Chinesisch lernen? Gibt es da auch Diaelekte?
April 3rd, 2009 | Published in chinesisch lernen | 6 Comments
Du möchtest Chinesisch lernen? Viel Spaß!
Mein Chinesisch ist wie gesagt recht gut geworden, lebe ich doch seit nunmehr mehr als zwei Jahren im Reich der Mitte und habe einen Freundeskreis, der bis auf wenige Ausnahmen, nur aus Chinesen besteht.
Dazu noch eine Bar betreiben und Volá, es klappt irgendwann.
Doch kann ich wirklich Chinesisch? Ich würde mal sagen “kommt drauf an”… Auf was kommt es an? Auf die Frage wo ich in China unterwegs bin.
In Shanghai z.B. hat man die, meiner Meinung nach, eckelhafte Angewohnheit, sollte man fest stellen, dass ein Ausländer Mandarin (also Putonghua, sprich Hochchinesisch) spricht, auf Shanghai-Hua zu switchen. Das versteht man wirklich nur wenn man entweder in Shanghai geboren wurde oder aber dort eine sehr lange Zeit gewohnt hat.
In Peking, meinen ehemaligen Lehrern aus Konstanz folgend, findet man dann die Oase des Hochchinesischen. Denkste. Als ich ein mal, vor Jahren, nach der Indischen Botschaft fragte, antwortete der Polizist in einem Kauderwelsch der mir bis Heute noch Probleme bereitet, nämlich in altem Peking Dialekt. Danke.
Chongqing und Sichuan sind mir mittlerweile Heimat geworden, nur ist auch hier die Frage wo jemand her kommt. Meiling kommt zwar aus Chongqing, wohnt jedoch ein paar Stunden den Yangtse runter, wo dann z.B. aus dem Wort “shenme”, welches man in Beibei als “sazi” ausspricht “mozi” wird. Na, klingelt es? Wenn ich das nicht wüsste, ich würde wieder nur Bahnhof verstehen.
Dann gibt es noch solch witzigen Dialekte wie aus Fujian, welches stark an Taiwan Dialekt erinnert. Einer unserer besten Freunde kommt von dort und selbst Meiling versteht kein Wort mehr wenn der sich mit anderen Freunden unterhält. Dort ist es übrigens so, dass Leute aus Nord-Fujian die Leute aus dem Süden nicht verstehen können, weil es zwei komplett unterschiedliche Sprachen sind ;-) Das ist in etwa wenn ein Bayer sich mit einem Ostfriesen unterhalten möchte…
Auf Hainan spricht man dann einen Dialekt, der mich sehr an Vietnamesisch erinnert (da wir von dort auch einige Freunde haben) und so geht das ganze Spiel weiter.
Unsere Bedienungen stammen übrigens aus Xinjiang, einer Provinz im Nord-Westen Chinas. Die verstehen, wenn jemand Chongqing Dialekt spricht, kein Wort. Da muss dann der Chef her und übersetzen, haha.
Also, stell dich auf eines ein: LEBENSLÄNGLICHes lernen!
Viel Spaß dabei,
Meiling und Sven
Ps: Es gibt auch so nen Kollegen aus Kanada, der auf CCTV eine Show hat. Der spricht astreines Chinesisch und wird dir oft “begegnen”. Als Referenz dafür, wie beschissen deine Chinesischkenntnisse sind, haha.
April 4th, 2009 at 07:57 (#)
Naja ich wag’ mal aber zu behaupten, dass man nach 4 Jahren chinesisch studium (=20h pro woche) ziemlich astrein spricht. Ich bin aber froh wenn ich die alltagsgespräche führen kann, für alles andere gibts Wörterbücher^^
April 4th, 2009 at 10:05 (#)
Moin,
erst mal muss man den Massochismus aufbringen sich 20h pro Woche (das sind dann mit Vor- und Nachbereitung des Unterrichts locker 60zig pro Woche ;-)), das Chinesische rein zu prügeln ;-)
Ja, ein Wörterbuch ist am Anfang nie weg! Volle Zustimmung.
Meiner Meinung nach kommt es wirklich drauf an wo man es gelernt hat. Man gewöhnt sich nämlich recht schnell an die Stimme des Lehrers. Wenn man dann auf der Straße mit jemandem quatscht sieht das ganz schnell ganz anders aus!
April 4th, 2009 at 10:34 (#)
Ja, das stimmt… meine Lehrerinnen versteh’ ich problemlos, auf der Strasse dauert es dann jeweils ein bisschen, bis ich jeamden versteh’…
60 h ist übertrieben, wenn du ein bisschen Talent hast kommst du mit 30h gut durch. 60 wird es erst, wenn du das Üben hinzurechnest – aber das merkst du garnicht, denn im Restaurant musst du sowieso essen, auf der Strasse was kaufen und in diskussionen während längerer Taxifahrten wirst du auch verwickelt. Daher reicht ein effektifer Lernaufwand (=hinsetzen und Pauken) von vielleicht 2h täglich neben dem regulären unterricht.
