Hangzhou…

November 16th, 2011  |  Veröffentlicht in Hangzhou  |  4 Kommentare

So, da ich nun schon seit 1,5 Wochen hier lebe, kann ich es mir ja anmassen meinen Senf zu der kleinen Stadt südlich von Shanghai abzugeben (die ist in etwa 30x so groß wie das Kaff in dem ich vorher lebte: Karlsruhe).

Hangzhou ist wohl einer der Top 10 Sightseeingspots in China und ich habe keine Ahnung warum. Gut, es gibt einen schönen See der relativ in der Mitte der Stadt ist und auch die Lebenshaltungskosten sind, im Gegensatz zum Nachbarn Shanghai, ganz moderat und man hat auch eine gute Verkehrsanbindung, aber sonst ist es keine Stadt von der ich sagen würde das man unbedingt hier gewesen sein muss bevor man den Löffel abgibt ;-)

Was kann man aber, pauschal wie ich bin (ich freue mich schon auf die “Ey, ich habe 6 Monate dort gelebt, das und das ist so und so!!!” Kommentare), über Hangzhou und die Hangzhounesen sagen?
Es ist eine reiche Stadt. Gegenüber der Bar in der ich schon 2x war ist zum Beispiel ein Aston Martin Händler. Gut, ich komme vom Land und wenn ich in der Stadt bin dann meistens nur um zum Flughafen zu kommen, aber ich könnte noch nicht mal sagen ob es in DE einen eigenen Laden gibt in dem ich nur Aston Martins kaufen kann. Nebenan sind Marken wie Rolls Royce oder Bentley (?) und auch Porsche ist dort angesiedelt. Maserati und Ferrari gehören in China eigentlich in jede Stadt und werden auch durchaus gefahren.

Der Reichtum äußert sich aber, auch hier nur meine subjektive Meinung, so wie in Südchina. In Städten wie Guangzhou oder Shenzhen wurde Ackerland plötzlich so wertvoll, dass man fast schon Gold anbaute. Warum? Weil man dort urplötzlich Firmen ansiedelte. Shenzhen hatte zum Beispiel vor 30 Jahren eine 4 bis max. 5 stellige Einwohnerzahl (und nein, ich habe die Zahlen nicht nochmals nachgesehen – Kommentar hinterlassen). Da dort jetzt eine 8-stellige Population lebt, kann man sich vorstellen wie die Leute durch den Boom profitierten. Wahrscheinlich noch nicht mal die originäre, die sicherlich bei der ersten Wachstumsrate um 1.000% alles verkauften was nicht angenagelt war, sondern die Glücksritter und Funktionäre die mehr Einblicke hatten.
Sven, komm zum Punkt! Al right:
Meilings Meinung ist Dummheit proportional zu Reichtum. Absolut ohne Wertung und auch nur meine unfachgemäße und subjektiv gefärbte Übersetzung. Es ist aber in der Tat so, dass viele Potentiale aufgrund von Bequemlichkeit nicht gehoben werden. Das ist in etwa wie bei uns. Die Generation unserer Eltern und Großeltern hat einen gewissen Wohlstand aufgebaut, der mit Schweiß UND Innovation verbunden war und unsere Generation lehnt sich bequem zurück und studiert irgend einen brotlosen Mist (bzw. macht nichts ausser studieren). Wir wohnen fast schon auf dem Land, aber in einem Mehrfamilienhaus. Fährt man weiter ins Stadzentrum gehen die Mieten exorbitant nach Oben. Meiling arbeitet für eine Firma die primär Luxuskondominos baut. Für eine der Villen in deren Zentrum reicht das Lebensgehalt eines normalen Anstellten gerade mal um den ersten Stock zu bezahlen. Gekauft wird das Zeug aber dennoch, da die Leute hier wie gesagt fast schon vor Geld stinken!

Was hat das aber für positive Wirkungen?

  1. Es zieht Humankapital nach sich…
    Nichts gegen meine alte Heimat Chongqing, aber viele meiner Freunde dort haben ihr Geld in den Wirren der Reformen verdient oder es von denen genommen die damals absahnen konnten. In der Folge wird nur noch gespielt und gefeiert. Noch schlimmer ist das glaub ich nur noch in Chengdu ;-)
    Das es in Hangzhou den Beruf des Berufsspielers gibt wage ich zu bezweifeln, auch wenn Meilings Oberboss neulich scheinbar eine Summe verzockte die mich, nachdem ich 3x nachfragte ob ich richtig gehört und gerechnet habe, mehr als schlucken ließ…
  2. Die Leute sehen das es funktioniert…
    Wer nicht aus Hangzhou oder Umgebung sondern aus einer ärmeren Provinz kommt schaut sich hier viel ab. Wie laufen die Fabriken? Wie geht dies und das? Und wie kann ich es selbst besser machen?
    Die Goldgräberstimmung hier gefällt mir. Auch die Tatsache das man sich bewusst ist das es a) eine saure Zeit wird wenn man startet und b) auch relativ realistisch bleibt. Das ist das Potential von Hangzhou…

