Kurzer Prozess?
March 17th, 2009 | Published in Allgemein | 27 Comments
Aktuell ist wohl in der Presse nur ein Thema aktuell. Der Drecksack der seine eigene Tochter missbraucht hat und “mit” ihr Kinder in die Welt setzte.
Mei Ling meinte gerade, es ist 2.34Uhr morgens bei uns, ob ich, wenn wir mal irgendwann heiraten sollten, was wir aktuell nicht vor haben, sie oder unser(e) Kind(er) [ob dieser Ein-Kind Mist auch für Ausländer gilt würde mich nicht interessieren, wir können es uns, wenn wir a) heiraten sollten und b) auch noch Kinder in die Welt setzen leisten die "Strafe" zu bezahlen] mehr lieben würde.
Ich sagte ihr, dass dies keiner Frage bedarf, da ich, wie ich ihr schon vor Beginn unserer Beziehung, sagte, dass ich ein scharz / weiss denken in mir trage. Soll heißen das ich jemanden entweder mag (für mich der Begriff von Liebe) oder nicht mag (wie andere Leute sagen hasse [meiner Definition einen Dreck für ihn geben würde]). Das Leid anderer Leute hat mich persönlich noch nie viel interessiert, obwohl ich natürlich, nach dem Erdbeben 2008, einen Spendenaufruf startete. Warum, geht mich doch das Leid anderer Leute einen Scheissdreck an? Zuerst: Wir leben hier. Mei Ling stammt aus Chongqing und ich bezeichne es als meine Heimat. Ich, der bis ich hier an kam, behauptete mein zu Hause wäre da, wo mein Rucksack einen Platz fände. Zweitens. Wir haben es erlebt. Ich schrieb es glaube ich schon mal, es war mein zweites Erdbeben. Das erste war, als wir bei einem Freund das Ende meiner “Abstinenz” feierten und eine “Cocktailparty” (zur Info, wir mixten einfach Alkohol nach einem Buch für 15€ von Weltbild zusammen, da meine damalige Freundin auf meine Aussage “Ey, die suchen hier Mitarbeiter”, als wir in einer Cocktailbar, ca. 200m von meiner Studibude in Konstanz entfernt, nur meinte “wenn dir das Auftreten eines Kunden nicht passt ziehst Du ihm das Glas durch´s Gesicht”) abhielten plötzlich, um 3 Uhr morgens, erfuhren das sich ein Dachbalken um 40cm bewegen kann (der Gastgeber meinte “ist das Krass, da kotzt man und die Kloschüssel bewegeg sich”). Und drittens, es hat wirklich sehr arme Schweine erwischt. Die Kollegen die die Schulen gebaut haben sind hoffentlich schon Geschichte und die Rechnung für die Kugel verschickt!
Aber zurück zum Thema: Was ist “Nächstenliebe”? Ich bin ja vor Jahren aus der Kirche ausgetreten und interessiere mich ansonsten, wie Eingangs genannt, wenig für meinen “nächsten”. Viel mehr interessierte sich das erwähnte Dreckschwein (für diese Formulierung werde ich mir nicht entschuldigen) “zu sehr” für selbiges. Wollte dieses Subjekt, welches, im Vergleich zum Dreck unter meinen Schuhen unter Garantie weniger Wert ist, den “lieben Gott”, an dem ich unter anderm aus besagtem Grunde nicht glauben kann, spielen oder sind dem Typen einfach nur einige Gehirnwindungen verbrannt? Das mögen die Gerichte entscheiden. Der Spiegel “beschwerte” sich, dass von seiner Tochter und seinen “Enkelkindern”, beim tippern kommt es mir mein Abendessen fast hoch, keine BILDER verfügbar sind!!! und nun wartet wohl die Welt auf den Ausgang.
Was aber hat das lieber Leser, dem ich an dieser Stelle Danke, dass Du (warum wir unsere Leser Duzen wird in einem zukünfigen Post beantwortet), mit China zu tun? Viel!
China wird ja immer wieder für die Missachtung der M E N S C H E N R E C H T E, warum ich das nicht aus geschrieben habe denkst Du dir selst, kritisiert. Übrigens ein Auszug aus der von mir “geliebten” Wikipedia: “Manche Kulturkreise und Religionen kennen keine allgemein gültigen Menschenrechte. Insbesondere im Judentum, Christentum, Islam, der indischen und der chinesischen Kultur gibt es Strömungen, die einen Unterschied zwischen „Gläubigen“ und „Ungläubigen“ oder zwischen den Rechten des Mannes und denen der Frau machen.” So RIESIG sind die Unterschiede also nicht, riesig nicht, aber fein…
In meinem Heimatland würde man mit so einem Scheusal, wenn die Gerichte entscheiden sollten das dieses ES ein solches ist, wohl eines machen. Es dem Gewehrlauf ausliefern. Dafür wurde China schon zu genüge kritisiert. Scheinbar fallen diesem, dem Gewehrlauf, pro Jahr etwas mehr als 1.000 Personen zum Opfer, was ich auch nicht besonders sexy finde. Die Zahlen stammen von AI (googlen, wie gesagt, eine Domain die hier gesperrt ist reicht mir) und sind nur auf den ersten Blick erschütternd.
