Neulich beim Chinesen – Part 100!
January 17th, 2010 | Published in Neulich beim Chinesen | 9 Comments
Neulich beim Chinesen wird 100… Zeit mal inne zu gehen und über die letzten 3,5 Jahre nachzudenken ;-) Übrigens, wer hätte 2006 Gedacht das ich a) 2010 immer noch hier lebe und b) immer noch fast jede Woche meinen Wochensenf publiziere?! Übrigens ist dies auch der 500ste Beitrag auf unserem kleinen aber feinen Blog (gut, ich muss noch ein paar alte Ausgaben von Neulich beim Chinesen nachtragen, da es mir ja vor Jahren mal das Blog zerlegte, aber im Moment ist es in der Tat der 500ste!).
Angefangen hat alles 2006, als ich bei der Huayi School in Qingdao ein Praktikum machte. Dort gab es für meine Chinesischkenntnisse den ersten Schub und ich war mir sicher das richtige zu studieren. Qingdao war, für den Anfang, eine gute Wahl, obwohl ich mittlerweile der Meinung bin das es dort etwas langweilig ist… Aber ich denke mal das ich, wenn ich sofort in Beibei aufgeschlagen wäre, erst mal den Kulturschock erlitten hätte…
Zwischendurch, Ende 2006, war ich dann für 3 Wochen in Indien und bin dann zurück nach Deutschland. Der Grund für meinen Heimflug war ein anderer, aber ich hatte mir bei den Indern so dermaßen die Hände versaut das ich, wäre ich nach China zurück, nun evtl. mit einer Diktiersoftware meinen Senf schreiben könnte… Shit happens.
Anfang 2007 flog ich dann gleich wieder nach China, besser gesagt erst mal nach London, dann nach Hong-Kong und dann zu Lukas, meinem ehemaligen Mitbewohner, nach Shanghai. Schön wars. Noch kurz nach Qingdao, mit meinen dortigen Freunden das Frühlingsfest gefeiert, dann nach Nanjing, Simon und Christoph aus KN besucht und mich noch kurz mit meinem alten Freund Summer auf dem Flughafen in Hong-Kong auf nen Kaffee getroffen um wieder über England nach Hause zu fliegen. Ich durfte nämlich eine Klausur nachholen, bei der der Professor auf Anwesenheit pochte. Schön, oder? Nebenbei ging ich noch mit Dzoni, einem alten Freund aus Heilbronner Tagen, jeden Dienstag in die Schweiz und durfte letztendlich den Vortrag, die Klausur bestand nämlich nur aus selbigem, per E-Mail einreichen, weil ich zu busy war um ihn selbst zu halten…
Anschließend beantragte ich wieder ein chinesisches Visum, mein drittes, um mit nem Teilstipendium des DAAD endlich nach Chongqing zu gehen. Natürlich hab ich vorher erst mal alte Freunde besucht, weshalb ich hier ziemlich lädiert aufschlug ;-) In der Uni gab es dann erst mal nen Anpfiff, weil ich mein Stipendium 2x verschoben hatte, die Info aber nicht ankam und ich bezog mein Zimmmer. Eigentlich wurde mir angekündigt das ich mit nem Afrikaner zusammen leben würde (Shared Bedrooms!), aber die Bilder meines Mitbewohners liessen eher auf einen Asiaten schließen. So kam es das ich die nächsten Wochen mit Sultan aus Kyrgistan Zimmer und Schulbank teilte (gut, letzteres noch etwas länger ;-))…
Nach einigen Wochen in Beibei wurden wir dann, vom Abendessen weg, in einen Club eingeladen, wo wir, ich zitiere sinngemäß (hab zwar ein gutes Gedächtnis, aber den genauen Wortlaut bekomm ich auch nicht mehr hin), “kostenlos trinken könnten, da uns der Chef eingeladen hätte”. Komisch oder? Egal, wir hatten nichts besseres zu tun und man muss sich auch den landestypischen Gepflogenheiten anpassen. So kam es dass ich neben nem Kollegen auf der bequemen Couch sass, der kein Wort Hochchinesisch oder gar Englisch konnte und mich wunderte warum der Laden von außen so schäbig und von innen so cool aussah. Kurz darauf kam aber Hilfe in Form seiner Assistentin. Die war mir, wie auch der Chef, gleich sympathisch, weshalb wir Telefonnummern austauschten. Du wirst es schon ahnen, die Assistentin war Meilng… Das ganze nahm so seinen Lauf, ich war noch des öfteren im KTV beim Chef und wir eröffneten Anfang 2008 unsere eigene Bar. Kurz danach kam Dzoni aus Deutschland, mit dem ich eigentlich was geschäftliches machen wollte, was sich kurz nach seiner Ankunft wieder zerschlug und leistete uns ein paar Wochen Gesellschaft. Er wäre wohl auch noch bis zur Eröffnung unseres Biergartens geblieben, aber hatte in DE noch private Sachen zu klären.
