inhaber von Alibaba.com sein Reich hätte. Natürlich wurde auch noch eine Mustervilla angeschaut, die über die nicht gerade Bescheidene Wohnfläche von 1.100m² verfügt. Sie meinte allein das Wohnzimmer der Babysitterin, die dazu noch 2 Schlafzimmer hätte, wäre größer als ihre Wohnung in Yizheng zusammen. Wenn jemand die 10-15 Millionen € für so eine Unterkunft übrig hat spart man da natürlich auch nicht ;-)
Wie bereits beschrieben betreibt Ihre Firma das Krankenhaus wohl selbst. Die Ausstattung ist wohl vom Feinsten und natürlich ist die Behandlung für Mitarbeiter kostenlos. Es gibt zwar auch in Deutschland Firmen die sich einen Betriebsarzt leisten, aber von einer mit einem eigenen Krankenhaus hab ich ehrlich gesagt noch nichts gehört. 5 Pullen Blut und eine CT später trafen wir uns dann auch schon zum Mittagessen. Ich schlief da gerade mal 2h, weshalb ich mich natürlich noch mal umdrehte, haha. Also schön am Westlake getroffen, wo Madame meinte sie wäre bei ZARA zu finden (hatte aber nichts was ihr gefiel im Angebot) und anschließend Hot-Pot essen. Natürlich fiel mir auch ein glitschiger Fischball runter, der erst mein Poloshirt einsiffte und dann über ihre Tasche und meine einzige noch saubere kurze Hose zu boden rollte. Shit happens. Anschließend ging es heim und erst mal ne Runde pennen. Sie war nämlich mindestens genauso fertig wie ich.
Abends gingen wir dann mit zwei ihrer ehemaligen Kolleginnen aus dem Rose-Garden koreanisch essen und dann auch früh wieder nach Hause. Zum Glück hatte ich Mittags Batterien für die Klimaanlage gekauft, so dass es wenigstens im Schlafzimmer unter 30°C hatte…

Samstag morgens kam dann der Kollege vorbei dem ich unseren Roller verkaufte. Madame hatte nämlich ihre kleine Tasche in der nicht nur alle ihre Karten sondern auch ihr Perso drin ist im Club liegen lassen (wird ihr natürlich kurz per Express nachgeschickt). Das Problem hierbei ist, dass alle Schnellzugtickets nur mit valider ID verkauft werden. Also haben wir seine missbraucht und uns sogleich fürs Abendessen verabredet ;-) Meiling wollte eigentlich schon Samstag zurück, da sie noch Sachen aufarbeiten musste, aber Sonntag früh schmeckte mir persönlich eher. Nach dem Essen ging es dann noch zum Friseur. Ich erzählte Meiling, dass ich keinen Bock mehr auf eine “Schwiegermutters Liebling” Frisur hätte und mal wieder nen frecheren Haarschnitt benötigte. Gesagt, getan, erklärte sie Nr. 17 (so heißt meine neue Friseurin) das ich eine Frisur ähnlich wie weiß der Himmel wünschte. Nach 3 Minuten sah ich aus wie ein Modell aus dem Infoheft der Waffen-SS, was mir obwohl ich mich nicht unbedingt für das was vor bald 70 Jahren geschah verantwortlich fühle, nicht unbedingt behagte. Sie ergänzte meinen strammen Schnitt aber noch um 2 rausrasierte Streifen, was das ganze doch wieder in ein anderes Licht rückte. Nichtsdestotrotz meinte Meiling morgens auf dem Weg zum Bahnhof das ich mir doch auch noch einen Hitlerbart hätte rasieren können. Der hätte nämlich sehr harmonisch mit meiner neuen Frise zusammengearbeitet…

