“Mit Verlaub, (Herr Präsident), Sie sind ein Arschloch.”
June 6th, 2008 | Published in Allgemein | 2 Comments
Ich bin oft in Hessen, meistens nur um zum Flughafen zu gelangen, da Frankfurt der Hub für Flüge in die weite Welt ist. Ich habe einige Freunde dort und wundere mich immer noch das die Todesstrafe im Gesetz verankert ist. Zum Glück bricht Landesrecht nationales Recht und das wird widerrum vom EU Recht zu nichte gemacht. Die Hessen, oder besser gesagt ihre Politiker, müssen sich also nicht um die Nutzung des Schafotts Gedanken machen. Dem ist auch gut so, haben sie doch andere Probleme.
Zu nenne wären z.B. die Studiengebühren. Als der Spiegel davon schrieb das Hessen die Studiengebühren abschaffte, fand ich dies bemerkenswert. Etwas, aus dem ich zwar keinen Hehl machte, aber es auch nicht an die große Glocke hängen wollte, war die Tatsache, das ich gegen selbige geklagt hatte (in Baden Württemberg). Das Resultat? Die Bitte doch die Klage einzustellen bzw. ruhen zu lassen, was ich letztendlich tat. Meine Meinung? Ist es gerecht das ich meinen Dienst an der Waffe tat? War es das Wert das ich 2 Jahre (das Kreiswehrersatzamt in Heilbronn zog mich nicht, wie abgesprochen, zum 01.10.1998 sondern zum 04.01.1999 ein) verballert hatte in denen ich eigentlich studieren hätte könne, in denen ich mich von 17-jährigen kommandieren lassen sollten, die a) oft noch keine Eier in der Hose und b) keine Ahnung hatten von Personalführung und respektvollem Umgang miteinander und c) nach Durchführung ihrer Androhungen beim nächsten Diskobesuch mit einer entsprechenden Reaktion zu rechnen gehabt hätten, absolvierte ohne mich darum zu drücken und, danach, für genau diese 2 Jahre Verzögerung, die 4 Semestern entsprechen, Studiengebühren in Konstanz / Baden Württemberg zu bezahlen?
Um ehrlich gesagt ging es mir, bei meiner Klage, nicht um mich sondern um das Prinzip. Ich bin, meiner Herkunft bedingt, ein Kind der Arbeiterklasse. Das soll heißen das ich, statistisch gesehen, aus einem bildungsfremden Haushalt komme und somit nicht zur Bildung berechtigt bin. Warum? Weil meine Eltern aus einen Hintergrund hatten der die ihrige akademische Bildung nicht ermöglichte… Das Geld war einfach nicht da und Kinder aus Bauernfamilen wurden als Dreck angesehen. So in etwa hat es mir meine liebe Mutter, als sie mich auf den Bahnhof brachte, mal erzählt. Es folgte in etwa der Marxschen Formulierung der Bourgeoisie, sprich des Bürgertums. Ich könnte, ich verwende mal wieder mal eine meiner Lieblingsformulierungen, KOTZEN! Macht es mich zu einem schlechteren Menschen das mein Vater 21 Geschwister hatte, von denen 3 nicht den 2ten Weltkrieg überlebten, da die amerikanischen Besatzer sie ihnen den Zugang zu medizinischer Versorgung untersagten? Macht es MICH zu einem schlechteren Menschen das die Mutter meiner Mutter starb als sie ca. 12 Jahre alte war und sie deshalb ihre Mutter zu ersetzen hatte? Ich denke nicht. Andere Freunde von mir, wesentlich älter als ich, erzählten mir das ihre Familien in den Nachkriegsjahren immer 1x im Monat Brot backten welches danach gemächlich vor sich hinschimmelte. Sie bezeichnen es jetzt, als ihr Penezelin. Dessen Anfänge ebenfalls als verschimmelnde Substanz herrührte und was damals, zur Immunisierung, zu teuer war. Geld für teure Bildung? Fehlanzeige.