China hat 1,3Mrd. Einwohner und das sind nur die, die gemeldet sind. Ich kenne genug Leute die ein zweites Kind, ohne “Zulassung” in die die Welt gesetzt haben, also werden es wohl noch ein paar mehr sein ;-) Vergleicht man das mit Singapur (Zwischen 1991 und Dez. 2005 wurden in dem vier Millionen Einwohner zählenden Stadtstaat Singapur 420 Todesurteile vollstreckt.
Bezogen auf die Bevölkerungszahl wird damit sogar China (lt. ai 1060 Hinrichtungen 2002) übertroffen [Quelle: http://www.castelligasse.at/Politik/Todesstrafe/todesstrafe.htm]) Es scheint China ist doch nicht so barbarisch.
Meiner Meinung nach sollte man mit dem Kameraden in Österreich nur eines machen. Kurzen Prozess. Die Frage hierbei ist natürlich die, wo dann die so gelobte Rechtstaatlichkeit bleiben würde. Ich kann also auf die Frage doch keine Antwort geben…
March 17th, 2009 at 17:14 (#)
Ohne auf alle deine Punkte eingehen zu wollen: Das Problem mit der Todesstrafe ist einfach, dass Fehler geschehen, und man in so kritischen Bereichen einfach keine Schritte unternehmen sollte, die man nicht mehr rueckgaengig machen kann. Lieber viele schlimme Leute lange durchfuettern, als auch nur einmal jemanden hinrichten der’s nicht verdient hat, imho..
March 18th, 2009 at 06:54 (#)
Der Ein-Kind-Mist ist 1. ein wichtiger Pfeiler des derzeitigen Wirtschaftswachstums und gilt 2. nicht für Ausländer.
Den Gewehrlauf lernen etwa 10 mal mehr kennen, letztes Jahr waren es soweit ich weiss gut 8000… aber besser Todesstrafe als in ‘nem chinesischen Knast dahinsiechen. China ist aber eines der wenigen Länder, in denen ich die Todesstrafe aus Generalpräventiven und Finanziellen Gründen für Sinnvoll erachte. In den Staaten oder in Europa würde dies bloss die Rechtsstaatlichkeit gefährden (tut es in den Staaten ja auch; neben dem idiotischen Rechtssystem, das die dort haben, sowieso)
Ich glaube, für dich ist eine Strafe eine Rache für die Taten eines Verbrechers – das ist aber im römischen Recht (wie es Europa und auch China kennen) nicht der Fall. Die Strafe dient Primär dazu, die Gesellschaft vor dem Täter zu schützen, den Täter wennmöglich zu Therapieren und eine gewisse Abschreckung zu erzeugen.
Zu den Menschen.rechten (die man auf Deutsch eigentlich ruhig ausschreiben kann; hast du übrigens auch in deinem Wikipedizitat) ist es so, dass sie eigentlich im Gesetz festgeschrieben wären – das Problem in China ist aber struktureller Natur – das Land kennt keine Gewaltenteilung, alles ist in den Händen der KP; wer aber kontrolliert die KP? Das ist auch der Grund für einen grossen Teil der Korruption – und die ist, auch wenn sie oft auf meiner Seite ist, insgesamt für die chinesische Volkswirtschaft schädlich.
Ob die Kirche etwas mit Nächstenliebe zu tun hat, wag’ ich zu bezweifeln; als Katholik sehe ich diese Institution eher als ehemaliges Machtinstrument, welches verzweifelt seine Macht wiederherzustellen versucht. Ausgetreten bin ich trotzdem nicht, da ich 1. nichts bezahle (bin ja Student) und 2. eher traditionell ‘drauf bin. Zumindest betreibt sie Entwicklungshilfe in Afrika, ist doch etwas^^
March 18th, 2009 at 07:34 (#)
Schönen guten Tag die Herren!