In Yizheng angekommen ging es erst mal kurz zu ihr nach Hause und, da unser Taxi unten wartete, sogleich nach Downtown. Meiling hatte sich nämlich den Traum ihres Lebens erfüllt und einen Bildband geordert. Knapp 100 Fotos (zur Auswahl), 4 verschiedene Dresses, 4 Mitarbeiter für 5h beschäftigt und später ein Fotobuch, ein Wandbild, ein Schlüsselanhängerbild, Bilder für den Geldbeutel usw. für 100€… Kann man nicht meckern. Nur war ich knallemüde und mir entging es nicht das man hinter meinem Rücken über mich tuschelte, weshalb ich das Fotostudio in Schutt und Asche legen wollte ;-) Meiling meinte, recht laut, dass ich mir keinen Kopf drum machen sollte, da dort wohl Leute am Werk sind die nicht unbedingt mit Anstand gesegnet sind, haha. Anschließend ging es Freunde treffen, mit denen wir auf einen Landgasthof fuhren. Irgendwo am Ende der Welt. Natürlich musste ich Idiot noch einkaufen und suchte mir dafür den einzigen Schnapsladen weit und breit raus. Glück wie ich habe gehörte der einem Kumpel unseres Kumpels und so kam der mit ner Buddel vom Feinsten im Restaurant vorbei (wo man seine eigenen Getränke mitbringen durfte…). Eine Flasche vom Feinsten reichte natürlich nicht, weshalb die zweite auch gleich besorgt wurde. Das hätte man, wie gesagt hat der Typ einen Laden der fast ausschließlich Schnapes verkauft, noch beliebig fortsetzen könnte, aber ich zog lieber nach dem zweiten Becher die Notbremse und wir stiegen auf Bier um. Es reichte aber durchaus. Und die Moral von der Geschicht? Gibt es in dem Fall auch nicht.

Die Woche bleib ich wohl in Yizheng, da wir in 12 Tagen zu Meilings Oma fliegen. Die wird im Sommer 87 und freut sich immer wie ein Schneekönig wenn ihre Enkelkinder sie besuchen. Scheinbar steht sie, da sie ja ungefähr weiß wann wir kommen, immer wie zufällig in der Haustüre und läuft bei jedem Motorrad / Auto was zur geschätzten Zeit vorbei fährt voller Vorfreude an der Straße… Das angenehme ist, dass Meilings Firma die Tickets bezahlt. Wir fliegen nämlich von Shanghai aus einen Kleinstflughafen an, bei dem die Flüge keinen Rabatt haben, da es Null Konkurrenz gibt. Da sie aber 4x im Jahr nach Hause darf (sie darf natürlich so oft nach Hause wie sie will, aber 4x im Jahr zahlt die Firma die Reisekosten) und sich das nicht wirklich lohnt darf sie die Kosten nämlich auch für 2×2 Flüge aufwenden und mich mit drauf packen. Sehr nett.

Das war sie schon die Woche im Schnelldurchlauf, diese Woche bin ich mit Arbeit mehr als zu und Meiling schätzt es auch wenn ich um 18.30Uhr etwas Zeit für sie habe, weshalb es hier eher ruhiger zugehen wird,
cheers
Sven

PS: Meiling hat von der Spendenaktion Wind bekommen. Es hatte schon einen Grund warum ich ihr nichts davon sagte, meinte sie doch “so wenig?!”. Ihre neue Forderung sind übrigens 5.000€ für ihren Aufenthalt in Europa ;-) Wenn die Aktion so weitergeht hat sie die auch 2016 schon zusammen, haha. Sie meinte übrigens noch ob ich mich nicht schämen würde so eine Aktion zu starten. Das tue ich nicht. Korn.cn hat knapp 700 Artikel und bestimmt schon 1.000 Stunden meiner Freizeit verschlungen. Dementsprechnd freue ich mich über jede kleine Aufmerksamkeit die uns jemand zukommen lässt!

