Beruflich in China – muss ich wirklich die Bundesligaergebnisse auswendig kennen?

January 23rd, 2010  |  Published in Praktikum in China  |  5 Comments

So, da gerade mal wieder mein Browser abgekackt ist (ich habe in der Regel zwischen 300 und 500 Fenster offen [habe alles gerne "zur Hand" ;-)]) und das letzte was ich las eine Überschrift im Spiegel über einen Tobias Rau war, der vom FC Bayern in die Uni wechselte um Lehrer zu werden, mal wieder ein Posting zum Thema “Geschäfte machen in China”.

Was Tobias Rau, den ich natürlich nicht kenne, da mich Fußball einen Scheissdreck interessiert, mit China zu tun hat? Nun, wenn man der einschlägigen Literatur und den vielen Mythen zum Thema Geschäfte mit China glauben darf, viel.


Ich gebe es zu, ich habe keines (gut, beruflich in China hab ich glaub ich gelesen nachdem ich 1,5 Jahre hier war und mir das Material ausging) der vielen Bücher, die ich dir trotzdem empfehle, zum Thema “geschäftlich in China” gelesen (wenn mein Browser wieder funtktioniert mach ich unten in den Post ein paar rein [kaufen (nicht nur weil ich dann von Amazon ein paar Cent bekomme, sondern weil es zu viel gibt was zwar hier zu lesen ist aber trotzdem noch nicht bis zu Dir vorgedrungen ist) und LESEN!])…

Als ich noch in Konstanz studierte, hörte ich des öfteren das sich Chinesen absolut für deutschen Fußball interessieren und man unbedingt diesbezüglich auf dem Laufenden sein müsste. Absoluter Quatsch. Ich lebe seit nunmehr 3 Jahren in diesem schönen Land, habe einen Freundeskreis der bis auf ein paar Ausländer aus Chinesen besteht und hatte, mit Meiling zusammen, fast 2 Jahre eine Bar. Ich möchte mich hier unter Garantie nicht als China Experten verkaufen (das lasse ich den Schreiberlingen und den Leuten die ein Praktikum in China hinter sich gebracht haben und nun “wissen wie der Hase läuft”), aber das ist Mist.

Das einzige was ich ab und an, meistens im Taxi, wo man halt etwas Small-Talk hält, höre ist “ah, aus Deutschland, ich mag den FC Bayern München”… Rummenigge, Beckenbauer und natürlich Klinsmann kennen sie auch alle, aber dann hört es schon ganz schnell auf. Gut, CCTV5 überträgt glaub ich die Bundesliga, wobei ich mir nicht sicher bin, da ich a) keine Sportsender schaue und b) nicht sicher bin ob unsere Glotze noch funktioniert. Das letzte mal das die lief war vor ca. 4 Monaten.

Warum ich also die These aufstelle das Fußball NICHT der geschäftliche Eisbrecher ist? Ganz einfach, weil Du in der Regel nicht in der Lage sein wirst mehr als ein “Hallo” auf Chinesisch zu artikulieren und dein Dolmetscher, wenn überhaupt, wohl auch nur den FC Bayern kennen wird (wäre mal witzig rauszufinden ob jemand so coole Clubs wie St. Pauli kennt ;-)).

Aber Sven wirst Du dir nun denken, was mache ich denn nun wenn ich doch beruflich in China zu tun habe? Ganz einfach, erst mal die unten aufgeführten Bücher durchlesen. Etwas Wahrheit wird schon drin stehen. Stell dich auf den Gedanken ein dir deine Leber zu ruinieren (ich berichtete ja von dem Held der Revolution, der sich im Einsatz zu Tode gesoffen hat [ich bringe es derzeit auf ca. 3-4 Bier, im Monat]), total Nikotinabhängig nach Deutschland zurück zu kehren und die Scheidung einzureichen, weil Du dem attraktiven Angebot (1,60m groß und ca. 43kg schwer) deines Geschäftspartners natürlich nicht widerstehen konntest um das Geschäft an Land zu ziehen. Du wirst, im Schnitt, auch 5kg pro Woche zulegen, weil Du natürlich alles leer gegessen hast was auf dem Teller war und den Deal doch nicht gemacht haben, weil das unhöflich war…