Da haben wir ja mal wieder eine richtig nette Diskussion ins Rollen gebracht ;-)
Ja, die Konsequenz diese Entscheidung in keinem Fall rückgängig machen zu können lässt mich ebenfalls eher gegen die Todesstrafe tendieren. Daher finde ich die islamische Regelung mit dem Blutgeld eigentlich nicht schlecht. Die Angehörigen entscheiden wie mit dem Delinquenten verfahren wird (wobei man natürlich auch hier die Frage stellen muss ob der Richtige für die Verbrechen vor Gericht gestellt wurde). Ich denke dies ist eine der Fragen auf die es keine Antwort geben kann, bzw. die man nur mit einer gewissen Unschärfe betrachten kann.
Die Ein-Kind Politik ist für mich eine Folge der Maoistischen Politik “Ein Mund, zwei Hände”, sprich der Annahme, dass eine wachsende Bevölkerung auch mit einem wirtschaftlichen Wachstum einhergeht. Das wurde dann, nach ihm, durch die Ein-Kind Politik zu stoppen versucht. Ich denke hierzu, dass man die Delle, durch die übernatürlich hohe Rate von männlichen Nachkommen (eine Frau galt und gilt wohl immer noch ja als Kostenfaktor, da sie ja nach der Heirat dem Haushalt des Ehemannes zugehörig sein wird), erst jetzt spürt und sich hieraus in den nächsten Jahrzehnten starke soziale Probleme ergeben könnten. Wie gesagt, Mei Ling und ich sind von Heiraten und Kinder kriegen noch Welten entfernt, weshalb ich mich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt habe. Genau wie die Todesstrafe war dies auch nie Thema meiner Vorlesungen in Konstanz (ob es bewusst ausgeklammert wurde vermag ich ebenfalls nicht zu sagen).
Ich halte persönlich nicht viel von Rache und lebe eher nach der Devise “eine Nacht drüber zu schlafen”. Rache ist ein Gericht, welches am besten kalt serviert wird. Von dem her sind meine Rachegelüste, von denen ich sicherlich auch nicht verschont bleibe, am nächsten Tag (oder nach Ablauf eines entsprechend längeren Zeitraums), meistens schon wieder Geschichte. Aus Sicht etwaiger Opfer ist es dennoch sicherlich oft so, dass eine Gewisse Befriedigung durch die Bestrafung, egal welcher Art, eintritt. Zum Glück war ich aber noch nicht in dieser Rolle und ich wünsche es auch niemandem.
Die KP hat wohl das Mandat des Himmels übernommen, sprich fungiert als neuer “Kaiser” von China. Die Korruption, welche man auch in anderen Schwellenländern nur zu Genüge findet, ist aber damit in der Tat nicht erklärbar. Ein Freund von mir, der auch gut schmiert, meinte mal “siehst Du Kong Wen, bei euch in Deutschland erhalten die Beamten ein gutes Gehalt, hier stocken wir selbiges etwas auf”. Ein Geben und nehmen, welches wohl auch durch das Guanxi Prinzip immer neue Nahrung erhält. Ohne Beziehungen ist man hier ein Nichts und Beziehungen wollen gepflegt sein. Doch wo fängt Bestechung an? Wenn ich jemanden zum Essen einlade? Ihm bzw. seiner Tochter zur bestandenen Uniaufnahmeprüfung einen Umschlag zukommen lasse? Oder hat sie andere Ausprägungen? Ich kannte mal einen Professor in Sao Paulo, der für Transparency International arbeitete. Der hätte hier sicherlich seine Freude. Obwohl natürlich ein volkswirtschaftlicher Schaden entsteht, denke ich dennoch, dass die kleinen Geschenke, unter dem Strich, doch wieder der Wirtschaft zuträglich sind. Sie beschleunigen nämlich ab und an Genehmigungen oder ermöglichen sie erst. So hat jede Medaille ihre zwei Seiten. Ich bin aber nur Gast und finde es als mehr oder weniger neutraler Betrachter des Geschehens doch ganz witzig.
