Ein Bankett in China…

December 17th, 2008  |  Published in Chinesisch essen in China  |  4 Comments

Keine Ahnung was Du dir unter einem Bankett vorstellst, aber ich habe dabei immer einen feierlichen Rahmen und Leute mit Perücken vor Augen. Ganz old School französisch eben ;-)



In China ist ein Bankett, wie die Idioten Kollegen von der Wikipedia zu schreiben pflegen, ein Festessen. Wie man bei uns in Deutschland sagt ein Festschmauss (wohl doch nicht, wenn ich mir die Google Treffer dazu ansehe ;-)).

Egal, zurück zum Ausgangsthema. Wie läuft so etwas in China ab?

Da ich schon zu viele der gleichen mitgemacht habe und gerade von der Firmeneröffnung eines Freundes zurück kehrte, mal ein paar kurze Hinweise zu den Abläufen, sprich Verhaltensregeln, bei einem Bankett in China…

Zuerst einmal solltest Du püntklich sein. Ich bin zwar selbst die unpünktlichkeit in Person, habe mir das aber in China, mehr oder weniger, abgewöhnt.

Wenn Du eintriffst ist meistens ein roter Umschlag zu übergeben. Ein Geldgeschenk. Ein Bankett hat normal einen Anlass. Ist es ein Kundenbesuch, sprich die Einladung eines Geschäftspartners, dann lass den Umschlag lieber stecken ;-)

Danach wird man dich, hoffentlich, an einen Tisch setzen und dich vorstellen. Wohl dem der chinesisch gelernt hat.

Anschließend wird, für gewöhnlich, der Maotai, der berühmteste chinesische Schnaps, aufgekorkt. Dem kannst Du dich fast nicht entziehen. Normal stehen schon ein paar Vorspeißen auf dem Tisch, so wie heute z.B. eine gegrillte Ente, die wirklich sehr nett hingerichtet (welch Wortspiel) war. Sie lag, alle viere von sich gestreckt und in Stücke zerteilt, auf dem Teller. Dazu gibt es, je nach Region, noch die Frucht oder Wurzel der Lotusblüte (das erzählt dir jeder anders, es ist aber sehr lecker), ein Süppchen, ein paar Entendärme (Du hast doch nicht gedacht das man die Innereien der Ente, die vor dir liegt, wegwirft?!) und sonstiges, von dem ich meistens nicht weiß was es ist.

Ich hatte heute das besondere Glück bei meinem ersten Bissen einer nicht definierbaren Köstlichkeit (ich zieh ja gerne über die “ich liebe chinesisches Essen Fraktion her, am liebsten mag ich die acht Köstlichkeiten ;-)”), ein Stück Chilli in der Fresse. Meine Fresse!

Kein Problem, gelöscht wird nämlich mit chinesischem Dreck, sprich dem Eingangs erwähnten Baijiu.

Ich, als Barlude, schaffe mittlerweile 1 Pfund (so wird das Zeug wohl bemessen, entspricht also einem halben Liter) der Plörre (Quelle: www.ruhrgebietssprache.de/lexikon/ploerre.html “alkoholisches Getränk, bei dessen Anblick man Angst bekommt, nach dem Genuß am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen aufzuwachen”) bin danach aber fertig wie ein Schnitzel Wiener Art (da es gerade um das Thema Essen in China geht die Anmerkung das ein Wiener Schnitzel wohl ein Kalbsschnitzel ist, was ich normal, dieses kleine Lebewesen vor Augen, nicht runter bekomme ;-)).

Natürlich trinkt man erst mal auf den Anlass, zu dem man sich versammelte und dann noch mit den ganzen, bleiben wir mal beim Pottdeutsch, Kollegen. Ich hatte, mal wieder, das Glück einen der Jungs am Tisch zu kennen, der hier bei den Cops seinen Dienst tut. Normal habe ich Schnittlauch ganz gerne zum Salat, aber er würde mir, wenn er mir bei Tische Gesellschaft leistet, übel bekommen. Hier ist das anders, der Bulle ist ein guter Freund von mir. Neben mich gesellte sich ein anderer Kollege, den ich mal beim Abendessen mit dem Cop kennenlernte und der, wie man in einem Arbeitszeugnis schreiben würde “auf Betriebsfesten immer sehr gesellig ist”. Soll heißen er kann gut einen weg trinken.

Um nicht gleich vom Stuhl zu fallen sollte man sich also erst mal über das fettige Zeug hermachen. Eigentlich nicht so mein Fall, aber bei einem Bankett überlebensnotwendig. Ich bin kein Mediziner und habe Blutwerte unter aller Sau, aber es hilft wohl einen geselligen Nachmittag oder Abend zu überstehen.