Deinen Job hast Du danach natürlich auch los, wirst dich der lokalen NPD anschließen weil Du ab sofort China und alle Ausländer für BÖSE hälst und dich irgendwann unter einer Brücke wiederfinden. Und das alles weil Du dir die 3,50€ für einen gebrauchten China-Knigge hast sparen wollen…

Und die Moral von der Geschicht? Gibt es auch in diesem Fall nicht. Es ist 6.28Uhr, mir hat man, wie auch gestern morgen, um 5.00Uhr das Internet gekappt (muss mich danach wieder einwählen) und mein Browser lädt gerade wieder die gesammelten Werke. Es kann also weiter gehen ;-)

Und hier noch ein paar Schmöcker von Amazon (ja, das sind die bei denen ich eine Wunschliste habe, die immer länger wird weil mir keiner was schenken will ;-)). Bei der Länge des Postings würde ich sagen das sie genau rechts von dem Absatz steht, haha. Mein Favorit ist immer noch der Dual-Scanner für 200+€, aber es kommt nicht auf den Wert des Geschenks an sondern auf die Geste:

Genug der Worte,
cheers,
Sven (Meiling pennt natürlich noch – es ist glaube ich auch Samstag, von dem her passt das)

Kommentare

  1. Maxi says:

    January 23rd, 2010 at 07:06 (#)

    Ich haette ja gerne mal einen China Knigge fuers private Umfeld, nicht immer nur der geschaeftliche Quatsch (der eh oft genug sehr komisch ist, wie sich hier immer wieder rausstellt). Mit der Familie meiner Freundin gibts genug Fettnaepfchen zu umschiffen, selbst mit dem Weisse-Haut-Bonus ^^
    Geht/Ging dir das eigentlich auch so, Sven, oder war das noch nie ein Problem? Ich meine jetzt auch kein grosses Problem (ich bleibe dabei, dass pures Nett-und-Hilfsbereitsein kulturuebergreifend und das wichtigste ist), aber doch so Kleinkram wo man sich denkt “oh.. das haette deutlich besser laufen koennen, wenn mir das mal einer vorher gesagt haette…”
    Liebe Gruesse,
    Maxi

  2. Aremonus says:

    January 23rd, 2010 at 10:09 (#)

    “Ganz einfach, erst mal die unten aufgeführten Bücher durchlesen. Etwas Wahrheit wird schon drin stehen” lol^^

    Meistens sind die Geschäftspartner aus China ohnehin auf der anderen Seite des Tisches, also arbeiten als Lieferanten. Die wollen also das Geld. Und werden grosszügig über jeden Fettnapf hinweg sehen, in den man selbst tritt. Und sonst macht man einfach ein paar Sprüche :P Die Chinesen sind ja auch nicht blöd und wollen vor allem das Geschäft, auch wenn der Europäer gegenüber von ihren Gebräuchen sowenig gecheckt hat wie sie von den Europäischen.

    Warum musst du dich ins Internet einwählen? Ich für meinen Teil war über UMTS und übers WLAN der Nachbarn unterwegs :P Und warum bist du bereits um 6:30 im Büro, dazu noch an einem Samstag und im Winter, wenns um die Zeit doch kalt ist? Ich hab’ nächste Woche Uniexamen und bleibe bis 07:30 liegen :P

    lg

  3. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    January 23rd, 2010 at 12:24 (#)

    Moin Maxi,

    willkommen zurück ;-) Schau mal den hier an, das sollte das sein was Du suchst. Jetzt biste natürlich in Zugzwang, haha. Fettnäpfchen gibt es im privaten Bereich fast noch mehr als im geschäftlichen, aber wir können froh sein es nicht mit Japan zu tun zu haben. Was ich darüber las hat mir schon gereicht. Gut, werde es mir auf jeden Fall mal ansehen, aber länger würde ich es dort glaube ich nicht aushalten.