Als ehemaliger Protestant sehe ich es wie Du. Es ist in der Tat ein Machtapparat, der einen Großteil seiner ehemaligen Macht eingebüßt hat und sich nun an den verbleibenden Rest klammert. Über Entwicklungshilfe könnte ich, würde es zum Thema unseres Blogs passen, auch noch meinen Senf los werden. Wie ich es Mei Ling immer predige, wenn sie ihrer Mutter mal ein paar Euro schickt oder sich um ihren Bruder, der aus meiner Sicht längst auf eigenen Beinen stehen sollte, unterstützt, empfinde ich es als wesentlich effektiver jemandem beizubringen wie man selbst angelt als ihm jede Woche Fisch zu schicken. China macht das übrigens ganz gut und gibt jungen Leuten Bildung. Da ich einige sehr gute Freunde aus Afrika habe, muss ich allerdings eingestehen, dass dies in keiner Weise aus Nächstenliebe geschieht, sondern es sich um die Kinder von hohen Regierungsbeamten handelt. So hat man schon mal einen Fuß in der Türe…
Genug der Worte, danke für eure Posts, habe noch was zu arbeiten ;-)
Sven
March 18th, 2009 at 09:31 (#)
Haha, ich bin der einzige Europäer in meiner Klasse, der Rest sind Asiaten und Afrikaner hier in China. Die Afrikaner wurden jedoch von Microsoft hergebracht…
Der Rassismus ist hier in China übrigens auch ein geniales Thema, da muss ich auch ‘mal drüber bloggen :P
Kinder haben Angst vor meinen schwarzen Klassenkameraden (sagt einer Hallo, rennt das Kind weinend weg – hab’ ich selbst gesehn xD) während ich hier bei den Kleinen DIE Atraktion bin (“schau’ mal Grossvater, ein Ausländer”)
Die Erwachsenen, auch die Lehrer, zeigen es natürlich nicht so offen – aber ich sehe es schon auch, dass die ganz gerne mal einen Schritt weiter weg stehen als wenn sie mit mir oder Chinesen reden…
Im privaten Kreis sagten mir auch schon manche Leute, als ich über mein Schulleben berichtete: “Du Armer, die Neger sind hässlich, ich reden nicht gern mit ihnen”
Ist schon irgendwie Krass… meine Klassenkameraden blicken zum Glück grösstenteils nicht, woher der Wind weht, aber mich als Europäer stimmt das schon bedenklich. Sogar über die Mischlingskinder von Afrikanern und Chinesen wird gelästert (“Die Kinder dieser Frau sind ja so hässlich, so schwarz”). Ob die wohl jemals glücklich in der Schule sein können? Naja, ihr Martyrium gewöhnt die hiesige Bevölkerung zumindest daran, dass unsere Welt aus 5 Kontinenten besteht.
March 18th, 2009 at 09:37 (#)
Ja, das ist ganz schoen krass, mit Chinesen und Schwarzen ^^
Dafuer sind Chinesen meiner Erfahrung nach eher ‘uninformiert rassistisch’, d.h. sie haben zwar erstmal Angst vor und Abneigung gegen Schwarze (oder Weisse oder Deutsche oder was auch immer), aber sobald sie mal welche persoenlich kennengelernt haben hoert das auf.
Im dem Sinne wird sich die Art von Rassismus zumindest in den Staedten wohl kaum lange halten koennen. Gluecklicherweise.
March 18th, 2009 at 09:58 (#)
Naja, Angst vor Weissen hab’ ich bis jetzt noch keine erlebt… werde des öftern ‘mal von neugierigen Chinesen zum Essen eingeladen^^
Kennst du sicher auch :P
March 18th, 2009 at 10:07 (#)
Ich war erst einmal 1 1/2 Monate in China, und in der Zeit hat mich niemand zum Essen eingeladen ;) Hatten wahrscheinlich Angst vor meiner Freundin ;)
Dafuer war ich eine Weile in ?? in der inneren Mongolei und war da der einzige Weisse (Das war zur Zeit der olympischen Spiele als sich Auslaender ueberall anmelden mussten, deshalb weiss ich das ;) ). Das war auch.. interessant ^^ Wenn man von allen Seiten angestarrt und mit dem Finger auf einen gezeigt wird, und Muetter ihre kleinen Kinder wecken, damit sie mal einen Auslaender sehen ^^
March 18th, 2009 at 11:29 (#)
Hallo!
Mal eine Frage an euch “in China lebende Europäer”. Sehen die Chinesen zu euch auf, weil Sie mit den Europäern einen gewissen kulturellen und finanziellen Status verbinden und sehen die Schwarzen anders, weil sie mit denen das Gegenteil verbinden oder hat das andere Gründe?? Geschichtlich gesehen sind doch Chinesen und Afrikaner noch nicht “aneinandergeraten” oder bin ich da falsch informiert?? Würde mich mal interessieren.
Aber da sieht man mal wieder, das “Ausländerfeindlichkeit” wohl doch keine nationalen Grenzen kennt.
Grüße Steffi
March 18th, 2009 at 11:30 (#)
Die Herren,
ganz kurz, ich melde mich wohl erst morgen wieder, da wir in ein paar Minuten zum Hot-Pot mit Freunden aufbrechen…
Viele Grüße,
Mei Ling + Sven, dem es jedes mal die Fussnägel rollt wenn es heißt “WAIGUOREN”. Daran habe ich mich auch nach 1,5 Jahren in Chongqing und vorher 5 Monaten in Qingdao nicht gewöhnt… Die einzigen die ich bezüglich der Grußformel leiden kann sind der Wirtschafter (der “passt” auf die Damen auf in meinem Gebäude, der immer lächelt und “Hi” ruft und die Mama auf dem Weg in die Stadt die immer “Hello” ruft).
