Neulich beim Chinesen – Part 99
January 10th, 2010 | Published in Neulich beim Chinesen | 6 Comments
So, wieder eine Woche rum. Und was für eine. Letzte Woche war ich ja in Beibei beim PSB (der Stelle die für Passangelegenheiten zuständig ist) um zu erfahren das ich nach Downtown muss. Hätte mich auch gewundert wenn ich in einer Kleinstadt wie Beibei, was ja nur 750.000 Einwohner hat, mein Visum hätte verlängern können ;-) Meiling hatte Montag in Downtown zu tun und so fuhren wir um 4.00Uhr morgens gemeinsam hin. Ich schlug so um 8.30Uhr an einem Gebäude auf, an dem in Riesenlettern mein Anliegen stand: Passangelegenheiten für Ausländer. Als ich rein ging meinte der nette alte Sicherheitsmann, dass ich falsch wäre und wo anders hin müsste. Wäre ja auch zu schön gewesen!
Da ich aber den Tag zuvor mit Freunden Hot-Pot kredenzte, hatte ich mir mal wieder sonst was eingefangen. Der Entendarm war wohl mal wieder nicht ganz gar als ich ihn verschlang. Also den Kollegen gefragt ob ich evtl. kurz auf die Toilette gehen könnte, was er natürlich beantwortete. Er meinte er würde kurz zu sperren, da ich sie wohl alleine nicht finden würde ;-) Danach ging der mechanische Rolladen zu und er brachte mich zum stillen Örtlein. Etwas was mir in China sehr zusagt ist die Freundlichkeit (zumindest gegenüber Ausländern). Danach hat er mir noch grob erklärt wo ich den die Visumsstelle finden könnte und so zog ich erleichtert wieder los.
An der Stelle wo ich die Visumsbehörde vermutete, war aber nur das oberste Gericht von Chongqing. Ein beeindruckendes Gebäude. Bin mir nicht sicher ob es irgendwo in Deutschland ein Regierungsgebäude gibt was größer ist. Vielleicht der Bundestag ;-) Dahinter fand sich dann auch schon der Ort meiner Begierde (nein, ich musste nicht nochmal). Nur war dieses Gebäude mindestens genauso groß, weshalb mich einer der Sicherheitsleute erst mal 200m weiter schickte. Da stand dann “Visa für Hong Kong und Taiwan” und neben dran “Passangelegenheiten”. Die Kollegen machten aber erst um 9Uhr auf, weshalb ich bei eiseskälte noch etwas wartete. Erinnerte mich daran, wie ich 2006 im Dezember in Beijing vor der indischen Botschaft 4h auf meine Visumsbeantragung für Indien warten durfte. Danach hatte ich ne halbe Lungenentzündung… Als die Türe dann endlich aufging fragte ich gleich ob ich richtig bin, nur um zum Büro für HK / Taiwan Visa geschickt zu werden. Das da was faul ist dachte ich mir schon und fand mich sogleich nochmal ne “Türe” weiter wieder. Ich war natürlich der einzige und die Dame konnte sogar recht gutes Englisch, was mich aber nicht interessierte. Mein Visumschinesisch war derweil schon auf fortgeschrittenem Niveau ;-) Kurz gefragt was ich alles brauch und 2 Minuten später wieder auf der Straße um ein Taxi zum Bus nach Beibei zu nehmen…
Am nächsten Tag musste ich dann mit meinem Vermieter zur Polizei, um mich zu registrieren. Das macht man normal innerhalb von 24h, aber damit hab ich es noch nie so genau genommen. 8Uhr morgens und ich mich auf sein Moped (hat sich erst nen VW gekauft, aber der ist noch nicht zugelassen) geschwungen und zu den Cops gedüst. Die machen natürlich auch erst um 9Uhr auf und er meinte wir würden Nachmittags gehen. Da ich nur noch 3 Tage Visum im Pass hatte wäre mir das auch recht gewesen. Am Spätnachmittag rief er aber dann Meiling an und meinte wir würden uns am nächsten morgen um 9Uhr treffen. Ich ahnte es bereits…
Gut, neuer Morgen, neues Glück, ich wieder aufs Moped und ab zur Polizei. Da ich früher aber mal wo anders gemeldet war, meinte die nette Polizistin, die zu meiner Überraschung fast genauso groß wie ich war, das wir auf die andere Polizei müssten. Gesagt, getan, wieder mit dem Moped weiter gedüst. Dort meinte der Kollege aber das ich zurück müsste um mich bei der für meine neue Heimat zuständigen Polizeistation anzumelden… Ein Stress kann ich dir sagen. Zwischendruch hab ich noch nen Yasminblütentee eingeschenkt bekommen (ist dir das schon mal in Deutschland auf dem Amt passiert?!) und wurde bestimmt 20x darauf hingewiesen wie leid es ihnen doch tut das ich so lange warten müsste ;-)
