Neulich beim Chinesen – Part XY (war schon lange her und ich hab die Nummer vergessen ;-))

April 16th, 2010  |  Published in Neulich beim Chinesen  |  8 Comments

Bevor es losgeht noch kurz die Info, dass es uns gut geht. Das neue Erdbeben war ja in Qinghai, was von uns aus geschätzte 1.000km weg ist. Danke aber für die vielen Mails, denke ich habe alle beantwortet…

So, da mal wieder Chaostage waren, doch ein Post ;-)
Dienstag, Meiling war noch mit ihrer Angestellten in Shenzhen, kam ich gerade, vom Geld eintreiben, aus ihrem Laden zurück, als das Telefon klingelte. Es war ihre zweite Angestellte, die nur was von “Türe” und “kaputt” stammelte. Also wieder die Schuhe angezogen und raus ins Siffwetter. Unterwegs kam mir Meilings Nachbar entgegen, der dort Kaffee und komische Getränke, von denen ich normal die Finger lasse, verkümmelt. Der meinte dann schon, dass eine der Eingangstüren zerbrochen wäre. Shit. Also ich Meiling angerufen, die ja die Chefin ist, nur um zu erfahren, dass sie nichts von der Missere wusste. Willkommen in China. Man sagt es mir, da ich ja in Beibei bin und verschweigt es der Chefin, die wohl eher weiß was zu tun ist…


Was war passiert? Eine der beiden Eingangstüren, wohlgemerkt aus Glas, hat sich aus der Verankerung gelöst und ist auf dem Boden zerscheppert. Ein Fuck… Meiling meinte dann am Telefon zu Ihrer Verkäuferin, dass sie doch einfach ihre Vermieterin anrufen möchte, die wohl nur meinte “das geht mich nichts an”. Den Kommentar von Meiling, der ich das danach am Telefon erzählte, schreibe ich hier nicht ;-) Er hätte aber durchaus von mir sein können, wenn ich denn mal angepisst bin, haha.
Meiling rief dann unsere alte Putzfrau an, ob sie eventuell Nachtschicht machen könnte, sprich im Laden pennen würde, da um 22.00Uhr natürlich alle Glasfabriken schon dicht haben und, wenn man überhaupt jemanden erreichen würde, die Chance zu groß wäre, dass a) der Kollege zu wie ein Strumpf ist und b) somit die Türe verkehrt herum eingebaut würde. Ich lebe schon zu lange hier um anzunehmen, dass dies nicht anders laufen würde. Irgendwann um 23.30Uhr kam dann die Vermieterin mit ihrem Freund, die auch nur meinte, dass man da erst am nächsten Tag was machen könnte. Also ich nach Hause, Bettzeug für Angestellte und Putzfrau geholt und mich dann irgendwann um 0.30Uhr wieder nach Hause begeben. Vorher hab ich noch was zu futtern geholt, da ich den ganzen Tag nichts gegessen hatte.
Am nächsten Morgen sollten dann eigentlich 100kg Klamotten geliefert werden, was die Spedition dann aber kurzfristig auf den nächsten Tag verschieben wollte. Da ich aber den Tag vorher schon ein Taxi für die Abholung von Meiling und ihrer zweiten Angestellten vom Flughafen organisiert hatte, wurde der Fahrer kurzfristig verpflichtet, mit uns zusammen, die Klamotten in Downtown abzuholen, da sie dort im Lager waren. Da chineische Taxis mit Erdgas betrieben werden (da sieht man mal wie Fortschrittlich hier doch alles ist, bei uns findet man alle geschätzten 200km ne Erdgastanke ;-)), haben die aber im Kofferraum ihren Gastank, sprich man bekommt in so nen kleinen Suzuki nicht viel rein. Also mich, mit geschätzten 90kg auf den Beifahrersitz, die Klamotten die die Mädels im Flieger mitgebracht haben auf den Schoss, Meiling mit ihren 47kg, ihre Angestellte mit ihren 40kg (kein Tippfehler und nein, Meiling beschäftigt KEINE Kinder) in den Font und dazu nochmal 100kg Klamotten hinten reingequetscht. Anschnallen braucht man sich in China eh nicht (zumindest inoffiziell ;-)), aber die Tatsache, dass ich 100kg Klamotten im Genick hatte, hätte meine Überlebenschancen im Fall des Unfalles eh auf -10% gedrückt. Das Minus übrigens weil mich der Sack wohl in den Motorraum gedrückt hätte, haha.
Zwischendurch war ich natürlich nochmal im Laden, um zu schaun ob die neue Tür schon angepasst wird. Der Spaß kostet insgesamt 35€… Neue Glastüre mit mehr als 2m² Fläche, Massanfertigung, fertig eingebaut. Wäre das in Deutschland auch so günstig, würde ich mir glatt überlegen meine Haftpflicht mit 10Mio. Euro Deckung zu kündigen ;-)
Da die Frage aufkam, wie wir das ganze machen wollen, wenn wir denn mal nach Deutschland gehen, hier die Antwort: Die Läden laufen auch ohne uns! Jeder Laden bekommt einen Manager und Meiling kümmert sich nur darum, dass das Geschäft anläuft, sprich jeder weiß was er zu tun hat. Alles andere wäre Selbstmord und sie könnte genauso gut arbeiten gehen… Ich verweise gerne nochmals auf die 4-Stunden Arbeitswoche, wo ein Beispiel von nem Kollegen drin ist, der glaub ich 18 Subway Restaurants sein Eigen nennt und sich damit fast zu Tode gearbeitet hat. Warum aber? Dafür hat er Angestellte, die ihm die meisten Arbeiten abnehmen können.
Wie sich das Projekt entwickelt? Das steht in den Sternen! Wie auch Laden Nr. 1 bekommt Laden Nr. 2 ebenfalls 4 Monate Gnadenfrist. Wenn sich bis dahin die Geschäfte nicht positiv entwickeln, muss sie ihn verkaufen. Da bin ich recht kurz angebunden…
Übrigens meinen Respekt vor Meilings Arbeitsmoral. Wir gingen nämlich direkt vom Flughafen aus in Ihren neuen Laden, danach räumten wir bis 3 Uhr morgens Klamotten ein und pennten dann dort! Morgens um 9Uhr machte sie dann auf, verbrachte den ganzen Tag dort, da zwei ihrer Mädels krank waren (die eine hat vorhin gekündigt, der war das wohl zu stressig ;-)) und organisierte nebenbei noch die Eröffnungsparty. Waren dann um 1Uhr fertig, gingen noch mit dem Stammpersonal essen und kamen um 2.30Uhr nach Hause. Ich hab noch schnell geduscht und Meiling surfte noch etwas, nur um mit dem Laptop auf dem Schoss einzupennen ;-) Das toppt sogar meine Arbeitsmoral noch etwas und das ist schwierig. Ich bin nämlich, wenn es ums Geld verdienen geht, eine der größten Nutten überhaupt!