March 18th, 2009 at 14:24 (#)
Ich denke schon, dass manche Chinesen zu Europäern aufsehn; jedoch nicht hauptsächlich des Geldes wegen (hab’ ich auch einmal so gedacht). Was viele Chinesen an Europäern schätzen, ist zum einen das gute benehmen (das viele im Vergleich zu Chinesen vorweisen) und die Empathy. Ich denke, alle Menschen schätzen es, verstanden zu werden… und die Europäer, die herkommen (und gut genug chinesisch können, um mit den Menschen zu reden), sind doch meist relativ gut gebildet und wissen, was der andere Denkt, wenn er es eben nicht ausspricht.
Gerade Frauen erwarten hier noch immer von ihren Freunden, dass sie sich um sie kümmern – bloss die reine Absicht dazu zumindest. Europa ist diesbezüglich anders; hier wollen die Frauen verstanden werden – und die Männer richten sich danach (oder gehen leer aus^^)
Das merken die chinesinnen (zumindest aus Filmen) und denken sich, ach wär das schön, wenn mein Mann auch verständnisvoll wäre.
Hier in China ist es aber noch oft so, dass der Mann entweder sein Ego beweisen will oder einfach ein Weichei ist (d.h. immer für die Frau ‘rum rennt – die Frau wird entsprechend zum Tiger). Chinesen, die ihre Freundin wirklich verstehen wollen, hab’ ich bis jetzt leider noch kaum kennengelernt.
Afrikaner sehen für Chinesen erstmal Kulturell bedingt nicht so gut aus – weisse Haut ist auch heute noch ein Stückweit ein zeichen der Reinheit. Aber was vielwichtiger ist, ist das ihnen anhaftende Hinterwälderimage.. Afrikaner haben weder in Europa noch in China den Ruf, intelligent zu sein.
Besonders deutlich machte das mein Chinesischbuch. In der Geschichte darin werden folgende Charakteren, die nach China chinesisch lernen kommen, vorgestellt:
Japaner: Kulturell interessiert, fleissig, oft überbeschäftigt
Amerikaner: Liebt sport, arbeitet aber auch nicht schlecht
Europäerin: Hübsch, fleissig, spricht bereits sehr gut Chinesisch und lernt Taiqiquan
Afrikanerin: Kann singen und tanzen.
Das zeigt das ganze doch ganz deutlich :P
Und meine unendlich empathische Lehrerin musste dann noch anfügen: “Ja, die Afrikaner tanzen wirklich gern”, was impliziert, dass sie die Aussagen des Buches unterstüzt :P
In Europa ist es übrigens auch so, dass Frauen lieber gebildete Männer haben; eine Studie besagte, dass die Männer mit uniabschluss für Europäerinnen am attraktivsten sind.
@Admin: Waiguoren ist doch nichts schlimmes; wie sollten sie dich dann sonst nennen? Chinesen sind nunmal nationalisten – auf Nationalismus baut die Regierung ihre Existenzberechtigung, also ist der für das Land doch recht wichtig. Die meisten Chinesen waren zudem noch nie im Ausland und kennen daher das Ausland nur durch die CCTV-Brille…
March 18th, 2009 at 14:39 (#)
Interessante Posts. Erstmal ganz allgemein zu Steffis Frage, ich kann dir zumindest sagen was wir in meinem ‘Doing Business in China’ Kurs gelernt haben, was sich sogar mit der Realitaet, in meiner Erfahrung, recht gut deckt ;)
Laut besagtem Kurs haben Chinesen einen “Superiority/Inferiority Complex”. Auf der einen Seite sind sie Chinesen (!), *DIE* 5000 Jahre Weltkultur (!), blablabla, und das allein gibt Ihnen schon einen Status, den ein noch-so-kultivierter Nicht-Chinese niemals erreichen koennte. Auf der anderen Seite sind Chinesen auch nicht doof, und sehen sehr wohl, dass sie, trotz allem Fortschritts, in einem Schwellenland leben, und dass die Erste-Welt Laender doch irgendwie weiter sind. Daher schaffen es Chinesen irgendwie Westler gleichzeitig zu geringschaetzen und zu beneiden. Doppeldenk laesst gruessen ;)
@Aremonus: Ich weiss nicht ob dein Textbuch da wirklich repraesentiv ist ;) Meiner Erfahrung nach hassen Chinesen Japaner aufs Blut, denken alle Amis sind fett und schiessen die ganze Zeit wild um sich, und Europaer.. werden ignoriert: jeder Weisse ist ein Ami. ;)
March 18th, 2009 at 15:13 (#)
Alsol Japaner werden hier meist nicht mehr bis aufs Blut gehasst, offiziell sind die Länder ja sogar befreundet. Klar, in manchen ländlichen Kreisen sind die Leute noch nicht soweit, aber insgesamt ist Japan nicht mehr allzuverhasst – ist ja auch der wichtigste Handelspartner Chinas…
Dass Amis für Fett gehalten werden, stimmt aber… ist bei uns in Europa nicht anders. Aber das gilt vorallem für alte Amis, nicht für Junge. Und Europa ist hier eigentlich fast präsenter als die USA; zum einen werden viele Normen aus Europa übernommen, zum Andern gilt Europa hier ein bisschen als friedlicher, kultivierter, Disney-Land mässiger Erdteil.