Nebenbei, was eigentlich die Hauptsache ist, stößt man mit jedem am Tisch an. Einzeln natürlich. Ab und an kommt es das jemand “Gan” sagt, was trocknen bedeutet und man sein Glas Plörre runterzischen darf und ab und an kommt es auch vor das jemand “Ban” sagt, was bedeutet das man mindestens die Hälfte dieses leckeren Trunks aus Reis (?) wegzischen sollte. Ansonsten hat man nämlich kein Gesicht mehr, sprich kann seine Sachen packen und nach Hause gehen oder in eine andere Stadt umziehen…

Mit dem Starter ist es natürlich nicht getan und so werden Berge von Essen (noch mal an die Liebhaber chinesischer Küche gerichtet, hier hat man ca. Nr. 20-60 auf dem Tisch stehen ;-)) aufgefahren. Man kostet dies, futtert das (auch bei den Hauptspeisen würde es bei 70% dem deutschen als solchen den Magen umdrehen) und tut was? Genau, man trinkt…


Das ganze dauert auch nur max. 2h, danach bist Du nämlich so besoffen das Du Kanzlerin Merkel als deine jüngere Schwester ausgibst.

Und dir Moral von der Geschicht? Gibt es nicht. Sei froh wenn Du ein solches Erlebnis haben darfst (angelehnt an meinen Chinesischprofessor, der mal mit uns beim Public Viewing anlässlich der WM2006 war und sich danach bei mir bedankte).

Cheers,
Sven

Kommentare

  1. Lutz in China says:

    December 19th, 2008 at 04:29 (#)

    Haha, coole Geschichte. Da kann ich aber noch einen drauf geben. Ich war 2004 mal zu einer Hochzeit eingeladen. Die Feier begann 18 Uhr und war 21 Uhr mit ca. über 60% betrunkenen Gästen (50% der Gäste waren Frauen ;-) ) und schon einigen wiedergekäuten Abendessen unter dem Tisch zu Ende. Das nenne ich schnell, keine 6-8 Stunden im Brautkleid schwitzen oder komische Spiele machen, nein, hier wird gegessen, gesof… -trunken bis die Schwarte kracht und dann ist Schluss. Glücklicherweise vertrage ich auch einige der leckeren Reisschnäpse und hatte deshalb nur einmal einenn kleinen Aussetzer (Gedächtnis). Allerdings zeigten Bilder, die von mir und dem Fahrer beim Karaoke-singen gemacht wurden, dass die chinesische Tischbesetzung schon komplett mit dem Kopf auf dem Tisch lag. Gesicht behalten, trotzdem wusste ich es nicht mehr ;-)

  2. admin says:

    December 22nd, 2008 at 09:23 (#)

    Moin Lutz,

    ja, in China wird man nicht schief angesehen wenn man sich mal am Tisch übergibt.
    Der Schnaps ist aber auch ein heikles Getränk, das weiß ich aus eigener Erfahrung…

    Singen ist auch immer angesagt. Waren gestern bei einem guten Freund von mir in dessen Karaokeclub und ich durfte natürlich auch gleich mal wieder einen Song zum Besten geben. Erinnert mich dran das ich meinen Wochensenf noch tippern muss ;-)

    Viele Grüße,
    Sven

  3. Chris says:

    February 16th, 2009 at 15:13 (#)

    Hehe, sehr lustig. Übrigens ist der MaoTai aus Weizen ;)
    So schlimm finde ich den gar nicht mehr, man braucht nur eine gewisse Zeit sich daran zu gewöhnen :)

  4. admin says:

    February 16th, 2009 at 15:44 (#)

    Moin Chris,

    man(n) lernt hier nie aus, haha. Danke für die Aufklärung. Deswegen auch das (?).

    Es kommt, meiner Meinung nach, auf Qualität und Menge an. Ich schrieb es irgendwo hier mal, das man bei der Metro eine Flasche für ca. 11-12.000€ kaufen kann. Der schmeckt sicherlich!

    Hatte mal bei Freunden einen “hundert jährigen”, den man auch mit Genuss schlürfte. Schlimm wird es eigentlich nur, wenn man sich dem Rudel trinkesfreudiger Chinesen gegenübersieht, die alle nur mit dir trinken wollen. Mit dir alleine.

    So ein zwei Gläslein gegenüber bin ich auch nicht abgeneigt, aber zu viel davon sorgt bei mir nur für zwei Dinge:

    Brechreiz und Müdigkeit

    Ich schlafe für gewöhnlich nicht viel und nicht besonders gut, aber nach dem Gesöff wie ein Stein. Das ist das einzig feine daran…

    Ist wohl mit allem so, wenn man es nicht übertreibt ganz lecker, aber wehe dem der sich nicht an diese goldene Regel zu halten vermag (oder wie ich arme Sau zu sehr sozial eingebunden ist [obwohl ich mein Schicksal ja auch selbst wählte])…

    Viele Grüße,
    Sven, der heute zum Entenessen nur ein paar Gläslein Bier verköstigte…

Hinterlassen Sie einen Kommentar