Was macht der Sven den eigentlich den ganzen Tag über?
Gepostet am 23. 02. 2009 | Veröffentlicht in Allgemein | 6 Kommentare
Ich hatte solch einen Post schon mal, als ich vor 2 Jahren in Qingdao in einer Sprachschule für Chinesisch arbeitete. Ein kluger Mann, leider letztes Jahr verstorben, meinte mal “ich weiß erst dann was ich gesagt habe, wenn ich die Antwort habe”. Gleiches gilt für das geschriebene Wort.
Ich bin niemand der es für nötig hält sich vor irgend jemandem außer mir selbst zu rechtfertigen, aber ab und an ist es doch mal an der Zeit Tacheles, auch sich selbst gegenüber, zu reden (verfassen).
Es entstand wohl bei einigen meiner Freunde und Leser der Eindruck, dass ich die ganze Zeit nur am Feiern wäre und in den Tag lebe. Dem ist nur eingeschränkt so ;-) Das ich ganz gerne mit Freunden um die Häuser ziehe ist wohl normal, da ich erst 30ig bin und die Rente noch weit von mir entfernt sehe. Ich stehe so zusagen noch voll und ganz im Saft!
Bislang hatten wir ja noch unsere Bar, die Anfangs ein Hobby war und dann zum Geschäft werden sollte. Daraus wurde nichts und wir haben eingesehen, dass es besser ist den Laden zu schließen und, wenn sich ein Käufer findet, zu verkaufen. Wer noch nicht in der Gastronomie gearbeitet hat, sieht dies wohl etwas romantisch und verklärt. Diesen Fehler machten wir Anfangs ebenfalls. Es ist aber eines, nämlich ein Knochenjob! Speziell wenn sich die Bar im Ausland befindet und die Einheimischen, ohne Rücksicht auf Verluste, sich jeden Tag einen hinter die Binde kippen wollen. Das geht gut an die Substanz kann ich dir sagen. Ich bin zwar ein Nachtmensch und brauche wenig Schlaf, aber wenn man jeden Tag halb dicht nach Hause kommt ist es auch nichts mehr mit früh aufstehen. Etwas Regenerierung braucht der Mensch halt auch.
Das und die Tatsache das ich max. 2x im Jahr in Deutschland bin, sorgte natürlich bei meinen deutschen Kunden für Frust. Einige wurden von meinen werten Webdesignerkollegen abgeworben, andere haben mir die Freundschaft gekündigt. Der Lauf der Dinge. Da ich das geschäftliche und das private aber trenne lässt mich das Kalt. Bis auf wenige Ausnahmen, mit denen ich schon länger sehr zufriedenstellend zusammen arbeite (was sich a) in der Effizienz und Effektivität der Umsetzung niederschlägt da die Spielregeln nicht jedes mal neu definiert werden müssen und b) sich auch meistens in einer schnellen Zahlung widerspiegelt) hätte ich die Kooperationen eh zum Jahresende ´08 aufgekündigt. So kam das Eine zum Anderen.
Doch was mache ich den ganzen Tag? Ich kann ebenfalls, leider, nicht von Luft und Liebe leben und befinde mich in einem Markt in dem Wissen eine Halbwertszeit von ca. einem halben Jahr hat. So verbringe ich jeden Tag (ich arbeite für gewöhnlich 7 Tage die Woche) damit, mir neues Wissen anzueignen, neues, geschäftliches auszuprobieren und alte Kundenaufträge abzuarbeiten. Das geht dann meistens bis 6 oder 7 Uhr morgens und dann lege ich mich schlafen. Für gewöhnlich schaffe ich es auch ca. zur Mittagszeit aufzustehen und dann geht der Spaß von vorne los.
Zwischendurch, ich bin keine Maschine, gehe ich noch was essen oder aber spontan mit Freunden aus. Etwas sozialleben sei mir doch vergönnt.
Da ich die letzten Wochen jedoch feststellte, dass sich das ein oder andere neue Geschäft entweder als nicht rentabel, als Luftnummer oder aber erst in Zukunft mit Einkünften versehen erwies, suche ich mir die nächsten Tage einen Job. Wer nichts wird, wird Englischlehrer oder so ähnlich. Sicherlich habe ich auch nichts dagegen mein Wissen in einem geeigneten Umfeld, sprich als Projektmanager in einer chinesischen Agentur, unterzubringen, aber ich bin mir auch nicht zu Fein kleinen Kindern beim Englisch lernen zu helfen. Hochmut kommt nämlich vor dem Fall und das habe ich mittlerweile selbst zu spüren bekommen.
Mein “Tagesgeschäft” bleibt davon natürlich unberührt, da ich meinen Job viel zu sehr liebe als das ich ihn an den virtuellen Nagel hängen würde ;-)
Genug von der Seele geschrieben,
eine schöne Woche,
Sven
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