Warum es sich auch im Geschäftsleben lohnt einen Chinesischen Namen zu führen…
Gepostet am 26. 04. 2012 | Veröffentlicht in Beruflich in China | 4 Kommentare
Ich heiße bekanntlich Sven, was für Chinesen fast nicht aussprechbar ist (die sprechen das wie meine Afrikanischen Freunde aus also Seven [gut, bei meinen engen Freunden bin ich German oder aber El Allemagne...]). Früher wurde ich auch öfters gefragt ob ich keinen Englischen Namen hätte. WTF? In der Realschule nannte mich mein schwuler Lehrer (der war zwar glaub ich verheiratet, schwebte aber immer in den Unterrichtsraum [und nein, ich bin nicht homophob...]) JEFF, wofür ihm jetzt noch eine zentriert gehört ;-) Den Namen werde ich im Leben nicht führen, da er sich nur noch bescheuert anhört.
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Brauche ich einen Chinesischen Namen?
Meinen Chinesischen Kampfnamen möchte ich hier nicht sehen, da es ganz gut ist das hier, außer Meiling, niemand weiß wie ich wirklich heiße (die wurde mal auf dem Konsulat in Chengdu genötigt meinen Deutschen Namen aufs Papier zu bannen, damit man auch sieht das wir keine Scheinbeziehung führen!). Das hat den Vorteil, dass ich Leute jeder Couleur habe kennenlernen durfte und trotzdem noch mit ruhigem Gewissen ein Visum beantragen darf. Im Nachhinein bin ich den Damen auf dem Standesamt in meiner Heimatgemeinde ja dankbar dafür, dass sie meine Anfrage auf einen Künstlernamen mit einem “vergiss es” ablehnten. Der wäre wohl eher zum Boomerang geworden ;-)
Warum haben Chinesen einen Amerikanischen Vornamen?
Chinesen führen ganz gerne einen Amerikanischen Vornamen (teilweise sogar einen Nachnamen), was mir ganz lieb ist, da ich ein Namensgedächtnis wie ein Sieb habe. Ich kann mir so ziemlich jeden Mist merken und vergesse nichts, aber mit Namen habe ich es wirklich nicht. Liegt wohl daran das ich 10 Tage zu früh auf die Welt kam und genau die Gehirnregion noch etwas mehr Reife vertragen hätte. Ich kann aber damit Leben. Umgekehrt ist es aber durchaus sinnvoll wenn man einen lokalen Namen hat, da sich die Chinesen schwer tun einen kompletten westlichen Namen auszusprechen. Mein jeweils 1-silbiges Konstrukt, ohne Mittelnamen (oh Gott, wenn ich dran denke wie mein Opa mit Vornamen hieß bin ich ganz froh drum [und Nein, das war kein Vorname aus dem dritten Reich, er wurde nämlich im Ersten Weltkrieg geboren]), ist schon zu viel für die meisten Chinesen… Passt aber auch.
In einer Gesellschaft die sich sehr darüber verdingt das man KEINE Fehler macht, sprich sein Gesicht wahrt (was mittlerweile auch mehr und mehr Obsolet ist, aber dennoch in der “einschlägigen” Literatur genannt wird), tut man doch gut daran kleine Eselsbrücken zu bauen, right?
Wie kommt man aber zu einem Chinesischen Namen?
- Man studiert bzw. lernt in China Chinesisch…
In der Uni oder einer Sprachschule bekommt man fast automatisch einen “passenden” Namen verpasst. Die werden aber eher ausgewürfelt. Der meinige ist eine Lautübersetzung von Vor- und Zuname, was mir immer meinen Allerwertesten rettet, da er viel zu gut ist und noch nicht mal ein Chinese, der 20ig Generationen mit dem Familiennamen (bekommt man immer vom Vater und behält ihn auch wenn man heiratet) brüsten kann, würde so “getauft” werden…. - Friends, Fools, Family…
Kollegen oder aber Freunde die etwas Ahnung von Chinesischer Kultur haben sind da schon die bessere Anlaufstelle. Man möchte doch nicht einen Namen haben der einer imaginären Karteikarte des Lehrers entstammt, der einfach innerlich von 1-10 zählt und dann seinen Schülern die “passenden” Namen aufdrückt.
Ein Freund von mir hat seinen Namen von meinem besten Freund beim Abendessen bekommen. War ein Misch aus dem Familiennamen meines Chinesischen Kumpels und dem Eingangs genannten Problem das niemand seinen Vornamen richtig aussprechen konnte. Er heißt nun, wie glaub ich 100Millionen Chinesen, Pflaume mit Familiennamen… Er führt ihn immer noch und ich benutze ihn auch zur normalen Kommunikation mit ihm. - Man fragt (s)einen Übersetzer…
Gerade wenn man kein Chinesisch spricht und mit Dolmetscher unterwegs ist, kann es hilfreich sein sie oder ihn mit der Namensfindung zu beauftragen. Ich würde das aber recht schnell bei einer dritten Partei verifizieren, da ich mir an deren Stelle wohl ab und an mal einen Spaß erlauben würde ;-) Sei also froh das ich mich, zumindest nicht hier, im Naming probiere…
Es würde mich fast wundern wenn es die Namensfindung für Ausländer nicht als Dienstleistung gibt, aber Wissen ist Holschuld und ich bin wie gesagt schon fein raus.
Abschließend vielleicht noch der Hinweis das ein Blick ins Geschichtsbuch lohnt. Genausowenig wie wir es verstehen würden wenn sich ein Ausländer bei uns A. Hitler (meine braunen Freunde haben hier schon länger nicht mehr kommentiert, was ich zwar Schade finde weil die doch recht gewieft ihre Überzeugungen debattieren, aber für den vollen Namen bin selbst ich politisch zu korrekt). Also fallen Namen der aktuellen und ehemaligen Mitglieder des Zentralkomitee der regierenden Partei genauso flach wie der Name des großen Steuermanns… Sollte aber klar sein, oder?
Und selbst? Hast Du einen Chinesischen Namen, willst Du einen oder lehnst Du es strickt ab?
Hinterlass nen Kommentar. Das interessiert mich jetzt doch!
Cheers
Sven (<– das reicht hier vollkommen aus!)
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