Neulich beim Chinesen – Part 74, die Entdeckung des letzten Nazis!
March 15th, 2009 | Published in Allgemein | 5 Comments
So, wieder eine Woche rum. Passiert ist nicht viel, außer das nach meiner großkotzigen Ankündigung guten Wetters erst mal die Regenzeit anfing. Bis Freitag hat es gepisst und das nicht wenig. In Wangzhou, also in der Nähe von Mei Lings Heimat, hat es sogar geschneit! Beibei blieb hiervon zum Glück verschont.
Wie ich bereits am Donnerstag schrieb, hatte ich auch ein Vorstellungsgespräch als Marketingmanager bei ner Immobilienfirma. Das Gehalt und die Arbeitszeiten haben aber nicht mit meinen Vorstellungen übereingestimmt. Schade. Der Job hat sich interessant angehört. Habe dem Kollegen nun eine Freelancetätigkeit meinerseits angeboten, wenn er sich im Gegenzug um meine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis kümmert. Mein China-Visum läuft nämlich im Mai mal wieder ab und ich habe keine Lust schon wieder knapp 500€ für ein neues zu berappen…
Ansonsten war ich natürlich regelmäßig aus, was hier zum Sozialleben dazu gehört. Dabei habe ich auch den letzten Nazi getroffen. Hier in Chongqing / Beibei. Der Kollege sprach mich auf deutsch an, was ich ja schon witzig fand und lud mich dann auf ein Bierchen ein, womit ich natürlich auch kein Problem hatte. Er meinte er ist ein großer Fan von Richard Wagner, den er schon seit seinem fünfzehnten Lebensjahr verehrt. Damals war für mich noch AC/DC Kult ;-) Mittlerweile bin ich auch ein Freund klassischer Musik, obwohl es mich auch nicht umbringt wenn ich selbige mal ein halbes Jahr nicht höre. Er meinte er halte nichts von Karl Marx, da dieser sich nicht ausdrücklich als Antisemit geoutet hat, aber dafür umso mehr von seinem Weggefährten Friedrich Engels, der sich wohl gegen Juden geäußert hat.
Versuchte dann ihm zu erklären, dass man nicht alle in einen Sack stecken kann. Ich schreibe zwar auch ganz gerne mal “der gemeine Deutsche” oder “der Deutsche als solcher”, aber meine dies nicht unbedingt so. Das ist dann ein Modell, bei welchem natürlich Teile der Realität ausgeblendet werden. Ob er es verstanden hat weiß ich nicht und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht. Jedem das seine (ja ja, ich weiß, ebenfalls vorbelastet, aber ich finde in dem Zusammenhang ganz passend).
Ansonsten ist hier irgendwie dicke Luft. Die Freundin von Mei Lings Bruder ist mal wieder ausgezogen, Mei Ling und ich haben uns gefetzt und sie hat bei Jia Jia, unserer ehemaligen Bedienung gepennt, da diese sich ebenfalls mit ihrem Freund verkracht hat. Schaun wir mal wie es weiter geht. Es bleibt spannend. Also schön weiterlesen!
Genug der Worte, ich bin müde und hab noch was zu arbeiten,
Sven
March 16th, 2009 at 06:22 (#)
Naja, so schlecht war der Wagner ja nicht, mir gefällt dessen Musik auch noch. Nur weil er Hitlers Lieblingskomponist war, heisst das nicht, dass jeder, der ihn mag, wie Hitler ist :P
Und ein echter Nazi mag auch keinen Engles, da Engles Kommunist war und die Nazis ja die grössten Feinde derselben… der Typ muss noch viel lernen :P
Ist die MeiLing auch so ein Tiger? Irgendwie sind die Damen hier in Sichuan ziemlich temperamentvoll, ob es wohl am scharfen Essen liegt? Meine Freundin wird auch gerne mal laut, aber gegen ihre Mutter ist sie noch heilig. Problematisch wird es, wenn sich die beiden Damen in die Haare geraten – dann hol’ ich mir meist Popcorn und geniessen die Show xD
March 16th, 2009 at 11:28 (#)
Moinsen,
der Kollege hat das Dritte Reich eindeutigst in sein Herz geschlossen ;-) Wagner finde ich persönlich auch nicht schlecht, nur fehlt es mir einfach an Zeit Musik zu hören. Wenn ich den Computer an habe bin ich normalerweise am Arbeiten, wobei ich Musik eher als störend empfinde und meinen IPOD Shuffle hab ich Mei Ling vermacht, damit sie ihren Deutschkurs hören kann…
Genau das meinte ich auch zu ihm, aber er war anderer Meinung ;-) Bin ja immer wieder überrascht wie viel man überhaupt von unserem kleinen Land weiß!