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Kommentare

  • Greeny
    15. Juni 2012 um 07:14

    Na das ist ja mal eine Unterkunft – davon kann ich mit meiner Studentenbleibe nur träumen xD
    (Hauptaktionäre von Alibaba.com sind derzeit Yahoo.com und eine Bank; die Gründer werden erst in den nächsten Wochen ihren Minderheitsanteil wieder auf über 40 Prozent aufstocken und von Yahoo kaufen)

    Die sozialen Disparitäten in China erstaunen mich immer wieder – obwohl ich als Schweizer mir schon einiges gewöhnt bin. In Europa Millionär zu werden ist ja das Eine – das braucht harte Arbeit und Beständigkeit, dann klappt’s auch. Wenn man in einem Land wie China derart Geld machen kann, muss man schon noch einiges mehr drauf haben. Besonders die sozialen Fähigkeiten der reichen Chinesen im Vergleich zu den Durchschnittschinesen erstaunen mich doch immer wieder. Einem hab’ ich kürzlich mal die Schweiz gezeigt und ich hatte mit ihm eine hoch interessante Konversation, obwohl er kein englisch konnte und mein Chinesisch bestenfalls als schlecht bezeichnet werden kann. Er merkte einfach was abging und brauchte nicht für alles ‘ne Extraerklärung xD
    Ist Dir das auch schon aufgefallen?

    Lg

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    • Meiling & Sven
      15. Juni 2012 um 07:26

      Same here. Unsere Unterkunft in Hangzhou ist in jeder Hinsicht bescheiden. Passt aber derzeit voll und ganz. Kann mich noch an unsere 185m² Bude in Chongqing erinnern. Alleine für´s putzen des Wohnzimmers gingen locker 2-3 Stunden drauf und ich hab das ca. alle 2-3 Tage geputzt. Gut, wer 15 Millionen Euro für ne Bude ausgeben kann der hat auch Geld für den Reinigungsservice. Ich bin derweil eher daran mein Leben noch weiter zu reduzieren. Kaufe mir im Sommer einen neuen Rucksack, einen 68g schweren Tagesrucksack, Ultraleichtturnschuhe und wahrscheinlich ein MacBook Air (mal schauen, Lenovo hat wohl ein neues mit massivem Carbon im Angebot bis ich mir eines kaufen werde)… Je weniger desto Besser! Mein Elternhaus ist auch riesig und ich meine jedes Mal zu meinen Eltern das sie es doch verkaufen sollen und sich eine schnuckelige 2-Zimmer Bleibe und ein cooles Wohnmobil leisten sollen. Das würde ich machen (genauer gesagt einen SpaceCamper).

      Yahoo is dead Baby, Yahoo is dead. Neulich stand auf Gizmodo.com ein sehr langer und interessanter Artikel drüber wie die FlickR runterwirtschafteten. Echt übel. Eine Unternehmenskultur bei der es einem alles rollt. Alibaba ist aber in der Tat eine Gelddruckmaschine. Da ziehe ich meinen Hut vor. Die meisten Leute die in China Geld gemacht haben sind Anfang 40zig bis Anfang 50zig und waren genau 1993 in einem Alter in dem man hier noch was verdienen konnte. Das in Kombination mit guten Kontakten und die erste Million ist schnell auf dem Konto. Kenne hier genug Beamte und andere Jungs und Mädels von der Regierung um zu wissen wie die ihr Salär austocken. Meiling hat mir mal eine Zahl genannt bei der es mir fast übel wurde. Ging um den Kauf des Grundstücks für deren neue Wohnanlage…
      Sagen wir es mal so, es gibt hier sehr sehr fitte Leute. Umgekehrt gibt es aber auch welche bei denen Hopfen und Malz verloren ist ;-) Ist in etwa das Gleiche wie zu Hause. Nur das ich niemand bin der gerne Sachen 2x erklärt. hier ist die große Ausnahme (man schaue sich nur den Visumspost für eine Chinesin an…). Ansonsten bin ich der Meinung, dass Wissen Holschuld zu sein hat. Sonst verliert es schnell an Wert. Reiche Chinesen in unserem Alter kenne ich allerdings nicht. Das vermeide ich wie die Pest. Ich bin mittlerweile 33ig und hatte mein Leben lang Freunde die Älter waren als ich. Das behalte ich mir auch hier bei. Ich sehe es aber teilweise bei Kindern von Bekannten wie die gedrillt werden. Da ist die Chance das sich eine gewisse Aufmerksamkeit einstellt doch gegeben. Die Kehrseite ist allerdings das man daran zerbricht. Soll mir aber egal sein ;-)

      LG und schönes WE und nochmals Danke für die Spende!
      Sven

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