Das gute in einer Demokratie erscheint einem, auf den ersten Blick, die Verfassung. Man fühlt sich sicher. So ein Dreck wie im dritten Reich (mein Opa war ein einfacher Bauer und, danach, nach Aussage des Opas meiner besten Freunde, der bei der Panzer-SS diente, ein guter Soldat [das war die Antwort auf die Frage nach der Kriegsvergangenheit meine Opas, der wohl zu verbittert war seinem kleinen Enkel, also mir, seine Geschichte zu erzählen, als er sich die erfrorenen Beine eincremte]) kann wohl nicht mehr passieren, sind doch alle Institutionenen nur einem verpflichtet, den demokratischen Grundsätzen. Lese ich so einen Mist den Artikel des Spiegel über die Abschaffung der Studiengebühren in Hessen und das Veto eines Herrn Koch, lese ich so etwas frage ich mich wie weit es mit dieser Demokratie nur gekommen ist. Nur, als immer noch von der Macht der Demokratie träumenden Bürgers (das Wort gehört auch abgeschafft) in einem Staat der mehr und mehr den Orwellschen Fantasien eines fiktiven 1984s ähnelt, bin ich mir nicht mehr sicher warum wir derartige Patriarchen benötigen.
Ein Mann, ein Veto? Who the Fuck ist Koch fällt es mir spontan ein. Herr Koch, ich koche…
Ich beschwere mich zwar immer über die Zustände in Deutschland, bin aber nicht Mannes genug mich derer anzunehmen und mich der Politik zu widmen. Zu sehr unüberwindbar scheint mir der Filz von Verflechtungen und das immer wieder sichtbare Streben nach einem: Der nächsten Legislaturperiode. Es geht nich um 500€ sondern um das Prinzip.
Was macht Deutschland aus? Das Bildungsniveau! Aber wie ist die Realität? Man schafft Barrieren! Finanzieller Art. Als ich mein Studium begann gab es eine Förderung. BaFöG. Ein Strip erster Güte, ähnlich den Voraussetzungen zu Hartz IV. Irgendwann gab es dann einen Bildungskredit, der einem die gute Bildung ermöglichen sollte. Das war glaub ich letztes Jahr. Zumindest habe ich da den meinigen erhalten. Die übrigen Jahre? Selbst finanziert und noch das Kindergeld von meinen Eltern, sowie einen Zuschuss, wenn meine Hausbank mal meinte ich wäre nahe dem Bankrott, erhalten. Zum KOTZEN!
Mein Erststudium absolvierte ich an der HTWG Heilbronn. Auf dem Parkplatz war mein alter Passat Kombi wohl mit Abstand das älteste Auto. Der kleine Unterschied? Ich habe ihn mir selber gekauft! Ich habe leider, oder besser gesagt, keine Eltern die mir zum 18ten Auto ein Auto vor die Haustüre stellen konnten. Ich habe mir das meinige, einen VW Jetta, für 500DM selbst gekauft und es danach selbst zu Schrott gefahren. Danach folgten folgten diverse automobile Eskapaden als auch Ausflüge in Ausland. Wohl gemerkt keine Urlaube, von denen es auch einige gab, sondern Prakitka.
Der Finanzvorstand einer Firma für die ich mal arbeitete meinte nur eines auf meine Fragen nach Spesen für meinen ersten Tripp nach London: “Du willst nach London? Dann zahlst Du es selber” . Taffe Antwort, nur war die Antwort auf die wohl zu erwartende meinige Frage nach dem “warum?” die, dass er selber während seines Studiums in Ausland wollte und es selbst bezahlte. Was ich auch tat. Die Antwort des Gesprächs auf diese Antwort war übrigens die “Danke, hättest Du [es war die New Economy] gemeint die Firma hätte kein Geld hättest Du in 10 Minuten meine Kündigung auf dem Tisch gehabt”.
Schaun mer mal wie das in Hessen weiter geht! Ich drücke allen die dort studieren die Daumen und hoffe mal das andere Bundesländer dem Beispiel folgen.
Weitere Infos aus der Blowelt:
- Studiengebühren == Bildungsabbau
- die Nürnberger Zeitung schreibt in ihrem Blog ebenfalls darüber…
- und der Asta der Uni Kassel wappnet sich zum Kampfe…
- … der Bildungsserver hat die Neuigkeit noch nicht in seinen Blog aufgenommen
June 9th, 2008 at 18:30 (#)
Die Zeile “der Bildungsserver hat die Neuigkeit noch nicht in seinen Blog aufgenommen” erschließt sich mir beim besten Willen nicht, wenn mit eben diesen Worten auf das Posting über die Studiengebühren im BildungsserverBlog verlinkt wird.
Viele Grüße from Good Old Germany :)
Ingo Blees
June 10th, 2008 at 08:06 (#)
Hallo,
als ich das letzte mal bei euch zu “Besuch” war gab es den Post hier noch nicht: http://blog.bildungsserver.de/?p=88 ;-)
Viele Grüße aus der PR China,
Sven