Ausländer als Solche…
May 29th, 2010 | Published in Allgemein | 3 Comments
Da ich gerade einen ziemlich angesifften Post eines Amis (Link muss ich unterschlagen, da ich meinen Rechner so präpariert habe, dass ich bestimmte Seiten hier nicht öffnen kann und nur an Meilings Lapi lesen kann) las, hier mal meine 2Cents zu Ausländern als solchen…
Fangen wir doch gleich mal mit der Spezies an, die sich in der Hierarchie ganz oben wähnt (warum möchte ich auch gerne mal wissen), nämlich den Amerikanern:
Der Amerikaner als solcher hält sich für die Krone der Schöpfung, was wohl daran lag, dass man sich die Bevölkerung aus Exil-Europäern und versklavten Afrikanern, Asiaten, die es vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft haben und Lateinamerikanern, die man sich als Haushälter hält, zusammensetzt. Amis, wie man sie umgangssprachlich auch nennt, interessieren sich nicht besonders für den Rest der Welt. Ich hatte mal einen, zugegebenermaßen recht netten, Kollegen, der einen Ausdruck an der Wand hatte, dass man ein guter Amerikaner sein möge und ja nicht eigentständig denken möchte. Nur einmal hatte unsere Beziehung gelitten, als ich die Frechheit hatte ihm eine Mail mit hoher Priorität zu schicken, anstatt meinen Allerwertesten zu ihm ins Nachbarbüro zu schicken, um dort nachzufragen, ob dieser denn auch Rechnung getragen werden könnte.
Ansonsten geben sich die meisten Amis auch nur mit sich selbst ab, weshalb ich wohl auch nicht so viele kenne. Man grüßt auf der Straße nicht, obwohl man eigentlich davon ausgeht, dass jeder auf dieser schönen Welt englisch kann, was einen natürlich auch von der lästigen Tätigkeit des Erlernens fremder Sprachen abhält und hat, wenn überhaupt, nur einen abfälligen Blick oder ein “wie geht´s dir”, was man wohl mit “Leck mich am Arsch” übersetzen könnte, für sein Gegenüber übrig.
Engländer:
Auch über die Kollegen von der Insel, die so genannten Angelsachsen, ist schon viel geschrieben worden. Auch ein Volk, welches sich aus verschiedenen Völkerwanderungen zusammengesetzt hat und ein paar schräge Gewohnheiten hat. Anders als die Amerikaner, die zwar selbst nicht verstehen warum sie immer noch nicht das metrische System benutzen, fährt man dort auch noch auf der falschen Straßenseite. Die einzigen die das wohl freut, sind die Autobauer aus Japan, wo man auch Linksverkehr hat (wenn Du einen “Japaner” fährst, weißt Du nun warum Du beim Tanken nicht um das Auto rumlaufen muss [was übrigens aus Sicherheitsgründen, wenn dir unterwegs mal der Sprit ausgeht, genau so gemacht wurde ;-)]).
Der Engländer ist gerne auf Reisen, was er vorwiegend in Ziele macht, die günstigen Alkohol und Pubs vorweisen können, wo man Fußball- oder Rugbyspiele ansehen kann. Wenn man dann, da man immer noch an die Sperrstunde, die in England abgeschafft wurde, gewohnt ist, um 18.00Uhr schon einen in der Krone hat, prügelt man sich gerne.
Auch habe ich keine Ahnung, warum die Engländer in der Sonne, die sie nicht meiden, knallrot werden. Den Spitznamen hier zu schreiben spare ich mir ;-)
Franzosen:
Ich glaube ich habe, auch nach langem Überlegen, keine französischen Freunde! Das liegt nicht daran, dass ich die Sprache nicht spreche, sondern eher an der Tatsache, dass man uns Deutsche immer noch für den Erbfeind hält. Soll mir egal sein. Ist ein schönes Land, das Essen ist gut und man soll dort treiben was man möchte. Übrigens sprechen Franzosen wohl noch schlechteres Englisch als Deutsche! Nur meine persönliche Meinung. Ich habe beides schon des öfteren gehört und glaube mir deshalb eine solche Aussage erlauben zu können. Außerdem, dass macht mich wohl deutsch, interessiert es mich einen Dreck ob es stimmt oder nicht ;-)
Deutsche:
Ich habe ja nicht nur einen dt. Reisepass, weshalb ich mich mit dem Thema gut auskenne. Zudem lebe ich nur temporär (ich würde es fast schon Urlaub nennen) in Deutschland, weshalb ich das ganze noch unreflektierter Erlebe. Österreicher, die ich auch nicht in meinem Freundeskreis habe (hat sich noch nicht ergeben, da ich bislang nur auf Transit dort war), nennen uns wohl auch Piefkes. Der Deutsche als solcher kann mit zwei Tugenden umschrieben werden: Immobil und faul. Ich kann mich noch gut daran erinnern, welche Antworten ich hörte, als ich einen Freund, der 430km weg wohnte, zum Geburtstag besuchen wollte. Das ging von “keine Zeit” bis “zu weit”, wobei letzteres wohl die ehrlichere Antwort war. Alles was über 15km hinausgeht, wird vom gemeinen Deutschen als solchem schon als betrachtliche Entfernung gesehen. Wenn man überhaupt eine derartige Strecke zurücklegt, dann bitte mit etwas Planung und einer gefühlten Kühlbox! Das setzt sich dann natürlich auch bei der Wahl des Partners oder aber des Arbeitsplatzes fort. Meiling und ich sind hier die Ausnahmen (gut, Meiling ist Chinesische Staatsbürgerin und hat auch absolut keinen Bock daran was zu ändern [ich hingegen arbeite an einer anderen, wobei Nachfragen hierüber unbeantwortet bleiben werden]). Sie lebt 6h Busfahrt von zu Hause weg und betrachtet das als besonders Nahe und ich brauche, alles zusammen, ungefähr 24h von Haustüre zu Haustüre, was mich auch nicht umbringt. Genug auf die eigene Schulter geklopft ;-)
Was Deutsche auch noch auszeichnet, ist ihr fehlender Sinn für Humor und die Fähigkeit auch das letzte Jahr in der Suppe, die aber immer jemand anderes auslöffeln darf, zu finden. Wenn man dann noch gut zu Jammern hat, ist die Welt fast schon wieder in Ordnung.