Dass viele chinesen einen Inferiority complex (heisst auf Deutsch übrigens Minderwertigkeitskomplexs) haben, kann ich, in der Businesswelt zumindest, ein Stück weit unterschreiben. Das mit der 5000 Jährigen Kultur (was wissenschaftlich nicht einmal korrekt ist, der erste Kaiser lebte vor 2000 Jahren), macht die Chinesen zwar schon stolz, aber nur alte, verkorkste oder schlecht gebildete bilden sich darauf ein, was besseres zu sein.
Man muss natürlich unterscheiden, wo man ist. Shanghaier denken nicht wie Beijinger, die denken nicht wie Sichuanesen. Wie du schreibst, wurde dein Kurs wahrscheinlich von ‘nem Beijinger gegeben – die haben auch in meiner Erfahrung in etwa diese Einstellung.
Wo warst du dann bisher in China?
March 18th, 2009 at 15:44 (#)
Hm, komisch, da gehen unsere Erfahrungen auseinander.
Erstmal, in China war ich bisher in Beijing, Shanghai, Chifeng (Innere Mongolei), und Hong Kong. Die meisten meiner Freunde sind, wenn schon nicht dort geboren, zumindest in Beijing zur Uni gegangen. Wo studierst/arbeitest Du denn?
So wie ich das erlebt habe, sind selbst unsere eher weltoffenen Chinesischen Austauschstudenten Japanern zumindest prinzipiell feindlich gegenueber eingestellt. Sogar meine Freundin, die nun wirklich ein Herz aus Gold hat, hat mal sowas anklingen lassen, bis ich ihr vor Augen gefuehrt habe wie bloed das eigentlich ist. Hatte sie vorher nie drueber nachgedacht.
Das mit Europa basiere ich hauptsaechlich darauf, dass keinem Chinesen je auch nur eingefallen waere, dass Englisch nicht meine Muttersprache sei ;) Das war also doch etwas sehr uebergeneralisiert :)
Und @Minderwertigkeitskomplex, den Kurs hatte ich in den US, deshalb darf ich das so schreiben :P Und er basierte auf einem Buch (Chinese Business Etiquette, oder so), darum weiss ich nicht inwieweit das die tatsaechliche Meinung der Dame widerspiegelt, die ihn gehalten hat (die von sonstwo kam, aber in Beijing studiert hat ;) )
March 18th, 2009 at 17:51 (#)
Ich war bisher nur in Beijing und Chengdu (Sichuan). Studiere derzeit auch hier in Chengdu…
Naja, meine Freundin studiert japanisch… Klar gibt es gewiss antipathien, aber gerade das Offizielle China ist da ganz anders drauf. Der Hass geht ja nicht gegen die Japaner als Menschen, sondern gegen Japan als Nation; doch manche können das natürlich nicht differenzieren^^
Japaner gelten hier aber nicht als “dumm” oder so, höchstens als böse bei gewissen Menschen^^
Dass Chinesen immer hello zu einem sagen, ist zwar funny, ab die kennen ja Frankreich und Deutschland auch gut^^
Ich mein’, in Europa gibt es ja auch so Helden, die jeden Asiaten mit nihao begrüssen müssen -.-
March 18th, 2009 at 17:57 (#)
Klar offiziell oder im Geschaeftsleben ist das immer was anderes, mir ging es aber drum was so die prinzipielle Allgemeinstimmung ist, und die geht, was ich gesehen habe, eben noch immer in diese Richtung.