Genug der Worte,
eine schöne Restwoche,
Sven

Kommentare

  1. Aremonus says:

    April 16th, 2010 at 20:37 (#)

    4 Monate zeit vom startup zum Profit? Das ist ja krass, du alter Business Angle :D

    Die Mutter meiner Freundin hat ‘mal in ‘ner Kleinstadt so einen Laden eröffnet und über ein Jahr gebraucht, bis sie einen genügend grossen Kundenstamm aquirieren konnte. Die verkaufte aber auch an eine eher ältere Kundschaft (die dann auch blieb). Ironischerweise musste sie aber aus gesundheitlichen Gründen bald mit der Arbeit aufhören, da sie eine Zeit lang nicht mehr sprechen konnte…

  2. Renkens says:

    April 18th, 2010 at 06:19 (#)

    Moin Mei Ling und Sven!

    Wie sagt man so schön arbeiten macht Frei :-)
    Ich habe mit der Idee hier auch schon gespielt ein kleines Geschäft für bestimmte Chinesische Artikel zu eröffnen.
    Nur die momentane Wirtschaftslage steht dem entgegen aber ich behalte das im Hinterkopf.
    Bei uns in der Stadt gibt es ein Kleidergeschäft mit Bekleidungsartikel aus China, ob das Geschäft sich rentiert kann ich aber nicht sagen.
    Die Geschäfte in den Innenstädten werden aber immer weniger und oft wechseln die Inhaber.
    Bei uns hat Karstadt zwei von seinen drei Geschäften geschlossen obwohl letztes Jahr noch gesagt wurde das man die Geschäfte nicht schließen wolle.
    Die Leute schauen heute mehr auf Ihr Geld als früher was auch verständlich ist.
    Hier wird wieder diskutiert eine Maut für Pkws zu erheben, welches dann angeblich für den Strassenbau und der Infrastruktur benutzt werden soll.
    Am Ende wird das Geld dann so oder so nur benutzt um die Haushaltslöcher zu Stopfen.
    Ich wünsche Euch Beiden noch einen schönen Sonntag.