    Keine Ahnung. Als ich Meilings Familie kennen lernte war ich schon fast 2 Jahre in der VR. Von dem her war ich schon relativ sattelfest, vor allem weil ich einen Freundeskreis habe der im Durchschnitt älter ist als ich und mir auch das ein oder andere gesteckt hatte. Verglichen mit jüngeren Chinesen habe ich wohl eindeutig das bessere Benehmen, haha. Ihre Familie ist vom Land. Da legt man nicht zu großen Wert auf Etikette. Wenn ich ihre Cousins 1x im Jahr abfülle reicht das eigentlich schon. Gut, letztes Jahr zum Frühlingsfest hat so ein taxifahrender Drecksack Meilings Tasche gekrallt und wollte sie dann gegen einen “Obulus” zurück geben. Da ich sowas absolut nicht abkann meinte ich zu ihrem Vater das ich das in Deutschland mit nem Knüppel lösen würde ;-) Das war die falsche Antwort. Aber sonst passt dat eigentlich!

    @Aremonus: Wohl dem der in der Einkäuferposition ist! Ich habe selbst früher im Sales gearbeitet und muss sagen das man da ganz schönem Abschaum auf der Gegenseite begegnet. Ist in China genauso. Aber wehe dem der hier verkaufen muss (in Deutschland leben wir derzeit noch vom Maschinen- und Anlagenbau [frag mal deinen Dad ;-)]). Da kann es ganz schnell mal passieren das es als Unverschämtheit angesehen wird wenn man “nur” einen normalen Mitarbeiter schickt. Diese Respektlosigkeit lässt man sich dann natürlich mit einem Bonus bezahlen. Was in China, egal in welcher Position Du bist, auch recht häufig zutrifft ist der Ausspruch das der Vertragsabschluss erst der Beginn der Verhandlungen ist. Das merkste schon wenn Du essen gehst und hinterher um den tatsächlichen Preis gefeilscht wird…
    Ich für meinen Teil bin ganz froh das ich hier nur zu Hause bin und meine Geschäfte nicht hier mache.

    Warum ich um 6.30Uhr schon wach war? Weil ich die Nacht auf Freitag zu tun hatte (um 19.00Uhr nen Auftrag mit Prio erhalten, der mich bis um 8.30Uhr morgens beschäftigte [gut, bin erst um 23.30Uhr vom Abend essen zurück gekehrt]) und mich deshalb gestern Abend um 10Uhr ins Bett gelegt um um 3.00Uhr wieder aufzuwachen… Die Frage ob ich noch oder schon wieder wach bin kam übrigens auch von nem Kunden aus China, dessen Sachen ich nebenbei noch erledigt hatte.
    Leben ja in einem “Wohnheim” für Lehrer (von der Uni subventionerte coole Wohnungen) und da gibt es nur Uni-Internet. Das loggt jeden um 5Uhr morgens aus. Daran kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Der einzige der hier W-Lan hat bin ich. So können nämlich alle für meine 3€ / Monat Flatrate surfen, da mein Router eine IP Adresse angeben kann… UMTS ist mir persönlich noch zu teuer und unzuverlässig.

    LG zusammen,
    Sven

  4. Aremonus says:

    January 23rd, 2010 at 18:27 (#)

    Naja, jetzt möchten wir auch in China verkaufen, aber das hat erst im Dezember begonnen. Es bleibt als spannend um zu sehen, ob wir China echt erobern können.

  5. Sven + Meiling (die Blogger hinter korn.cn) says:

    January 24th, 2010 at 13:06 (#)

    Moinsen,

    dann drücken wir mal die Daumen. Das Risiko nicht hier tätig zu sein überwiegt wohl noch das Risiko eines Chinaengagements…

    Cheers,
    Sven

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