Während Dzonis Besuch kamen noch Biene und Seb aus Heilbronn vorbei, die in China ihre Weltreise starteten. Danach, während wir unseren Biergarten hatten, kam noch meine jüngere Schwester zu Besuch und anschließend Ralf und Co aus Coesfeld. Zwischendurch, Anfang Mai 2008, war noch das Erdbeben in Sichuan, was natürlich erst mal die gute Laune hinwegfegte…
Im Sommer, die Olympiade stand vor der Tür und ich war fast schon auf dem Sprung nach Hong-Kong, erreichte mich die E-Mail eines anderen alten Freundes. Seinem Bruder ginge es nicht besonders. Also meinen Flug nach HK auf Frankfurt umgebucht und Nachmittags nach Deutschland, um seinem Bruder das letzte Geleit zu gewähren. Anschließend gab es, Olympia sei Dank, keine Visa für China und auch das deutsche Konsulat in Chengdu zierte sich mit der Vergabe eines Visums für Meiling, weshalb wir fast 10 Wochen zwangsgetrennt waren.
Danach kam noch Tommy aus Deutschland, genauso wie Acki, Urmel und Pierre zu Besuch und wir feierten ordentlich das Fest der Liebe. 2009 war es dann eher ruhiger und ich ein paar Monate als Gastarbeiter in Deutschland. Nach meiner Rückkehr wurde erst mal ordentlich gefeiert, es kamen noch Dirk, Oliver und Lini aus DE / Guangzhou, zwei Couchsurfer aus Kanada und Chris aus Berlin zu Besuch und Ende 2009 haben wir dann auch noch unsere Bar verkümmelt. So schaun wir mal was 2010 bringt.
Das soll er gewesen sein, der kurze Überflug über die letzten 3,5 Jahre, von denen ich glaube ich gluab ich knapp drei in der VR verbracht habe… Wenn ich Zeit habe pack´ ich alle 100 Ausgaben von “Neulich beim Chinesen” in ein PDF. Das gibt es zwar nicht gratis, aber es soll nicht umsonst sein ;-)
Die Woche war übrigens absolut unspektakulär. Ein Freund von uns hat uns “Avatar”, so nen 3D Film empfohlen, weshalb wir eigentlich Donnerstag ins Kino gehen wollten. Er war schon, aber da er uns an selbigem Tag zum Kaffee einlud haben wir den Kinobesuch erst mal vertagt. Der läuft nicht weg!
Gestern war es, tagsüber, auch mal richtig schön, da die Sonne raus kam. So könnte das jeden Tag sein! Egal, es wird bald wieder Sommer, da es in Chongqing nur zwei Jahreszeiten gibt (kein Witz).
Genug der Worte, bis ich mein Leben in Buchform verkaufe und reich werde muss ich noch andere Sklavenarbeiten erledigen um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten,
cheers,
Sven
January 17th, 2010 at 13:19 (#)
Gratuliere Dir zu Deinem Blogiläum :D
Jetzt vermisse ich China wieder… aber ich weiss nicht, ob es mir 2010 (finanziell und zeitlich) ins Reich der Mitte reicht. Jetzt muss ich in 2 Wochen erst mal die Uni Prüfungen hinter mich bringen, dann bin ich schon einmal froh und einen grossen Schritt weiter :P
Bist du im Sommer voraussichtlich in CQ? Was ist mit nächstem Frühlingsfest?
lg
January 17th, 2010 at 16:20 (#)
Besten Dank…
Im Sommer bin ich wohl in Deutschland. Meine jüngere Schwester heiratet kirlich. Ob ich danach nochmal in Chongqing aufschlage sei dahin gestellt.