Schweizer:
Da ich ja einige Freunde in der Schweiz habe und auch einige unserer Leser aus der Alpenrepublik kommen, sollen diese nat. auch ihr Fett wegbekommen ;-) Ich bin ein (selbst)gerechter Mensch…
Als ich in Konstanz lebte, wünschte ich mir nur eines, nämlich eine Mauer zur Schweiz, damit die Kollegen aus dem Thurgau nicht mehr zum Einkaufen nach Deutschland kommen können. Gut, ich hätte zwar auf den günstigen Sprit und den sporadischen Einkauf von günstigen Zigarren verzichten müssen, aber da ich damals, wie jetzt auch, kein Auto hatte und nicht geraucht habe, wäre das noch zu verkraften gewesen. Die schlimmsten waren aber die Zöllner, die wohl meinen Hass auf die Schweizer als solche geschürrt hatten. Ein unfreundliches Pack wie es im Buche steht. Gut, ich hatte damals noch lange Haare, was mich natürlich als Unruhestifter kennzeichnete, aber wirklich nur gutes im Schilde. Das ganze legte sich dann später, als ich ein paar Monate jede Woche in Zürich verweilte. Mein Bild von der Schweiz hat sich seitdem grundlegend geändert.
Wie ist aber, aus meiner Sicht, der Schweizer als solcher? Gechilled. Man spricht eine Sprache, die ich mittlerweile zu verstehen glaube, kann aber, wenn man sich anstrengt, auch Hochdeutsch sprechen. Ansonsten ist alles unglaublich teuer, was aber auch niemanden besonders interessiert und man ist, was mir am Besten gefällt, gut vernetzt. Wo man in Deutschland über Vitamin B meckert (natürlich nur weil man es selbst nicht hat), gilt in der Schweiz, dass netzwerken angesagt ist. Wirklich negatives fällt mir eigentlich nicht ein, nur dass es wohl im Winter recht kalt ist, da man fast überall Ski fahren kann.
Genug der Worte, 5 Minuten meiner kostbaren Zeit reichen, sonst muss ich Meiling beim Essen wieder vorjammern wie beschäftigt ich doch bin,
cheers,
Sven
Ps: Für meinen privaten Senf fehlt es mir derzeit wirklich an Zeit und ich habe auch gerade keine Lust unsere intimsten Geheimnisse mit den 4Mrd. Menschen, die sich im Internet rumtreiben, zu teilen ;-)
Pps: Vor Freitag schau ich hier nicht mehr rein, also nicht zu sehr mit mir ins virtuelle Gericht gehen ;-) Über deine Meinung freue ich mich aber umsomehr, haha.
May 29th, 2010 at 21:22 (#)
Hi Bruderherz!!!!
So, jetzt muss ich meine Meinung zu Deinem Posting mal kundtun (ich denke, bis Freitag wird die Liste recht lang werden).
Ich kenne zwar nur wenige Amerikaner, keine Franzosen und auch keine (waschechten) Schweizer, aber hier gilt meine Meinung genauso wie bei Türken, Griechen, Afrikanern usw.: Man kann nicht alle über einen Kamm scheren!!! Es gibt “solche und solche” wie bei den Deutschen auch.