Irgendwann stellte sich raus das deren Computersystem eine Macke hatte und ich wurde telefonisch registriert. Nach 2,5h hatte ich dann den Schrieb in der Hand und mich selbst gefragt warum ich nicht einfach einen meiner Kumpels bei der Polizei angerufen habe um das ganze mit ihm beim Abendessen zu besprechen ;-)
Wieder in den Bus, wieder nach Downtown zur Visumsstelle und mein neues Visum, was immerhin 30 Tage gültig sein wird, beantragt. Kann ich hoffentlich morgen abholen. Alles besser als nach Hong-Kong zu fahren. Dazu hab ich nämlich derzeit einfach keine Zeit…
Ansonsten hat Meiling die Woche noch ihren neuen Computer geschrottet und ihren alten verkauft. Sie hat es sich nämlich von mir abgeschaut Kaffee zu trinken (O-Ton: “ich werde immer westlicher”) und die Tasse neben dem Keyboard stehen gehabt. Natürlich kam eines zum anderen und der heiße Inhalt ergoss sich über selbiges… Den kann sie nächste Woche, um 200RMB ärmer, wieder abholen. Am gleichen Tag ließ sie noch ihren alten Rechner grundreinigen und ein neues Windows aufspielen um ihn, zusammen mit einem gebrauchten Flachbildschirm, einer neuen Maus und einem neuen Keyboard an den Kollegen zu verkaufen der uns Nachts nach Downtown brachte. Gewinn? 800RMB. O-Ton Computerverkäufer? Den würde ich nicht mal nehmen wenn Du ihn mir für 200MB verkaufst ;-) Der Käufer war aber glücklich damit. Das ist doch die Hauptsache, haha.
Samstag war ich dann noch kurz mit nem Freund in Downtown. Der hatte die Aufgabe einen Ausländer zu beschaffen, der für eine Chivas Regel “Werbung” zur Verfügung steht. Da ich für jeden Spaß zu haben bin und auch die 1.800RMB Gehalt nicht verkehrt waren, hab ich natürlich zugesagt. Als wir uns dann mit der jungen Dame trafen, wurde ich aber doch recht schnell stutzig. Sie erzählte nämlich was von nem Text den ich aufsagen sollte wenn ich auf einen Kunden treffen würde. Da ich meine Zeit nicht gestohlen habe, die Anreise nach Downtown dauerte schon über ne Stunde, fragte ich recht direkt nach ihrem Anliegen. Danach war das Gespräch recht schnell beendet, da es sich nicht um ein Werbeshooting, sondern um Promotion in KTVs und Clubs in Chongqing handeln sollte. Arsch lecken! Sie meinte auch noch das ich auch gar nichts trinken und nur mein Sprüchlein aufsagen müsste, aber um solchen Aussagen zu glauben kenne ich mich zu sehr im Nachtleben aus ;-) Gesagt, getan, gekündigt und wieder zurück. Die Moral von der Geschicht? Glaube einem Chinesen nicht. Das ist wie in den 36 Strategemen, wo es glaube ich heißt “im Osten Lärmen, im Westen Angreifen”. Aber nicht mit mir. Geld stinkt zwar nicht, aber ich habe glaube ich noch nie einen Job gemacht bei dem ich mich schlecht fühlte… Und bei dem wäre dem sicherlich so gewesen!
Derzeit ernähre ich mich übrigens von Kippen, Kaffee, Pepsi und etwas Obst (der Gesundheit wegen ;-)) und bin froh wenn ich den Visumsrotz erledigt habe. Die Alternativen? Heiraten, hier arbeiten oder aber 500.000US$ in eine neue Firma hier investieren. Dann würde ich nämlich ein Residence Permit bzw. eine Greencard erhalten… Es bleibt also spannend.
Genug der Worte, ich habe keinen Bock wieder um 6.30Uhr die Arbeit nieder zu legen und noch einiges der Selbigen vor mir liegen,
cheers,
Sven
January 12th, 2010 at 10:39 (#)
lol, mach doch die Alternative mit den 500.000 US-Dollar, wenn Meiling Anwältin ist. In Deutschland gibt es genug leute, die ein paar Zehntausend in China investieren wollen, wenn du ihnen eine Mindestrendite von 15% nach drei Jahren vorlaufzeit versprichst. Musst nur ‘nen sauberen Businessplan erstellen (Kleidergeschäft in CQ, Anwaltsbüro). Wenn das Geschäft gut läuft, sind 15% Rendite p.a. nach drei Jahren Aufbau gut drin, und wenn nicht gehste eben mit fremdem Geld konkurs (natürlich musst du selber auch so 50.000 investieren, aber die darfst du dir inzwischen guten Gewissens als Lohn auszahlen lassen).