    Gruß Renkens

  3. Aremonus says:

    April 18th, 2010 at 10:18 (#)

    Wenn Kleider aus China, dann müssten die einfach extrem billig verkauft werden – damit kann man hier Kunden gewinnen. Wer im Premiumbereich einfkaufen will, kauft sich europäische Marken – das ist auch in China nicht anders, nur dass diese Marken in China von den allermeisten nicht bezahl werden können.

    Biete also T-Shirts für 5 Euro, Jeans für 10 Euro und so an und dein Geschäft blüht ;)

  4. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    April 19th, 2010 at 03:36 (#)

    Moinsen,

    für ein stationäres Geschät sind 4 Monate in der Tat kurz. Das ist aber die Gnadenfrist die sie für Projekte bekommt. Ohne einen möglichen, wenn auch eventuell mit Kosten verbundenen, Exit, fang ich nichts mehr an!
    Meiling verkauft primär Klamotten, die Du hier nur schwer oder aber gar nicht bekommst, da alle anderen beim gleichen Großmarkt einkaufen. In ihrem ersten Laden hat sie dann noch die Fächer, die man an andere vermietet, sprich es ist auch optisch “was los”. Wie sich die Geschäfte entwickeln? Keine Ahnung. Es interessiert mich auch nicht besonders…

  5. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    April 19th, 2010 at 03:40 (#)

    Moin Renkens!

    Mit Klamotten kannst Du Geld machen, wenn Deine Kostenstruktur passt. In Deutschland zahlste, für einen Laden in guter Lage, eine horrende Miete oder musst das “gesparte” für Marketing aufwenden. Es gibt zwar ein paar Destination-Shops, die sich bewussst eine schlechte Lage leisten, aber die kann man an einer Hand abzählen…
    Keine Ahnung, dass Karstadt den Bach runter ist wundert mich persönlich nicht. Ich war nicht oft in deren Läden, hatte aber immer den Eindruck fehl am Platz zu sein ;-)

    Wenn ich dir eines sagen darf, die Kosten für ein Startup in China sind nicht besonders hoch! Mach es aber mit deiner besseren Hälfte zusammen. Wenn es nämlich um Behördendinge geht läufste sonst schnell gegen die Wand…

    Cheers und eine schöne Woche,
    Sven

  6. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    April 19th, 2010 at 03:43 (#)

    Moinsen,

    Einspruch ;-) Ich habe genau zwei Kleidungsstücke, die Made in Germany und Made in England sind. Und selbst da kann man sich nicht sicher sein. Esprit, gut, auch eher im mittleren Preissegment angesiedelt, schneidert in Hong Kong, lässt in China nähen und macht dann noch das Etikett in HK rein. Auf dem steht dann natürlich Made in Hong Kong, was für den gemeinen Ausländer natürlich besser ausschaut. Zudem geht man davon aus, dass es sich um eine französische Marke handelt.

    Mit 5€ T-Shirts kannste in der Tat gut Geld verdienen. Auch in Deutschland. Das Einzige was es zu beachten gäbe, wären Textilquoten bei der Einfuhr von China in die EU! Da biste schnell mit drin ;-)

  7. Aremonus says:

    April 19th, 2010 at 13:25 (#)

    Scheiss Handelsbeschränkungen. Mich nervt es, wenn die Preise in Europa künstlich hoch gehalten werden, um “Arbeitsplätze” zu schützen (d.h. Faulheit zu fördern)

  8. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    April 19th, 2010 at 18:21 (#)

    Moinsen,

    sehe ich ähnlich. Verdinge mich derzeit, nebenbei, als Schreiberling und hatte einen Bericht über KIK unter den Fingern (ist so ein selbst ernannter Textildiscounter in Deutschland, keine Ahnung ob die es schon bis zu Euch geschafft haben). Da stand drin, dass vom VK eines Kleidungsstücks, was in DEUTSCHLAND für 2€ vertickert wird, ca. 50% für das Marketing draufgehen. Da liegt der Hase im Pfeffer. Wir graben uns selbst das Wasser ab. Ich kauf mir lieber weniger, dafür aber was, wo ich sicher gehen kann, dass ich es lange Tragen kann. Ich habe nämlich zu wenig Geld um mir was günstiges zu Kaufen.
    Bin auch gegen Importbeschränkungen, da wir es umgekehrt so machen, zum Beispiel in Afrika die Märkte mit dem Export von in der EU subventioniertem Getreide kaputt zu machen. Da stimmt was nicht…

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