Wie sieht es mit dem Essen aus?
Katastrophe. Sieht man mal von der Nanjing-Gans oder anderen einzelnen Gerichten ab die mir hier und da nicht schmeckten, kann man, wie schon in meinem Wochensenf geschrieben, ohne schlechtes Gewissen sagen das das Essen geschmacklos ist. Es schmeckt nach NICHTS. Wenn man es dann scharf bestellt, schmeckt es halt scharf. Aus nichts kann nämlich nichts werden. Da es aber natürlich auch Gerichte aus anderen Provinzen gibt, ist die lokale Cousine noch zu verkraften. Achja, Tofuliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Ich kann mich noch gut dran erinnern mich fast übergeben zu haben als ich hier mal stinkendes Tofu genießen durfte. Pfui Deufel.

Und sonst?
Keine Ahnung. Ich lebe ja erst seit 1,5 Wochen hier…

Wie lange? Frag was besseres. Für derartige Prognosen bin ich nicht geeignet. Das können Tage, Wochen, Monate oder Jahr(zehnt)e werden. I don’t know. Wenn es im Winter tatsächlich so kalt wird wie man mir sagte ist es gut möglich das ich mich 2-3 Monate nach Thailand oder Vietnam verziehe. Schnee ist nämlich nicht schee (der ist so scheiße das sogar meine Rechtschreibkorrektur es 2x auto-korrigierte ;-))…

Genug gelobt
cheers
Svena

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Kommentare

  1. Renkens says:

    November 16th, 2011 at 22:53 (#)

    Moin Mei Ling und Sven!

    Wie Du magst kein Schnee? Na dann fahre doch einmal in ca zwei Monaten nach Harbin zum Eisfiguren Festival.
    Leider habe ich es auch noch nicht geschafft dort vorbei zu schauen aber das wird in den nächsten 4 Jahren erledigt.
    Auf jeden Fall wird Dir danach jeder Winter in D als Hochsommer vorkommen.
    Ich war ja vor fast zwei Jahren in der Mandschurei und konnte hier nach meiner Rückkehr im Winter dann fast mit t-shirt rumlaufen aber leider auch nur fast.
    Auf jeden Fall liegt bei meiner Frau schon Schnee und über Nacht kommt es dort dann schon vor das es Minustemperaturen im zweistelligen Bereich gibt.
    Tja wie es bei meiner Frau und mir weiter geht erfahre ich so ca. in 3 Wochen.
    Tja was das Essen angeht, mir schmeckt es am besten bei der Familie meiner Frau, die am Sonntag wieder Hot Pot gegessen haben und das ohne mich.

    Gruß Renkens

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  2. henning says:

    November 17th, 2011 at 21:51 (#)

    Ach Hangzhou, finde ich eigentlich ganz nett. Habe die in den Parks eigentlich noch immer die komischen Lautsprecher stehen, die ständig mit Musik nerven?

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  3. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    November 18th, 2011 at 14:35 (#)

    Moin Henning,

    willkommen an Bord ;-)
    I don’t know. Mein Sozialleben beschränkt sich derzeit bewusst auf Spritztouren mit meinem Roller oder Essen gehen mit Freunden und Kollegen von Meiling. In nem Park war ich hier glaub ich noch nicht. Außer im Sommer am Xihu, aber das ist schon wieder zu lange her ;-)

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  4. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    November 18th, 2011 at 14:38 (#)

    Moin Renkens,

    das tu ich mir irgendwann mal an… Muss wohl im Dezember nach Beijing, wovor es mir jetzt schon graut. Da hab ich mir mal fast ne Lungenentzündung geholt, da die Säcke von der indischen Botschaft einen 4h im freien warten lassen. Nein Danke.

    Wie gesagt… Es regnet gerade in Strömen, womit ich gut klar komme. Aber Schnee muss nicht sein.

    Halt uns mal auf dme Laufenden!

    Zu Hause schmeckt es in der Tat meistens am Besten. Hatten gestern auch Huoguo mit zwei netten
    Kolleginnen von Meiling. Dazu noch Wein (mit Sprite, da die Brühe, die nicht unbedingt billig war, nicht
    anders runterspülen ging) und jut war es….

    Viele Grüße
    Sven

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