Ok, das Prozedere hab’ ich jetzt etwas arg vereinfacht, aber ich denke, dass du China inzwischen so gut kennst, dass du Erfolg haben könntest^^
lg
Christof
January 12th, 2010 at 12:25 (#)
Moinsen,
da ich gerade meinen Pass abholen war kann ich die Infos mal updaten: 1Mio US$ für Investitionen im Landesinneren und 3Mio. US$ wenn Du an der Küste was aufmachen willst. Dagegen ist so ein schickes HK / Shenzhen Autokennzeichen mit 300KUS$ fast geschenkt ;-)
Ja, Klamotten haben höhere Margen als manch illegale Aktivität für die man hier vor den Scharfrichter kommt. Das ist in der Tat so. Ich habe nur mental schon mit dem Land abgeschlossen. Meine Greencard hole ich mir später ;-) Außerdem ist hier Geschäfte machen zu sehr mit dem Privatleben verbunden und ich bin derzeit ganz froh das mich niemand nervt weil keiner meine neue Handynummer hat ;-)
Denke es würde was werden. Nur habe ich keinen Bock mehr dazu. Mein zukünftiges Geschäft liegt auch erst mal im Internet und dann in einer Richtung in der man mich nicht vermuten würde…
LG back,
Sven
January 12th, 2010 at 19:09 (#)
Oh, verstehe, eine Website mit nackten Tatsachen^^
3 Millionen US-Dollar ist ja gestört… naja, ich hätte hier auch eine ganz nette Verwendung: man nimmt die 3 Millionen, kauft sich damit Land und baut ein Bürogebäude zur Softwareentwicklung plus Wohnhäuser für die Arbeiterschaft. Nach fünf Jahren stellt man entäuscht fest, dass man zwar noch niemanden angestellt hat, jedoch leider schon wieder schliessen und das Gebaute verkaufen muss. Der Immobilienpreis ist angenehmerweise trotzdem gestiegen.
January 13th, 2010 at 11:45 (#)
Moinsen,
ob man für ne Pornoseite umgelegt wird wage ich mal zu bezweifeln. Denke mal ein paar Jahre Umerziehungslager sollten dem Genüge tun ;-)
Das ist in der Tat krank. Land kaufen kannst Du dir auch abschminken. Es gibt hier keinen Grunderwerb. Das ist sowas wie Erbpacht… Der Immobilienpreis wird sich die nächsten Jahre wohl eher nach unten entwickeln. Die Blase wird platzen ;-)
January 13th, 2010 at 23:11 (#)
Wage ich zu bezweifeln. Wo soll das Kapital hin? Man flüchtet sich aus Immobilien – in was dann? Im Ausland investieren ist für Chinesen schwierig, das Geld auf dem Konto wird von der Inflation aufgefressen und die Aktienmärkte sind dermassen schlecht reguliert, dass man nur als absoluter Profi einigermassen sicher durch kommt. Gold und andere Edelmetalle sind, da sich die Weltwirtschaft erholt, ebenfalls keine attraktive Alternative. Daher glaube ich, dass die Immobilienblase noch eine ganze Weile weiterwachsen wird, wenn auch weniger kräftig (da sich keiner mehr eine so teure Wohnung leisten kann).
January 13th, 2010 at 23:50 (#)
Moinsen,
es ist in der Tat so das die Preise irgendwann mal implodieren werden. Ich bin oft genug auf der Straße unterwegs um die ganzen Anzeigen für Wohnraum zu sehen. Hier wurde gehammstert was das Zeug hält und da derzeit Kredite recht günstig sind hat sich Hinz- und Kunz ne Wohnung geleistet. Ist auch nicht soo schwer. Anzahlung ca. 5.000€ und dann 80€ Monatsraten. Das ist noch nicht mal die Hälfte unserer aktuellen Miete (mit Nebenkosten noch nicht mal 1/3tel).
Die Börsen sollen ja dieses Jahr richtig durch die Decke gehen. Ist mir persönlich egal, da verstehe ich nicht genügend davon als das ich mich damit beschäftigen würde.
Die Chinesen packen ihr Geld aber in der Tat noch auf die Bank. Was die Immobilienpreise angefeuert hat sind Schwarzgelder. Habe da recht zuverlässige Quellen…