Kennst Du zB chinasmack.com ? Die uebersetzen die aktuellen ‘heissen Diskussionen’ chinesischer BBSs ins Englische. Mein Chinesisch ist leider noch nicht gut genug um direkt auf Chinesisch mitzulesen, daher ist das eine ganz gute Kruecke, und es ist doch sehr aufschlussreich viele der Reaktionen in diesem pur chinesischem Umfeld zu lesen.. speziell eben wenn es um auslaendische Themen geht.
March 19th, 2009 at 07:36 (#)
Moin die Damen und Herren,
ich bin von meinem Auswärtstermin zurück. Ich schrieb es ja bereits, ich bin meines Soziallebens überdrüssig, aber das ist was für meinen Sonntagssenf…
@ Aremonus: Du hast ein Blog? Her mit der Adresse ;-)
Ich spreche auch keinen Ausländer in Deutschland mit Ausländer an und dieses “ah, schau mal, da ist ein Ausländer” ist bei der unsrigen Spezies wohl allgemein nicht beliebt.
@Steffi: Schwarzen wird wohl in der Tat eine gewisse mindere Intelligenz zugeordnet. Außerdem haben sie den Ruf die stärksten Körperausdünstungen zu haben. Danach kommen die anderen “Westler”. Deutsche werden oft für ihre Zuverlässigkeit gelobt, dann empfindet man es als interessant das wir zwei Weltkriege führten und auch die historisch belasteten Beziehungen zu Frankreich werden uns hoch angerechnet.
Japaner (oder besser gesagt Japan als Land) sind in China wirklich nicht sehr beliebt, was unter anderem mit den Chinesisch-Japanischen Kriegen zu tun hat und mit der Tatsache wie diese in den japanischen Geschichtsbüchern geschildert werden. Mei Ling spricht auch japanisch, hat aber für das Land als solches nicht viel übrig, obwohl sie auch japanische Freunde hat. Wie gesagt, die Antipathie bezieht sich eher auf das Land als auf das Individuum. Als das Gerücht, dass Carrefour keine Hilfsprodukte in die Erdbebenregion in der Nachbarschaft schicken will, die Runde machte, wurden landesweit die Supermärkte boykottiert und blockiert, wenn die Japaner mal wieder ein neues Geschichtsbuch, nach japanischer Sichtweise, in den Schulen einführen trifft der Boykott japanische Produkte. So läuft der Hase hier halt.
Genug der Worte, ich habe noch einen Kunden der sehnsüchtig auf seine Website wartet,
Mei Ling und Sven
March 19th, 2009 at 07:54 (#)
haha, ich schreibe nicht so fleissig wie du; aber kannst gerne mal auf redraindrop.blogspot.com nachlesen.
March 19th, 2009 at 09:40 (#)
Hehe, das Sentiment zu Frankreich ist ueberall (zumindest im nicht-francophonen Sprachraum) dasselbe. Interessant ;)
@waiguoren: Ich hab ja nun, wie gesagt, noch nicht lange genug in China gelebt um von sowas genervt zu werden (obwohl ich dem einen fetten Idiot der mich und meine Freundin angeglotzt hat um dann zu glucksen ‘Hoho.. waiguo de nanpengyou’ gegenueber nicht wirklich zarte Gefuehle hege), aber ist das wirklich so schlimm? Wenn wir jemanden nicht kennen, dann verweisen wir ja auch mit ihm durch irgendein auffallendes Merkmal; Der Blonde, der Grosse, der Schwarze, der Asiate, und moeglicherweise sogar ‘der Auslaender’. Und als Weisser in China ist ‘Auslaender’ halt doch recht eindeutig. Besonders in eurer Kaffgegend! :P ;-)
@Aremonus: Abonniert, jetzt hast Du zwei neue Leser, jetzt musst Du dich zwingen mehr zu schreiben! ;)
March 19th, 2009 at 12:08 (#)
Ich habe das Blog von Aremonus ebenfalls notiert. Da mein Feedreader hier zu 99% nichts ausspuckt und ich den von Google nicht besonders mag, hab ich mir ein Bookmark hinterlegt. Wie Maxi es schon andeuete, jetzt heißt es mehr zu schreiben!
Mir persönlich ist es egal woher jemand kommt oder welche Hautfarbe hat. Ich war früher, als ich noch in Deutschland lebte, fast jedes Jahr mal in Paris, da mir die Stadt gefällt und es nicht zu weit von meinem Heimatdorf weg liegt. Aber wehe man hat festgestellt das ich vom Erbfeind komme… Dann wurde der Ton, ich spreche kein Französisch, schon gleich unfreundlicher. Das merkt man an so mancher Geste.