Ja, ab und an hat sie Haare auf den Zähnen und ich bin auch nicht ganz ohne. Ab und an ist meine Art, für China, einfach zu schnell oben raus zu sein. Außerdem kann ich es nicht ab, wenn meine Herzensdame schlecht drauf ist und mir den Grund hierfür nicht nennt. Eine Eigenschaft die wohl weltweit der Damenwelt zugeordnet werden darf, ohne hier irgend eine Wertung von mir zu geben. Wir haben uns aber mittlerweile drauf geeinigt uns nicht mehr so oft zu streiten, da Zeit ein kostbares gut ist.
Die Mädels in Sichuan werden ja auch als Spice-Girls bezeichnet. Hier läuft alles ne Stufe härter ab als im Rest von China. Schießereien im KTV, Messerstechereien, Prügeleien. Fast wie in Deutschland. Und laut ist es natürlich auch ;-)
March 16th, 2009 at 13:44 (#)
Ist ja echt interessant, was die Männerwelt so über die Damenwelt schreibt!!
Nur gut, dass eure Freundinnen noch nicht so gut Deutsch lesen könnt, oder???
Mit langweiligen “Ja”-Sagerinnen, die euch womöglich noch alles hinterherräumen und ganz nach alter Tradition “dem Herrn dienen” hättet ihr bestimmt auch keinen Spass (Wobei ich die Sache mit dem Popcorn echt witzig finde, werde ich mal ausprobieren, wenn sich bei uns mal wieder Papa und die 5-jährige in ein Streitgespräch vertiefen).
Liebe Grüße
Steffi
March 16th, 2009 at 14:10 (#)
Hehe, würde mir nichts ausmachen wenn sie das lesen könnte – sie kennt sich ja selber auch und verträgt Kritik. Ja-Sagerinnen mag ich persönlich auch überhaupt nicht, aber zu Hause in der CH war es eigentlich Sitte, auch im Streit einigermassen freundlich zu bleiben, während man hier grad mal laut wird^^
Das erste Mal, als ich hier war, war das schon etwas erschreckend – hab’ es zwar öfters mal in Italien gesehn, aber wenn man selber drin involviert ist, ändert sich die Perspektive gewaltig.
Die Mutter meiner Freundin hat auch mal von so einem Dreikäsehoch von Wächter eine geballert bekommen. Schlecht für ihn, ihr Bruder ist lokaler Polizeichef und ich war in der Nähe um den Jungen mal ein paar Minuten festzuhalten, bis die Herren in Blau ihn mitnahmen…
Ist der “Boss” bei dir der Mafia-boss oder der Polizei-boss? (Wenn hier nur der Unterschied grösser wäre…)
March 17th, 2009 at 08:50 (#)
Moinsen Ihr beiden,
Mei Ling würde es wohl auch nichts ausmachen. Die weiß das sie einen ganz schönen Dickschädel hat, der natürlich mit dem meinigen des öfteren aneinander prallt ;-)
Hier geht es in der Tat anders zu als im Rest von China. Weniger freundlich, direkter, ehrlicher. Mir persönlich gefällt das aber sehr gut. Deckt sich ganz gut mit meinen Eigenschaften.
Ich kenne die Bosse beider Gruppierungen ganz gut. Das ist in China ein MUSS, haha.
Schönen Tag noch,
Mei Ling und Sven