Zu den Deutschen kann ich – dadurch, dass ich eine solche bin – aber doch meinen Kommentar hinterlassen: 1.) Würde ich auch nicht 430 km für einen Geburtstag zurücklegen (ausser natürlich es wäre Deiner :-)) und die Kühlbox wäre selbstverständlich – incl. der sorgfältigen Planung – mit an Bord. 2.) Ich finde schon, dass ich Humor habe – wobei ich nicht aus Höflichkeit über den schlechten Witz des Chefs lache und auch gerne mal zugebe, wenn ich die Pointe nicht verstehe – um danach über mich selbst lachen zu können. 3.) Jammern kann ich auch – weiss aber, dass es nix bringt und 4.) stehe ich zuguterletzt zu meinen Fehlern und bringe sie auch selbst wieder in Ordnung. Somit bin ich – zumindest in manchen Dingen – doch eine Ausnahme (und hoffentlich nicht von der Regel :-).
In diesem Sinne – schöne Woche!!!
LG
Steffi
May 30th, 2010 at 16:55 (#)
Hehe, irgendwie treffen es viele Stereotypen – bei den Franzosen haste arrogant vergessen :P
Naja, bei uns Schweizern würd’ ich dieselben Punkte wie bei Deutschen anfügen. Plus der Überheblichkeit der Amis – der Grundgedanke in der Alpenföderation ist der, dass alle Ausländer einreisen wollen und Wirtschaftsflüchtlinge sind. Immobil sind wir aber wohl schon eher nicht; ich für meinen Teil verbringe meine Lernphase für die Uniprüfungen hier in China (jap, bin jetzt da :D) und fuhr gestern für einen Tag 200 Km nach Emei, mein Vater flog heute nach Argentinien (fliegt wohl immernoch…) und meine Mitbewohner und ich machten vor 2 Wochen einen Ausflug nach Italien, da wir grad auf Anhieb keinen ortendlichen Grillplatz in St. Gallen gefunden haben.
Aber Steffi hat schon recht – das sind alles Stereotypen und es gibt immer wieder Ausnahmen.
Lg
June 3rd, 2010 at 18:59 (#)
Moinsen,
da es hier schon Freitag ist und ich gerade keine Lust habe was zu tun, antworte ich doch mal schnell ;-)
@Schwesterherz: Ihr habt zwei kleine Kinder. Wenn wir die hätten, würde die Kühlbox wohl auch mitreisen. Da ich aber noch jung und ungebunden bin, darf es für mich auch mal schnell die Bockwurst auf der Autobahnraste sein und ich kann es mir auch zeitlich erlauben, den ein oder anderen sinnfreien Ausflug zu machen. Ab und an, das scheint ja bei Aremonus nicht anders zu sein, darf aber auch mal der Weg das Ziel sein. Erinnere mich noch gut, als ich mal auf Feindfahrt nach Bremerhaven düste und mir unterwegs die Karre brannte, weil ich mit meinem 5L Kanister Öl nachfüllte und meine abgeschnittene Coke Buddel, die mir als Trichter diente, umgekippt ist. Da kam dann ein Trucker dazu der nur meinte “ey, deine Karre brennt”… Kurz “Löschwasser” aus dem Auto, 200km den Geruch von verbranntem Öl in der Nase und nette 3 Tage an der Küste verbracht. Ebbe hab ich aber immer noch nicht gesehen ;-)
Ich kenne zwar nur coole Leute, aber wenn ich mir nur unser Heimatdorf mit seinen nicht mal 2.000 Einwohnern ansehe, muss ich doch sagen, dass es überproportional viele Arschlöcher gibt ;-) Das ging mir übrigens in den meisten Städten in Deutschland, in denen ich länger als 48h verbrachte, sprich gewohnt habe, so…
Etwas mehr Gelassenheit würde unserem Volk wohl nicht schaden! Wenn ich mir ansehe was wir im Kanzleramt sitzen haben, wundert es mich nicht, dass jeder im Ausland denkt, dass wir nen Stock im Arsch haben. Als wir im März auf den Philippinen waren, meinte der Chef von unsrem Hotel, etwa mein Alter und genau meine Einstellung, bei nem Bierchen, dass er nie im Leben gedacht hätte, dass ich aus Deutschland komme. Nicht wegen meinem English, sondern Aufgrund der Tatsache, dass ich meistens am Lächeln oder Lachen bin… Und der hat in seiner Karriere als Hotelbetreiber schon einige Landsleute getroffen ;-)
@Aermonus: Ja, die Franzosen tragen die Nase schon recht hoch. Das stimmt wohl. Leider (oder zum Glück) verstehe ich die aber nicht ;-) Die einzigen Dinge auf die die sich was einblden dürfen, sind ihre Hauptstadt, ihre Küche und die Göttin, also das, meiner Meinung nach, schönste Auto was je gebaut wurde…
Ihr habt in der Schweiz, wenn ich mich richtig entsinne, einen Ausländeranteil von 25%. Da kann schon mal die Angst vor Überfremdung aufkommen ;-) Würde ich da Leben, hätte ich sicherlich auch Angst, haha. Ja, ich habe auch eine innere Unruhe, die derzeit mal wieder am Ausbrechen ist. Aber erst mal schaun in welchem Land es meinen Nachnamen noch als Domain gibt ,-)
Lg an alle Beteiligten,
Sven