Wie gesagt, ich lebe hier seit 2 Jahren und wir leben in unserer Bude nunmehr 13 Monate. Da dürften sich die Nachbarn an den weißen Riesen gewöhnt haben. Wenn mich jemand nett grüßt, grüße ich natürlich zurück, aber wenn mir jd. Weiguoren hinterher ruft, wird er ignoriert. Daran kann ich mich nicht gewöhnen ;-)
March 20th, 2009 at 02:57 (#)
Haha, mir riefen bis jetzt bloss Kinder das W-Wort oder “hello” nach^^
Was mich nervt ist, wenn mir gewisse Händler offen ins Gesicht sagen, dass sie mit Ausländern nicht über den Preis verhandelten. Gestern ist mir auch so ‘ne Leuchte untergekommen; hab mir zwei DVD-sammlungen gekauft (war schon mühsam genug dem klar zu machen, dass mich seine Pornos nicht interessieren -.-). Der wollte tatsächlich unbedingt 30 kuai von mit, während ich im DVD-Laden meines Vertrauens, der jedoch 1 km weit weg war, höchstens die Hälfte bezahle.. naja, hab’s ihm dann abgekauft, da der wirklich kaum Geld hatte (Sein DVD-LAden ist ein Velo oO) und ich unbedingt nach Hause wollte. Werde die 3€ als Sozialspende von den Steuern absetzen…
March 20th, 2009 at 07:58 (#)
Moin,
ja, bei Kindern muss ich auch immer grinsen, aber wenn die Großteltern neben dran stehen, mit dem Finger auf einen zeigen und dann dem Furz erklären das dies ein Ausländer sei und man den auch so nennen muss verschwindet mein Grinsen schnell wieder.
Ja ja. TIC. Wir waren mal auf dem Weg von Downtown Chongqing zurück, als Meiling von nem Taxifahrer “aufgeklärt” wurde, dass ja nicht sie den überhöhten Fahrpreis zahlen würde, sondern ich, der Ausländer, weil der es ja hat. Der dachte sie würde für mich übersetzen.
Wäre ich nicht ein paar Meter weiter gestanden und hätte es mit bekommen, hätte der Typ ne gute Portion Prügel abbekommen. Ab und an platzt mir nämlich in diesem schönen Land die Hutschnur! Beim Gemüsehändler um die Ecke fiel mal der witzige Satz “den können wir nicht bescheissen, erstens kennt er die Preise und zweitens kommt er ja jeden Tag”…
Wenn Du willst schick ich dir mal die Links von Meilings DVD Seiten per E-Mail. Astreine Qualität, lädt ruckelfrei und kostet nichts.
March 20th, 2009 at 09:06 (#)
Jap, immer her damit, meine Mailaddi solltest du ja über die Eingabemaske erhalten haben (oder kannst du die als Admin auch nicht sehn?). Poste sie ungern im Blog, da ich nicht zugespamt werden will…
March 20th, 2009 at 10:01 (#)
Moin,
Mail geht heute oder morgen raus! Ich sehe alles ;-)
Das Du sie nicht hier posten möchtest verstehe ich. Ich muss teilweise meine E-Mails angeben, da dies halt dem deutschen Recht entspricht und erhalte dementsprechend auch viel MIst. Obwohl die Spam-Erkennung meines Providers doch merklich besser wurde!
Wenn ich es vergesse einfach nen Reminder schicken!
Ein schönes Wochenende,
Meiling und Sven
March 20th, 2009 at 11:31 (#)
Bekomm ich die Liste bitte auch? Ich verspreche auch dir nicht WAIGUOREN!! hinterherzurufen wenn ich dich mal sehe :)
March 20th, 2009 at 11:49 (#)
Moinsen,
klaro! Könnte auch nen Blogeintrag draus machen, aber das gibt zu 99% eine aufs Dach, da man da wirklich die meisten Filme schon ansehen kann wenn sie in Amerika gerade mal ins Kino kommen ;-)
Von dem her berücksichtige ich euch beide natürlich gerne!
Cheers,
Sven, aka WaiguoSVEN (oder besser gesagte SEVEN, da man hier auch kein SV aussprechen kann ;-))
March 20th, 2009 at 11:55 (#)
Hm.. Ich glaub das ist den Aerger nicht wert, ich wuerds bei eMail belassen ;)
Seven of Korn.. hehe.. :)
-Maxi
March 20th, 2009 at 13:20 (#)
Jepp, das scheint mir sicherer. Bei den 10,50€ die unser Blog im Monat “erwirtschaftet” sind keine Rücklagen für Abmahnungen drin ;-)
Ansonsten würde ich einfach nen Spendenaufruf starten, haha
Cheers,
Sven