Kann auf jedenfall gut noch ein bisschen arbeiten und 1000€ nebenbei verdienen und trotzdem noch Zeit haben, sie auszugeben.
Wir reden hier ja von einem Sprachstudium, nicht einem BWL Studium^^
April 4th, 2009 at 12:01 (#)
Moin,
da stimme ich dir mal absolut nicht zu. Es mag vielleicht sein das es Leute gibt die mehr begabt sind als ich, aber je höhere der Kurs angesiedelt ist (bei Mittelstufe bist Du ganz schnell bei dem von mir veranschlagten zeitlichen Aufwand), desto mehr darfst Du vorbereiten. Gut, es kommt auch darauf an, ob Du an einer Uni dein komplettes Sprachstudium absolvierst oder zwischendurch wechselst. Je nachdem sind nämlich 50% der Vokabeln in einem neuen Text gänzlich unbekant. Wie gesagt, ich habe das ganze schon hinter mir. Es wird von Level zu Level nur noch eines, nämlich schwieriger.
Darf ich fragen wo Du jobbst? 1.000€ sind sogar nach dem Studium ein ordentliches Gehalt, wenn man einen lokalen Vertrag hat…
Ein BWL Studium ist meiner Meinung nach, ich studierte ja früher int. BWL UND Chinesisch, einfacher, auch was den Zeitaufwand angeht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass mein Interesse eher dort angesiedelt ist und es mir insofern einfacher fällt.
April 4th, 2009 at 12:24 (#)
Achso, da haben wir andere Erfahrungen. Ich bin im ersten Jahr chinesisch, von dem her nicht viel stress. Kann also nicht sagen, wies ist…
Und bei BWL hab’ ich kollegen an der HSG, die arbeiten locker mal 16h am tag… Aber die HSG ist ja auch etwas berüchtigt dafür, könnte an andern Unis anders sein (hab’ da aber keinen Plan)
Kann da gut sein, dass das von Ort zu Ort ändert. Die Unis haben ja auch nicht alle den gleich guten Ruf usw., also muss auch ein Unterschied vorhanden sein^^
Jobben tu’ ich 2h am Tag für die chinesische Regierung, hatte da einen Freund, der mir ‘nen Job vermitteln konnte… Nach dem Studium erhalten aber die wenigsten hier in China 1000€,im Moment oft nur 100€ pro Monat^^
April 5th, 2009 at 09:59 (#)
Hi,
wie Du schon meintest liegt das auch an einem selbst. Ich bin mittlerweile 30ig und lerne sicherlich nicht mehr so schnell wie jemand der gerade sein Abitur hinter sich hat. Auch habe ich andere, soll heißen mehr, soziale Verpflichtungen und auch noch zwei Geschäfte um die ich mich ab und an kümmern muss. Der Workload steigert sich aber, meiner Erfahrung nach, exponentiell und man muss, will man am Ball bleiben, wirklich einiges vor- und auch Nachbereiten. Das hängt aber auch wirklich von der Uni ab. Ich habe mir meine Uni nach dem Aspekt ausgesucht was zu lernen und vorher einen Kanadier gefragt, der seit mehr als 10 Jahren in Chongqing lebt. Der meinte “geh nach Beibei”.
Die HSG hat nicht umsonst einen sehr guten Ruf. Ich habe auch einige Kollegen die dort ihren Abschluss gemacht haben und ich würde die meisten davon ohne weitere Fragen einstellen. Es kommt beim Studium wirklich drauf an was Du studierst. Bei meinem Studium gab es das gleiche Programm noch mit Indonesisch und da hat man so zusagen jeden genommen, wohingegen bei Chinesisch auf 300+ Bewerbungen (dürften mittlerweile noch wesentlich mehr sein) nur 20ig genommen werden. Die waren dann auch motiviert bis in die Zehenspitzen, was man auch gemerkt hat. Das einzige Problem waren interne Spannungen, da die Chinesische Fraktion natürlich auf gutes Chinesisch pochte, die BWL sparte aber “ihr” Programm durchziehen wollte. Das hat sich dann durchaus im Workload bemerkbar gemacht. Wenn Du dann noch, wie ich, arbeiten musst und ganz gerne feierst, gehörst Du der Katz ;-)
2h und 1000€? Respekt. Der Kollege scheint sehr gute Beziehungen zu haben. Ich sprach von ausländischen Absolventen, da biste als Turnschuhexpat mit 1000€ gut bedient. Ich weiß was z.B. Meiling oder ihre ehemaligen Kommilitonen verdienen…