Frühlingsfest bin ich natürlich in der Umgebung. Am 7ten läuft mein Visum erst mal aus und dann sehen wir weiter. Meiling will evtl. zur Oma oder zu ihren Eltern nach Guangzhou. Mal schaun wie es bei mir zeitlich ausschaut. Bock habe ich nämlich auf keine der Locations ;-)
January 17th, 2010 at 21:04 (#)
Hehe, wenn man so lange in China gelebt hat wie du, kommt man doch nicht mehr ohne China aus. Ich vermiss’ es schon nach dem einen Jahr, das ich bis jetzt dort verbracht habe :)
January 18th, 2010 at 11:41 (#)
Keine Ahnung. Das wird sich zeigen. Es ist ja kein Abschied von immer. Schließlich ist es Meilings Heimatland. Derzeit bin ich aber wirklich so drauf das ich mit China vorerst mal abgeschlossen habe. Fehlende Heizungen, ständig die gleichen Fragen usw. Es kommt einem vor wie wenn man jeden Tag das gleiche Erleben würde ;-)
January 18th, 2010 at 14:57 (#)
Glueckwunsch zum Jubilaeum!
Meine Freundin draengt mich mitlerweile auch schon immmer mehr dazu, auch mal einen Blog zu eroeffnen. Warten wir’s mal ab, hehe…
Hatte ich nicht mal irgendwo gelesen, dass Meiling Jura studiert? Da kann man doch nicht einfach so das Land wechseln und woanders weiter studieren, oder sehe ich das falsch?
Viele Gruesse
January 18th, 2010 at 18:56 (#)
Also ich kenn’ auch ‘ne CHinesin, die ihren Juradoktor in Basel macht…
January 19th, 2010 at 10:14 (#)
@Thomas: Besten Dank. Meinen Rat? Höre nicht auf deine Freundin. Kostet nur Zeit und Nerven ;-) Wenn ich überlege was hier schon für Arschlöcher in den letzten Jahren kommentiert haben wird mir immer noch schlecht. Z.B. meinte so ein Idiot, es war glaub ich sogar der erste Kommentar nachdem ich unser Blog wiederbelebte (wie gesagt, Datenbankfehler und die Inhalte aus dem Netz gefegt worden), ob ich den überhaupt hier leben würde (war nach dem Erdbeben und der dachte wohl ich will den großen Reibach damit machen) oder die Faschofraktion, die ich aber irgendwie witzig finde…
Jepp, sie will an der nationalen Anwaltsprüfung teilnehmen. Da musste dich nicht mal in der Uni einschreiben, da sie schon nen Bachelor hat muss sie “nur” alle nationalen und internationalen Gesetze auswendig lernen. Evtl. geht sie aber dafür nächstes Jahr ein halbes Jahr nach Beijing zur Intensivvorbereitung. Da ist es dann eh besser wenn wir getrennt leben, weil das die Hölle auf Erden sein muss…
Bin auch der Meinung von Aremonus. Man kann wohl wechseln. Was Meiling vor hat ist die Anwaltszulassung zu erhalten. Erst die Prüfung bestehen (ist wohl die härteste Chinas mit Durchfallquoten jenseits von 80%) und dann ein Jahr lang ein Praktikum machen…
Cheers,
Sven
January 21st, 2010 at 09:26 (#)
Hey Bruderherz!!
Pünktlich zum 100. komme ich auch wieder auf Deinen Blog. Hatte die Hoffnung schon aufgegeben :-).
Jetzt muss ich wohl die letzten 50 Postings nachlesen.
Aber erstmal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!! dass Du es noch nicht aufgegeben hast und uns weiterhin auf dem laufenden hälst (endlich kann ich auch wieder mitlesen).
Ganz liebe Grüße
Steffi
January 21st, 2010 at 15:13 (#)
Moin Schwesterherz,
hättest einfach nur koswebdesign… eingeben müssen ,haha. Aber jetzt läuft es ja wieder alles. Glaub ich doch. Zu beschäftigt um nachzusehen, da mein Provider mittlerweile auch noch eine Weiterleitung reingemacht hat. Doppelt hält besser ;-)
Besten Dank und viel Spaß beim Lesen! So lange wir noch in China leben wird noch geblogged werden. Denke ich doch ;-)
Viele liebe Grüße,
Sven